Sonderthema:

Kampusch-Interview

© APA

"Habe H. nie als Mittäter gesehen"

Das Interview in voller Länge

Christoph Feurstein, ORF-Thema: Frau Kampusch, Sie scheinen beim Oberstaatsanwalt ja einige Missverständnisse ausgeräumt zu haben. Wie haben Sie die Einvernahme denn erlebt?
Natascha Kampusch: Es war sehr strapaziös und anstrengend, weil es zweimal acht Stunden waren, einmal in Graz und einmal in Wien. Ich bin froh, dass da einige Missverständnisse ausgeräumt werden konnten.

Thema: Es wurde immer gesagt, dass in verschiedenen Aussagen von Ihnen Widersprüche aufgetaucht seien. Wie gehen Sie damit um?
Kampusch: Für mich sind das keine Widersprüche, sondern Missverständnisse, da jeder die Dinge etwas anders sieht und interpretiert – aber ich denke, es konnte alles ausgeräumt werden.

Thema: Sie haben Herrn H. nie als Mittäter wahrgenommen?
Kampusch: Ich habe ihn nie als Mittäter wahrgenommen. Ich habe ihn erst am Ende meiner Gefangenschaft wahrgenommen, indem ich ihn einmal begrüßt und später dann getroffen habe.

Thema: In welchem Zusammenhang war denn das, als Sie ihn getroffen haben. Es heißt oft, sie hätten ihn mehrfach getroffen ...
Kampusch: Also, das war so: Ich habe ihn damals, 2006, als der Täter mich langsam in ein für ihn normales Leben integrieren wollte, getroffen. Das war eine kurze Begegnung. Das hat zu einem kurzen Handgruß gereicht, ich habe ihn da zum ersten Mal gesehen.

Thema: Die Kommission um Adamovich hat angezweifelt, dass Priklopil ein Einzeltäter war.
Kampusch: Ich weiß es nicht. Ich weiß es nicht, ob es Mittäter gab oder nicht. Meine Meinung: Das wird nie so richtig aufgeklärt werden können. Ich habe immer nur den Priklopil gesehen.

Thema: Die einzige Zeugin, die es gab, damals das zwölfjährige Mädchen, behauptet, dass sie zwei Personen gesehen hätte. Sie behaupten, Priklopil war allein. Wie erklären Sie sich diese Differenz?
Kampusch: Keine Ahnung. Ich kann mir das nicht erklären. Am Anfang dachte ich, dass sie sich wohl verschaut hat. Ich habe nur einen Täter gesehen und wurde nur von einem Täter gekidnappt.

Thema: Viele sind ja irritiert, dass Sie sich immer wieder im Haus von Herrn Priklopil aufhalten. Es gehört ja Ihnen, dieses Haus, eine Zeitschrift hat sogar geschrieben, Sie wollen da einziehen.

Kampusch: Das ist natürlich absoluter Humbug. Ich war einmal in Strasshof einkaufen, weil ich auf der Durchreise war. Da hat mich eine Frau herzlich willkommen geheißen. Ich ziehe dort sicher nicht ein. Ich musste in letzter Zeit öfter dort hin, als etwa der Wasserzähler ausgetauscht werden musste. Ich bin dort sehr ungern, nur zu administrativen Zwecken. Das Gefühl ist dort meist sehr unangenehm.

Thema: Sie haben auch das Auto von Herrn Prklopil.
Kampusch: Ich habe es ausgelöst aus der Verlassenschaft. Das war mir deshalb wichtig, da ich zu Beginn die Befürchtung hatte, dass sich möglicherweise verrückte, ausländische, reiche Menschen sich das kaufen, weil sie den Priklopil bewundern.

Thema: Von Anfang halten sich ja Gerüchte, dass es pornografische Videos geben soll, auf denen Sie und zwei Männer zu sehen sind. Einer der Männer, die das seit 2006 behaupten, ist der deutsche Grafiker Thomas Vogel. Seine Festplatten sind jetzt auch beschlagnahmt worden. Was sagen Sie zu diesen Videos?
Kampusch: Die gibt’s nicht.

Thema: Sie haben nie mit 2 Männern im Verließ …
Kampusch: Nein, da war immer nur ein Täter.

Thema: Herr Vogel sagt auch, Sie hätten sich mit Herrn Priklopil ausgemacht, dass sie bis zum 18. Lebensjahr bei ihm blieben – und dann würden Sie wieder zurück in die Welt kommen.
Kampusch: Nein, ich habe nur mit mir selber ausgemacht, dass ich von meiner Mutter mit 18 ausziehe. Ich habe mir nie mit Herrn Priklopil ausgemacht, dass ich ausziehe oder weglaufe mit 18 – das ist eine Fehlinterpretation von Sachen, die ich gesagt habe.

Thema: Ludwig Adamovich hält es für möglich, dass Sie mit unangenehmem Material möglicherweise erpresst werden.
Kampusch: Ich werde nicht erpresst.

Thema: Ludwig Adamovich sagt auch, die Zeit der Gefangenschaft wäre möglicherweise besser gewesen, als das, was sie zuvor erlebt haben.
Kampusch: Darüber bin ich sehr empört. Ich verstehe nicht, wie sich Menschen, Außenstehende, wer auch immer sie sein mögen, so etwas anmaßen. Ich halte das für mich für unverständlich.

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