Bei Elsner in Haft:

Seine Abrechnung

Bei Elsner in Haft: "Jetzt rede ich"

Seiten: 12

Seit drei Jahren, sieben Monaten und 21 Tagen sitzt Helmut Elsner (75) in U-Haft. 1.390 Tage Monotonie. Alleine, in einer Zelle in der Krankenstation, Ebene Z5.

Freitag um 13.00 Uhr öffnet sich das riesige Eingangstor der Justizanstalt Wien-Josefstadt. „Es gibt zwei grüne Tore, läuten Sie beim rechten“, wird mir vor dem Besuch erklärt. Anmeldung, Sicherheits-Check, dann begleitet mich ein Justizwachebeamter in den 5. Stock.

Im Aufzug letzte Anweisungen: „Fotos nur vor neutralem Hintergrund.“ Eine Stunde Zeit bekomme ich, um mit Elsner zu sprechen. Direkt, ohne Glasscheibe als Trennung. Elsner hat sich ausdrücklich ÖSTERREICH ausgesucht, um das erste Zeitungs-Interview seit Jahren zu geben.

Was ins Auge sticht: Hier ist alles grün. Wände, Zellentüren. Dann ist Elsner da. Sogar sein Pulli ist mint.

22 Kilo mehr
Wir setzen uns in den Untersuchungsraum der Krankenstation, dürfen unter vier Augen miteinander reden. Der erste Eindruck schockiert. Von Elsner gibt es seit Monaten keine Fotos, deshalb fällt auf, wie stark er zugenommen hat. „22 Kilo“, sagt er, „seit ich in Haft sitze“. 105 Kilo wiegt er jetzt.

Das Reden fällt ihm schwer, er ringt immer wieder nach Luft, wirkt aufgedunsen, vor allem im Gesicht. Elsner ist definitiv ein kranker Mann.

Aber: Der Ex-Manager wirkt gleichzeitig hellwach, trägt die Haare immer noch so, als würde er auf dem Weg in die Bank sein. In seine Bawag. Lebenszweck und Untergang. Vor allem aber: Elsner ist nach wie vor kämpferisch, will seinen „Fall“ aufklären. Er hat in der U-Haft kein Internet, kein Telefon, kein E-Mail. Aber er liest akribisch jeden Gerichtsakt, jedes Anwaltschreiben. Wichtige Stellen sind mit Leuchtstift gelb markiert. Viele Aussagen aus dem Bawag-Prozess kann Elsner auswendig rezitieren.

Im Interview, das ÖSTERREICH als Serie druckt, macht er spektakuläre Ankündigungen: Elsner möchte beweisen, dass Wolfgang Flöttl die Bawag-Millionen nicht verspekuliert, sondern unterschlagen hat. Er erzählt, wie das System Flöttl funktioniert. Und er will, dass das Verfahren um den Plastiksackerl-Kredit neu aufgerollt wird. Lesen Sie rechts Teil 1 des Interviews.

ÖSTERREICH: Herr Elsner, vor 12 Tagen wurde Ihr Antrag auf Fußfessel abgelehnt. Haben Sie damit gerechnet, oder glaubten Sie wie viele, dass Sie nach Hause kommen werden?

Helmut Elsner: Ich sage Ihnen etwas: Ich war nicht überrascht. Als die Staatsanwaltschaft zuerst „Ja“ gesagt hat, waren alle – auch hier in der U-Haft – der Meinung, der Antrag geht durch. Aber Richter Christian Böhm hat schon mehrmals absurde Begründungen gebracht, warum bei mir angeblich Fluchtgefahr besteht, dass ich vorsichtig war. So hat er bei einem meiner Enthaftungsanträge behauptet, mein Vermögen ist zwar gesperrt, aber mit meiner ASVG-Pension von 1.300 Euro kann ich mit meiner Frau ein sehr geordnetes Leben im Ausland führen. Und mit der e-card kann ich mich behandeln lassen.

ÖSTERREICH: Haben Sie sich gewundert, dass plötzlich das Bügelzimmer Ihrer Wohnung einer der Gründe für die Ablehnung war?

Elsner: Im Vorfeld wurde alles untersucht, auch das Bügelzimmer. Es gab nur beim ersten Check Probleme, aber beim zweiten Check gab es auch hier Empfang. Vor der Haftverhandlung wurden auch meine sozialen Verhältnisse überprüft. Ich wurde gefragt, welche persönlichen Freiräume ich haben will, da habe ich geantwortet: Ich will gar keine haben, denn ich möchte Richter Christian Böhm keine Möglichkeit geben, dass er wieder mit der Fluchtgefahr argumentieren kann. Ich wollte 24 Stunden zu Hause bleiben. Mir war nur wichtig, aus dieser Stresssituation, die in der U-Haft herrscht, zu kommen. Ich habe vorgeschlagen, dass die Ärzte mich zu Hause behandeln können. Richter Böhm hat mich darauf gefragt: „Und was ist, wenn Sie eine Blutuntersuchung im Labor machen müssen?“ Da habe ich geantwortet: „Da geht mein Blut ins Labor und nicht ich selber.“

ÖSTERREICH: Glauben Sie, dass Sie noch in diesem Jahr aus dem Gefängnis kommen?

ELSNER: Das kann ich nicht beantworten, das weiß ich nicht. Aber eines weiß ich sicher: Ich bin nicht zerknirscht. Man kann mich nicht zerknirschen, sondern nur umbringen.

ÖSTERREICH: Sie haben Beschwerde gegen die Entscheidung von Christian Böhm beim Oberlandesgericht eingebracht. Glauben Sie, hat diese Beschwerde überhaupt eine Chance?

ElSner: Bis jetzt ist jede Beschwerde von Richterin Ingrid Jelinek abgelehnt worden. Sie hat mich in ihren Begründungen als „skrupellos“ und „unverfroren“ bezeichnet. Weil ich so skrupellos bin, würde ich sofort flüchten und meinen Freunden, die Kaution für mich stellen, schaden. Jetzt haben wir eine Befangenheitsbeschwerde gegen sie eingebracht und hoffen, wenn ein anderer Richter entscheidet, dass die Chancen steigen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite das zweite Teil des großen Interviews.

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