Krebs des Brucker Täters war eingebildet

Tragischer Irrtum

© APA/ Raimund Wrana

Krebs des Brucker Täters war eingebildet

Der 61-jährige Steirer, der am Mittwoch seinen sechsjährigen Sohn und danach sich selbst getötet hat, dürfte gar nicht an Krebs erkrankt gewesen sein. Weder Obduktion noch ärztliche Befunde hätten ein eindeutigen Hinweis ergeben, erklärte Polizei-Ermittlungsleiter Rene Kornberger am Donnerstag. In Abschiedsbriefen hatte der Bordellbesitzer aus Bruck an der Mur seine angebliche Lymphknotenkrebserkrankung und den Wunsch, dass sein Sohn nicht ohne Vater aufwachsen solle, als Mord- bzw. Selbstmordmotiv genannt.

Nur kleines Gewächs gefunden
Die besonders tragische Facette der Gewalttat war durch die gerichtsmedizinische Leichenöffnung offensichtlich: Gefunden wurde dabei nur ein kleines Gewächs und kein Indiz für eine lebensbedrohliche Erkrankung, so der Ermittlungsleiter. Kurt J. war nur in ambulanter Behandlung, auch Hinweise auf eine Chemotherapie gebe es nicht. Um endgültige Gewissheit zu erhalten, müsste eine histologische Untersuchung gemacht werden, die aber angesichts des klaren Tatbestands nicht beauftragt werde.

Bub mit Kopfkissen erstickt
Bestätigt wurde bei der Obduktion des Buben die vermutete Todesursache: Der Kleine war mit einem Kopfkissen erstickt worden. Unklarheiten hatte es zunächst über die Wohnumstände des Sechsjährigen gegeben: Laut Meldeauskunft war Matthias seit 2002 durchgängig in Bruck/Mur gemeldet, Zeugenaussagen zur Folge lebte er aber bei seiner Mutter in Tschechien, die seit 2003 von Kurt J. geschieden ist. Dafür, dass das Kind bei der Mutter wohnte und nur auf Ferienbesuch in der Obersteiermark war, deute auch der Umstand hin, dass sein Name 2003 aus dem Reisepass des Vaters gestrichen worden sei, ergänzte Kornberger. Nähere Informationen erwarte man sich von der Einvernahme der Mutter am Donnerstag.

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Keine Erkenntnisse erbrachte hingegen eine Befragung der volljährigen Tochter des Bruckers: Nach ihren Angaben hatte die in Wien lebende Frau seit Jahren keinen Kontakt zu ihrem Vater. Laut Polizei war der 61-Jährige, der neben dem Bordell "Cherie" am Brucker Stadtrand auch ein Cafe und einen "Swinger Club" in der Umgebung besaß, "kriminalpolizeilich total unauffällig".

Seitens der Fürsorgebehörde wurde auf Anfrage betont, dass für das Kind keine Zuständigkeit gegeben gewesen sei. "Es handelte sich um ein Scheidungskind, das nicht einmal in Österreich gewohnt hat", erklärte Bezirkshauptmann Bernhard Preiner. Über den Buben sei auch kein Akt vorliegend.

Von Prostituierter entdeckt
Mittwochvormittag entdeckte eine Prostituierte an ihrem Arbeitsplatz in Bruck an der Mur die zwei Leichen: Im Stiegenhaus des Bordells Salon Cherie, das dem Chef auch als Wohnhaus diente, hatte sich Besitzer Kurt J. (61) erhängt, im Kinderzimmer darüber lag im Bett der leblose Köper seines sechsjährigen Sohnes Matthias.

Abschiedsbriefe entdeckt
Der Bub war mit einem Pyjama bekleidet und liebevoll zugedeckt. Dabei wurde der Sechsjährige vom eigenen Vater umgebracht, vermutlich erstickt. Denn am Kinderhals waren keine typischen Würgemale.

Im Arbeitszimmer von Kurt J. fanden Ermittler der Mordkommission dann zwei Abschiedsbriefe des Mörders und Selbstmörders: Er sei unheilbar krebskrank, hatte der Mann vor seiner Verzweiflungstat niedergeschrieben und auch finanziell in einer tristen Situation. Und weil er seinen minderjährigten Sohn nicht unversorgt zurücklassen wolle, habe er sich entschlossen, beider Leben zu beenden.

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Kenner des örtlichen Nachtlebens sind überrascht und schockiert. Denn zum einen gilt die Bar Salon Cherie in Bruck als gut besuchte Goldgrube, zum anderen hatte Nachtkönig Kurt J. seine Tumorerkrankung (Lymphknotenkrebs) geheimgehalten. Und Nachforschungen der Polizei haben ergeben, dass auch das Privatleben des Bordelliers aus den Fugen war.
Denn die Mutter seines Sohnes ist Prostituierte und von Bruck weggezogen, weil sie meinte, im Ausland mehr zu verdienen. Sie hat sich seit Jahren nicht mehr um ihre Familie gekümmert.

Bitte um Vergebung
Offenbar glaubte Kurt J., dass sein Bub Mathias als Halbwaise zum Fürsorgefall werden könnte. Denn in seinem Abschiedbrief schrieb er: "Was man liebt, muss man bedingungslos schützen. Deshalb kann ich Matthias nicht allein in dieser kalten Welt zurücklassen. Ich hoffe, alle, die mich kannten, werden mich verstehen. Und alle, die mich mochten, werden mir vergeben."

Eine Obduktion des Sohnes soll jetzt die genaue Todesursache klären.

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