ÖGB-Frauen fordern 1.300 Euro Mindestlohn

Equal Pay Day

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ÖGB-Frauen fordern 1.300 Euro Mindestlohn

Die ÖGB-Bundesfrauen haben anlässlich des diesjährigen Equal Pay Day ihre Forderung nach einem Mindestlohn von 1.300 Euro brutto bekräftigt. Der Equal Pay Day markiert jenen Tag im Jahr, ab dem Frauen im Vergleich zu Männern bis Jahresende "gratis" arbeiten. Heuer fällt er auf den 29. September, bis Jahresende sind es noch 94 Tage. Im Vorjahr waren es 96 Tage, ÖGB-Frauenvorsitzende Brigitte Ruprecht spricht deshalb auch von einer "kleinen Verbesserung".

Großer Sprung
Statt einer kleinen Verbesserung bedarf es aber vielmehr eines großen Sprunges, denn Österreich liegt, was die Einkommensschere betrifft, im Vergleich der EU-27 an vorletzter Stelle. Laut der Lohnsteuerstatistik beträgt der Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern bei ganzjähriger Vollzeitbeschäftigung 25,6 Prozent, erklärte Ruprecht bei einem Hintergrundgespräch. Im Bundesländervergleich besteht in Vorarlberg der größte (33,0 Prozent, 2. September) und in Wien der kleinste (22,6 Prozent, 10. Oktober) Unterschied - demnach werden auch die Equal Pay Days an unterschiedlichen Tagen begangen. Im Burgenland und in Kärnten beläuft sich die Differenz auf 24,7 Prozent (2. Oktober), in Niederösterreich und der Steiermark auf 26,2 Prozent (27. September). In Oberösterreich gibt es 30,0 Prozent Unterschied (13. September), in Tirol 28,1 Prozent (20. September) und in Salzburg 27,2 Prozent (23. September). Laut ÖGB-Bundesfrauensekretärin Sylvia Ledwinka verbesserte sich die Situation im Vergleich zum Vorjahr in allen Bundesländern.

Mindestlohn
"Viele Frauen kommen mit ihrem Einkommen nicht aus. Leistung muss sich aber lohnen, deshalb ist unsere Forderung nach 1.300 Euro brutto Mindestlohn aufrecht", erklärte Ruprecht. Als Maßnahme gegen den Einkommensunterschied müsse man aber an vielen Schräubchen drehen. So pochen die ÖGB-Frauen etwa auf die Fortsetzung der Anstoßfinanzierung für den Ausbau der Kinderbetreuung und die Einführung eines Papa-Monats. Weiters treten sie für die Abschaffung der Geringfügigen Beschäftigung und eine neue Arbeitsbewertung ein.

Als einen "ersten wichtigen Schritt" hin zu mehr Einkommensgerechtigkeit bezeichnet die Vorsitzende den künftig verpflichtenden Einkommensbericht, den Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern ab 2011 erstellen müssen. Insgesamt sei die neue Maßnahme positiv und "ein Fortschritt". Dass es noch diskussionswürdige Punkte gibt, sei aber klar, so Ruprecht. Die ÖGB-Frauen wollen etwa, dass die im Gesetzesentwurf vorgesehene Strafe für Arbeitnehmer, die gegen die Verschwiegenheitspflicht verstoßen, noch diskutiert wird. Zwar sei nachvollziehbar, dass ein Unternehmen verhindern möchte, dass interne Informationen an die Öffentlichkeit gelangen, es wäre aber "absurd", wenn man mit Kollegen nicht über das Gehalt sprechen dürfte, meinte Ruprecht. Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (S) sprach sich zuletzt bereits dafür aus, dass diese Sanktion fällt.

Einkommensberichte
In den Einkommensberichten werden künftig die Durchschnittsgehälter anonymisiert nach Verwendungsgruppe abgebildet. Ledwinka geht davon aus, dass die Firmen freiwillig Berichte legen werden: "Das ist eine Prestigeangelegenheit." Die ÖGB-Frauen wollen sich nun ansehen, wie die neue Maßnahme läuft. Grundsätzlich sei die Forderung aufrecht, dass bereits Betriebe mit 25 Mitarbeitern berichten sollen.

Am Mittwoch machen die ÖGB-Frauen in ganz Österreich mit ihrer Einkommenspyramide auf die noch immer bestehenden Gehaltsunterschiede aufmerksam. "Es geht um die Diskussion, um Bewusstseinsbildung und Sensibilisierung. Es geht darum, das in Österreich bestgehütetste Geheimnis - das Einkommen - sichtbar zu machen", erklärte Ruprecht das Ziel. Wünschenswert wäre es, den Equal Pay Day künftig an Silvester zu begehen, so die Gewerkschafterinnen.

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