Drei Halbwaisen droht die Abschiebung

Asyl-Drama

© TZ Österreich

Drei Halbwaisen droht die Abschiebung

"Ich habe nur noch Angst. Wir sollen weg, dabei liegt hier die Mutter meiner Kinder begraben.“ Badrakh Lunuu ist am Ende. Der Mongole wurde schon in der Vergangenheit von furchtbaren Schicksalsschlägen getroffen, jetzt droht der nächste.

Drohung
Am 29. Oktober langte beim Anwalt des 38-Jährigen ein brisanter Brief ein: Der Asylantrag der Familie ist abgelehnt, ihr wird nahegelegt, Österreich freiwillig zu verlassen. Advokat Rudolf Pototschnig: "Das heißt, gehen meine Mandanten nicht, werden sie abgeschoben.“ Doch Badrakh Lunuu weiß nicht, wohin. 2004 floh er mit seiner Frau und der heute 15 Jahre alten Tochter Enkhmurun nach Österreich. Er war von einem Gericht zu 13 Jahren Militärhaft verurteilt worden, weil er als Gefängniswärter angeblich Häftlingen zur Freiheit verholfen hätte. Ein Scheinprozess, wie der Familienvater versichert.

Drama
2005 wurde dann seine Frau in Kärnten von einem Lkw totgefahren. Sie liegt in Klagenfurt begraben, wo der Mann mit seinen nunmehr drei Kindern lebt. "Alle sind perfekt integriert. Die Größte war Schulsprecherin, der achtjährige Purewjal und sein sechs Jahre alter Bruder Bilguun werden von Lehrern und Betreuern wortwörtlich als Traumkinder bezeichnet“, so Klagenfurts Vizebürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz. Sie ist nur eine in der großen Riege der Unterstützer, die für die mongolische Familie kämpfen wollen.

Fehler
Was nicht leicht wird, denn Badrakh Lunuu hat bei seinem ersten Asylantrag einen falschen Namen angegeben. "Aus Angst“, wie er den Fehler nun begründet. Die Folgen könnten fatal sein, denn bei Abschiebung droht ihm in der Mongolei Haft, die Kinder wären auf sich allein gestellt. Um das abzuwenden, hat Anwalt Pototschnig einen zweiten Asylantrag gestellt – und Antrag auf humanitäres Bleiberecht: "Alles andere liefe jeder Menschlichkeit zuwider.“ Tochter Enkhmurun zittert vor der Zukunft: "Ich kann nicht schlafen. Alle meine Pläne haben sich in Luft aufgelöst, jeden Tag kann die Polizei vor der Tür stehen“, sagt sie in breitem Kärntner Dialekt – denn Mongolisch sprechen weder sie noch ihre Brüder.

Autor: Markus Hofer
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