Berufsmatura als Schlüssel zur Vollbeschäftigung

Forum Alpbach

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Berufsmatura als Schlüssel zur Vollbeschäftigung

Der Arbeitsmarkt in allen Facetten war das dominante Thema der diesjährigen Wirtschaftsgespräche im Rahmen des Europäischen Forum Alpbach 2007, die am Freitag zu Ende gehen. Eines der meistgenannten Worte der Tagung war das Zauberwort "Flexicurity" - ein Modell für die Verbindung von Flexibilität und Sicherheit, das die Bedürfnisse von Arbeitnehmern und Arbeitgebern bestmöglich erfüllen soll.

Vollbeschäftigung ist Arbeitslosigkeit unter vier Prozent
Auf ähnlich viele Nennungen bringt es der Begriff "Vollbeschäftigung" - der nach allgemeinem Konsens eine Arbeitslosigkeit in der Größenordnung von unter 4 Prozent (nach Eurostat-Definition) bezeichnet. Dem provokanten Generalthema "Nie wieder Vollbeschäftigung? Perspektive 2020" zum Trotz hält Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) eine Vollbeschäftigung nach dieser Definition bis zum Jahr 2010 für möglich. "Eine Arbeitslosenquote mit einem Dreier vor dem Komma ist möglich, und heute möglicher als vor einem Jahr", sagte Bartenstein am Freitag in Alpbach.

Nur mit Zusätzliche Anstrengungen möglich
Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (S) bezeichnete Vollbeschäftigung als "ambitioniertes Ziel", das nur mit zusätzlichen Anstrengungen zu erreichen sei. Unbefriedigend sei für ihn die Tatsache, dass trotz einer Beschäftigung auf Rekordniveau nur jeder vierte Arbeitsplatz von einem bisher Arbeitslosen eingenommen werde. Bei den bisherigen Modellen von "Flexicurity" habe der Sicherheitsaspekt noch Nachholbedarf, meint der Kanzler.

Mit der Einführung einer "Berufsmatura" - einer Fachausbildung mit Maturaabschluss - will der Kanzler breite Bevölkerungsschichten auf Maturaniveau bringen. Außer Forschern und Entwicklern brauche Österreich auch eine hochqualifizierte "Anwendungselite".

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Bartenstein kündigte heute in Alpbach die weitere schrittweise Öffnung des Arbeitsmarkts für die neuen EU-Länder an. Ab 2009 sollen die Hürden für Fachkräfte und Akademiker schrittweise wegfallen, dann bliebe nur noch der Schutz für Hilfskräfte. Die bestehenden Quoten für Facharbeiter sollen hingegen schon im Jahr 2008 in einer "Fachkräfteverordnung" auch auf neue Berufsbilder erweitert werden, sagte Bartenstein.

Arbeitslosigkeit immer noch zu hoch
Für Karl Aiginger vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) ist die Arbeitslosigkeit in Österreich "noch immer zu hoch", zugleich gebe es eine erhebliche "Nichtausnützung der Arbeitskräfte". Eine wichtige Maßnahme zur Schaffung von Arbeit wäre die Verringerung der Differenz von Brutto- und Nettolohn, die mit bis zu 100 Prozent deutlich zu hoch sei.

"Steuerstrukturreform" notwendig
"Auch das Steuersystem muss Arbeit schaffen und Leistung belohnen", sagte Aiginger. Die Steuerreform müsse eine "Steuerstrukturreform" werden. Gusenbauer sprach sich heute für ein "leistungsorientiertes Steuersystem" aus, der Faktor Arbeit müsse entlastet werden.

Kanzler will Bildungsreform
Der Bundeskanzler verlangte heute auch für eine "Bildungsreform" aus, er sieht einen deutlichen Zusammenhang zwischen Unter-5Jährigen, die keinen Kindergarten besuchen, und jenen, die mit 15 bei der Pisa-Studie Lese- und Rechenschwächen aufweisen. Um Ziele wie die Erhöhung der Forschungsquote auf 3 Prozent und das Vorrücken auf Platz 3 unter den reichsten Ländern Europas zu erreichen, sei eine "Strategie der Spitze" statt einer Strategie der Mitte nötig.

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