25. April 2010 15:45
Außenminister Michael Spindelegger (V) hat bei einem Treffen mit dem
iranischen Außenminister Manouchehr Mottaki Teheran aufordert, in Fragen des
Atomstreits Kooperationsbereitschaft gegenüber der internationalen
Gemeinschaft unter Beweis zu stellen. Sonst fahre der "Zug in Richtung
Sanktionen" warnte Spindelegger am Sonntag bei einer gemeinsamen
Pressekonferenz mit Mottaki in Wien.
Der iranische Außenminister bekräftigte den Standpunkt seiner Regierung, was
die "atomaren Rechte" seines Landes betreffe. Im Gegensatz zum "Regime in
Tel Aviv" (Israel) habe sich der Iran nichts zuschulden kommen lassen, was
Sanktionen rechtfertigen würde. Als Zeichen "guten Willens" sei der Iran
bereit, über den Vorschlag der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA
(IAEO) bezüglich eines Uranaustausches zu verhandeln. Konkrete Angaben
machte er dazu nicht.
Mottaki hatte sich in Wien auch mit IAEA-Generaldirektor Yukiya Amano
getroffen. Gegenstand des Gesprächs war vor allem der Kompromissvorschlag
der IAEA vom Oktober das Vorjahres, wonach der Iran niedrig angereichertes
Uran (3,5 Prozent) zur weiteren Anreicherung ins Ausland bringen könne. Das
auf 20 Prozent angereicherte Uran benötigt der Iran für einen medizinischen
Forschungsreaktor in Teheran. Der Iran hat inzwischen nach eigenen Angaben
die höhergradige Anreicherung aufgenommen.
Nach den Worten Spindeleggers habe er von Mottaki "einige Neuigkeiten
erfahren", die aber noch bewertet werden müssten. Worum es dabei ging, war
vorerst nicht klar. Der Minister kündigte an, er werde am Montag beim
Außenministerrat seine EU-Kollegen von den Gesprächen mit Mottaki
informieren. Spindelegger betonte, er wünsche sich, dass "Bewegung in die
Sache kommt". Er würde es sehr begrüßen, wenn es nicht zu neuen Sanktionen
gegen Teheran komme.
Mottaki wiederum sagte, er wolle bei Gesprächen mit Mitgliedern des
UN-Sicherheitsrates, dem Österreich derzeit auch angehört, an deren
"Verantwortlichkeit" erinnern. Neue Sanktionen wären ungerecht, sie hätten
in den vergangenen fünf Jahren auch nichts bewirkt.
Spindelegger machte in der Pressekonferenz auch deutlich, dass Österreich
und der Iran unterschiedliche Standpunkte etwa in Fragen der Menschenrechte
und Israels einnehmen. Zugleich wies der Minister Medienberichte zurück,
wonach sich die USA "bestürzt" über das Treffen mit Mottaki geäußert hätten.
Er habe mit US-Außenministerin Hillary Clinton telefoniert und nichts
dergleichen vernommen, sagte er. Spindelegger hatte bei seinem Gespräch mit
Mottaki auch die Frage dreier US-Bürger angesprochen, die derzeit im Iran
inhaftiert sind.
Die Frage eines israelischen Journalisten, wie er den Holocaust einschätze,
ignorierte Mottaki und sorgt somit in der Pressekonferenz für einige Momente
peinlichen Schweigens. Während des Ministertreffens demonstrierten einige
Dutzend Aktivisten des Bündnisses "Stop the Bomb" vor dem Außenministerium
gegen den Besuch eines hochrangigen Vertreters des iranischen Regimes.