Missbrauchsskandal

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"Ich bin wütend, Gott!"

Kardinal Christoph Schönborn wird beim geplanten Klage- und Bußgottesdienst ein "Schuldbekenntnis im Namen der Kirche" zu den Missbrauchsfällen sprechen. Bei der Veranstaltung im Wiener Stephansdom am Mittwoch um 19 Uhr werden die Kirchenspitze und ihre Kritiker in seltener Einigkeit auftreten: Die Plattform "Wir sind Kirche" war bei der Vorbereitung der Liturgie eingebunden, Schönborn wird den Gottesdienst leiten.

"Ich bin wütend, Gott!"
Das Leitmotiv der Messe lautet "Ich bin wütend, Gott!", beim Wortgottesdienst werden Menschen, die Opfer von Missbrauch durch Mitarbeiter der Kirche geworden sind, von ihren Erfahrungen berichten. "Sie werden Zeugnis von ihrer bedrängenden Situation geben", kündigte Dompfarrer Anton Faber an. In Fürbitten und einem besonderen "Weihrauch- und Kerzenritus" könnten die Gottesdienstbesucher "ihre Ohnmacht und Enttäuschung genauso wie ihre Hoffnungen und Bitten vor Gott tragen", so Faber.

"Dunkle Seiten" des Lebens zeigen
Die Gestaltung der Liturgie werde bewusst die alte kirchliche Tradition der Klagepsalmen aufgreifen, um die "dunklen Seiten" des Lebens vor Gott zu bringen, erklärte Dompfarrer Faber. Hans Peter Hurka von "Wir sind Kirche" zeigte sich im Vorfeld des Bußgottesdienstes überzeugt, "dass das Aussprechen von Enttäuschungen ein wichtiger erster Schritt zur Aufarbeitung sein kann".

566 Meldungen seit Jänner
Insgesamt 566 Meldungen hat es seit Beginn dieses Jahres bei den Ombudsstellen für Opfer sexuellen Missbrauchs in der Kirche gegeben. Spitzenreiter dabei sind die Erzdiözese Wien mit 174 und die Diözese Innsbruck mit 115 Kontakten. Mehr als die Hälfte der Fälle dürfte verjährt sein. Tatsächlich sexuellen Missbrauch betreffen nach aktuellem Erkenntnisstand vorerst nur 27 Prozent der Meldungen. Bei 26 Prozent der Fälle handelt es sich um Gewalt, knapp die Hälfte bedarf noch weiterer Aufklärung.

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