Streit um Matura mit 14 Jahren

Mittlere Reife: VP will neuen Test

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Streit um Matura mit 14 Jahren

Am Tag nach dem ÖVP-Schwenk in der Bildungspolitik herrscht Ratlosigkeit: Millionen Eltern fragen sich, ob, wann und welche Änderungen jetzt auf ihre schulpflichtigen Kinder zukommen – und ob überhaupt Verbesserungen zu erwarten sind.

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Fakt ist: Die ÖVP hat eine Blockade gelöst, indem sie der flächendeckenden Neuen Mittelschule zustimmt. Dass aber das Gymnasium so wie bisher bleiben soll, verhindert eine Gesamtschule der 6- bis 14-Jährigen, wie sie die SPÖ und viele Experten fordern.

Experten cool
Insider – von Andreas Schnider über Ex-ÖVP-Politiker Bernd Schilcher über Josef Lucyshyn, Direktor des Bundesinstituts für Bildungsforschung (bifie), bis zu Schulprofi Andreas Salcher – sehen das VP-Papier positiv. Aber: „Dieses Konzept ist nicht der große Durchbruch“, sagt Salcher (s. rechts). Auch die Beurteilung der anderen fällt nüchtern aus. Tenor: „Kein großer Wurf.“

Das Zauberwort des ÖVP-Vorschlags heißt „Neue Mittelschule“ – ÖSTERREICH berichtete. Bis zu 850 Hauptschulen sollen aufgewertet werden und dann „gleichwertig“ neben Gymnasien bestehen. Wie das gehen soll, ist unklar.

Neue „Mini-Matura“
Ein neuer Vorschlag der ÖVP sorgt für Debatten: Mit 14 soll eine neue Prüfung („Mittlere Reife“) in Neuen Mittelschulen und Gymnasien über den Aufstieg in die AHS-Oberstufe entscheiden.

Genau daran stoßen sich Eltern und Schülervertreter: „Es darf nicht von einer einzigen Prüfung abhängen, ob man in die Oberstufe darf oder nicht“, sagt Theodor Saverschel, Vorsitzender der Elternvertreter an den mittleren und höheren Schulen. Schülervertreterin Iris Schwarzenbacher meint: „Diese Prüfung ist eine weitere soziale Hürde.“

Andreas Schnider, Chef der Planungsgruppe zur Umsetzung der neuen Lehrerausbildung, sagt: „Mit dem Konzept sind zumindest keine Türen zugeschlagen. Jetzt können SPÖ und ÖVP endlich etwas Sinnvolles zustande bringen."

(prj, knd)

Bildungsexperte Andreas Salcher zum ÖVP-Vorstoß:

„Konzept ist sicher nicht Durchbruch“

ÖSTERREICH: Die ÖVP hat am Freitag ein neues Bildungskonzept präsentiert. Was sagen Sie dazu?
Andreas Salcher: Es kam nicht überraschend. Viele Experten haben diesen Vorstoß erwartet. Fakt ist: Es ist ein vernünftiger Schritt, um in der Bildungspolitik endlich von den Nebenfronten wegzukommen, aber nicht mehr.

ÖSTERREICH: Ist das ÖVP-Konzept der Durchbruch?
Salcher: Nein, das ist ein positiver Schritt, aber sicher nicht der Durchbruch. Es ist einfach eine ideologische Entkrampfung der ÖVP, und die SPÖ sagt jetzt, sie haben die Neue Mittelschule durchgesetzt. Entscheidend ist aber, was in den Klassenzimmern passiert. Das wird nicht beantwortet.

ÖSTERREICH: Wie stehen Sie zu den Details des neuen ÖVP-Bildungskonzepts?
Salcher: Ich stimme dem Upgrade der Hauptschulen zu, das ist ein guter Ansatz. Mit einer Umbenennung in Neue Mittelschulen werden die Hauptschulen aber nicht besser. Eltern und Schülern ist es egal, wie das Modell heißt. Sie interessiert nur, ob die Lehrer und damit der Unterricht besser werden. Und das ist nur zu schaffen, wenn die leistungsorientierten Lehrer nicht die Dummen sind und faule und schlechte Lehrer aus dem Schulsystem fallen.

ÖSTERREICH: Wie beurteilen Sie die anderen Eckpfeiler der ÖVP-Reform?
Salcher: Die Prüfung zur Mittleren Reife im Alter von 14 ist positiv zu beurteilen. Werden die Schüler standardisiert befragt, macht das Sinn. Die Ergebnisse erlauben dann auch den Vergleich zwischen Neuen Mittelschulen und Gymnasien. Man wird dann vielleicht sehen, dass das Niveau in manchen Gymnasien gar nicht so hoch ist. Auch der Vorstoß, das Sitzenbleiben abzuschaffen, ist gut.

ÖSTERREICH: Wie hoch schätzen Sie die Chancen ein, dass dieses Konzept bald umgesetzt wird?
Salcher: Da verbergen sich radikale Konsequenzen, die man nicht von heute auf morgen umsetzen wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Konzept so bald kommt, stehen bei 50:50. Es ist eine Annäherung, eine Voraussetzung, es braucht mehr. Jetzt beginnt erst die Arbeit. Eine Reform von oben bringt nichts, sie muss im Klassenzimmer stattfinden.

Interview: J. Prüller

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