10. November 2009 12:14
Die Diskussion um eine mögliche Ladung ehemaliger und derzeitiger Minister
in den Spionage-Untersuchungsausschuss hat sich auch am Dienstag in der Früh
vor der Ausschusssitzung fortgesetzt. Die erste Auskunftsperson Franz
Pöchhacker vom Wiener Landesamt für Verfassungsschutz und
Terrorismusbekämpfung wurde zunächst unter Ausschluss der Öffentlichkeit
befragt.
Der Vorsitzende Martin Bartenstein (ÖVP) bekräftigte vor Journalisten seine
Angaben vom Wochenende: "Ich gehe davon aus, dass auch dieser
Untersuchungsausschuss nicht zu Ende gehen wird, ohne dass wir Minister im
Ausschuss gehabt haben werden." Wenn es erforderlich ist, würden auch
die Regierungsfraktionen nicht dagegen sein, erklärte er. Der frühere
Minister war bereits selbst in einen U-Ausschuss geladen: "Es soll
nichts schlimmeres passieren", meinte Bartenstein.
Auch SPÖ und ÖVP betonten vor der heutigen Sitzung, dass
Ressortverantwortliche geladen werden, wenn dies notwendig ist. "Das
war nie ausgeschlossen. Bis jetzt war es aber nicht notwendig. Das heißt
nicht, dass es bis zum Ende so bleibt", erklärte Heribert Donnerbauer,
der heute die ÖVP-Fraktion leitete. Sein Kollege von der SPÖ, Otto Pendl,
betonte ebenfalls: "Wir stehen für Klarheit und Transparenz, aber nicht
für eine Show zur Verfügung." Der Ausschuss soll sich auf die
Inhalte konzentrieren, eine politische Diskussion hingegen gehöre in den
Nationalrat, so Pendl.
Opposition für Minister-Ladung
Die Oppositionsparteien
beharren unterdessen auf der Ladung von Regierungsmitgliedern. "Wer
politische Kontrolle verhindert, der macht der Korruption die Räuberleiter",
stellte FPÖ-Fraktionsführer Martin Graf fest. Der BZÖ-Fraktionsleiter Ewald
Stadler rechnet "fix" damit, dass Minister schlussendlich geladen
werden: "Das wird sich nicht vermeiden lassen."
Peter Pilz von den Grünen erklärte, dass hochrangige "ÖVP-Emissäre"
ersucht hätten, sich bei einer kleineren Zahl von Ministern zu einigen. Die
Grünen lehnen dies jedoch ab: "Wir werden keinen Minister-Basar
veranstalten. Alle werden kommen." Die Opposition pocht auf die Ladung
von Innenministerin Maria Fekter, ihrem Vorgänger Ernst Strasser,
Justizministerin Claudia Bandion-Ortner (alle ÖVP), ihrer Vorgängerin Maria
Berger (SPÖ) sowie Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ). Anderenfalls
stehen weitere Sondersitzungen und eine Blockade der
EU-Dienstleistungsrichtlinie an.
Staatsanwalt Klackl wieder befragt
Staatsanwalt Michael Klackl
ist am Dienstagnachmittag erneut einvernommen worden. Klackl war neuerlich
ins Parlament geladen worden, weil ein Teil seiner Aussage am 1. Oktober am
Tonbandprotokoll nicht aufgezeichnet worden war. Befragt wurde Klackl einmal
mehr zu seinen Recherchen über jenen Besuch einer iranischen Delegation in
Österreich, bei deren Überwachung der Verfassungsschutz angewiesen wurde,
ein Zusammentreffen mit Ex-Innenminister Karl Blecha nicht zu fotografieren.
"Gängige Praxis"
Die Anordnung, keine Fotos von
Blecha anzufertigen, kam nach Angaben des Grünen Sicherheitssprechers Peter
Pilz vom damaligen Chef des Bundesamts für Verfassungsschutz und
Terrorismusbekämpfung, Gert Rene Polli. Klackl kam nach Zeugenbefragungen im
BVT zum Ergebnis, dass es sich um keinen Einzelfall handelte, sondern um die
gängige Praxis im Umgang mit Personen des öffentlichen Lebens. Eine
bevorzugte Behandlung, wie von Pilz behauptet, wollte er darin aber nicht
sehen, wie Klackl im Ausschuss sagte: "Mein Bericht kann nicht als Grundlage
für diese Behauptung dienen." Welche Beamten er für seinen Bericht befragt
hatte, konnte er wegen der zeitlichen Distanz allerdings nicht mehr
erläutern.
Die nächste Sitzung des U-Ausschusses findet am Donnerstag um 10.00 Uhr
statt. Wegen der für diesen Tag angesetzten Nationalratssondersitzung zum
"Notstand an den Universitäten" soll nur geklärt werden, ob und welche
Minister im Ausschuss aussagen sollen.