Geiselnahme-Prozess wurde vertagt

Vorarlberg

© APA/DIETMAR STIPLOVSEK

Geiselnahme-Prozess wurde vertagt

Der Prozess gegen einen 43-jährigen Bosnier nach einem Banküberfall mit Geiselnahme in Feldkirch im Herbst 2008 ist am Freitag vertagt worden. Grund ist die Einholung eines neurologischen und psychiatrischen Gutachtens über die Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten zur Tatzeit. Bereits zu Beginn des Prozesses hatte die Verhandlung für eine Stunde vertagt werden müssen, da nicht feststand, ob der Angeklagte verhandlungsfähig ist.

Verdächtiger bestreitet Tat
Vor Gericht bestritt der 43-Jährige die Geiselnahme: Er habe lediglich einen Chauffeur gebraucht. Der Mann blieb bei seiner Aussage, dass der Banküberfall eine spontane Idee gewesen sei. Dass er an jenem Tag zwei Kleiderschichten übereinander trug, begründete er mit "Kälte". Einen Kleiderwechsel habe er nicht beabsichtigt.

Neun Schüsse im Magazin
Wie sich bei der Verhandlung herausstellte, hatte der Bosnier beim Überfall seine Finger mit Klebeband umwickelt, um keine Fingerabdrücke zu hinterlassen. Im Lauf der Waffe, mit der er die 37-jährige Bankangestellte bedrohte, war zwar keine Patrone, allerdings war das Magazin mit neun Schüssen gefüllt. Die Pistole habe er von Bosnien mit nach Vorarlberg gebracht, um sie im "Ländle" zu verkaufen.

Geisel "verwundert"
Die 37-Jährige zeigte sich vor Gericht verwundert über den psychisch desolaten Zustand des Angeklagten. Bei der Flucht quer durch Österreich habe der Mann sehr zielorientiert gewirkt. "Er wusste genau, was er tat", sagte die Frau. Während der Autofahrt habe er das erbeutete Geld gezählt. Auch die Maut für die Durchfahrt des Arlbergtunnels habe der 43-Jährige aus dem Plastiksackerl bezahlt, in dem er die Beute aufbewahrte.

Nachwirkungen
Die Bankangestellte litt während der fünfstündigen Flucht unter großer Angst. Vor allem die Ungewissheit darüber, was der 43-Jährige mit ihr vorhabe ("Ich hatte ihn schließlich gesehen"), bereitete der Frau große Qualen. Auch heute noch ist sie angeschlagen, leidet unter Kopfweh, Schlafstörungen und Nervosität. Sie arbeitet nach wie vor in der Bank, aber nicht mehr am Schalter.

Gutachten & Vertagung
Der Verteidiger German Bertsch beantragte die Einholung eines neurologischen und psychiatrischen Gutachtens über seinen Mandanten. Der Angeklagte habe bereits am Donnerstag unter einer posttraumatischen Belastungsstörung gelitten. Der heftig weinende Mann musste beim Betreten des Gerichtssaals gestützt und der Prozess zunächst für eine Stunde unterbrochen werden. Da dem Antrag stattgegeben wurde, musste die Verhandlung vertagt werden.

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