Stronach will 10 Millionen von Partei zurück

ÖSTERREICH-Interview

Stronach will 10 Millionen von Partei zurück

Die Stellvertreterin, Kathrin Nachbaur, tourt derzeit durch Österreich und versucht, den Flächenbrand im Team Stronach zu löschen. Ihr Chef, Frank Stronach, meldet sich nun aus Kanada zu Wort. Er habe „das Recht, sein Geld zurückzuverlangen“, bestätigt er im ÖSTERREICH-Interview, dass die Landesparteien Darlehen zurückzahlen müssen. Tatsächlich spielt sich im Team Stronach ein Thriller um Darlehensverträge und abgesetzte Landesobleute ab.

Montag meldet Stronach Rechnungshof Spende
Am Mittwoch findet in Wien unter der Leitung von Nachbaur eine Krisensitzung mit den abgesetzten Landesobleuten von Niederösterreich, Kärnten und Salzburg statt. Kärnten und Niederösterreich haben Darlehensverträge unterschrieben, wonach sie insgesamt 4,5 Millionen Euro an die Bundespartei zurückzahlen müssen. Hier ist es nun zu einem noch geheimen Deal gekommen.

  • Stronach hatte seiner Partei (inklusive Landesparteien) insgesamt Darlehen in Höhe von 13,6 Millionen Euro vergeben.
  • Auf 3,6 Millionen verzichtet er nun. Er wandelt diese in eine Spende um. Sein Anwalt Michael Krüger wird dies Montag dem Rechnungshof melden.
  • Die übrigen zehn Millionen Euro muss das Team „in den nächsten zehn Jahren, also eine Million pro Jahr, zurückzahlen“, erklärt Krüger ÖSTERREICH.
  • Diese Gelder werde Stronach aber nicht für sich beanspruchen, sondern entweder der Bundespartei überlassen oder „an karitative Zwecke spenden“.

Stronach-Abgeordnete könnten Partei wechseln
Damit bewahrt Stronach seine Partei vor der Pleite und sich selbst vor rechtlichen Problemen.

Die Unruhe in seiner Partei und im Nationalratsklub – Klubchef Robert Lugar wurde bekanntlich abgelöst – bleibt weiter groß.

ÖVP und FPÖ berichten hinter vorgehaltener Hand, dass einige Team-Stronach-Abgeordnete bereits bei ihnen angeklopft hätten.

Im Team Stronach selbst geht man jedenfalls inoffiziell davon aus, dass Monika Lindner ihr Mandat doch annehmen werde und sich der ÖVP anschließen könnte.

Stronach: "Ich habe das
Recht, mein Geld zurückzuverlangen"

ÖSTERREICH: Herr Stronach, wie war Ihr Flug nach Kanada?
Frank Stronach: Gut, danke. Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken. Vieles hätte besser laufen können. Aber wir haben in Österreich eine neue Partei gegründet und sehr viele Leute aufgenommen. Leider haben manche einfach nicht hineingepasst. Wenn gewisse Leute nicht hineinpassen, muss man dementsprechende Entscheidungen treffen.

ÖSTERREICH: Darum der Kahlschlag bei den Landeschefs?
Stronach: Das war kein Kahlschlag, sondern einfach eine Arbeitsaufteilung. Wir müssen bessere Strukturen in den Ländern schaffen.

ÖSTERREICH: Befürchten Sie jetzt parteiintern eine Revolte?
Stronach: Nein. Warum? Ich brauche von niemandem etwas. Ich bin unabhängig. Das Wichtigste ist, dass die Leute unsere Werte mittragen. Wer sie mitträgt und wer nicht, wird sich noch im Laufe der Zeit herausstellen …

ÖSTERREICH: Warum fordern Sie Geld von Ihren Landesparteien zurück?
Stronach: Ich persönlich nehme kein Geld zurück. Aber ich habe das Recht, eine gewisse Summe für die Bundespartei des Team Stronach zurückzuverlangen. Das ist alles geregelt. Die Landesorganisationen haben dafür Darlehensverträge unterschrieben. Ich entscheide aber, ob ich dieses Geld für politische oder soziale Zwecke hergebe.

ÖSTERREICH: Alle behaupten, Sie hätten sich bei der Wahl viel mehr erwartet.
Stronach: Ich sehe das philosophisch: Es kommt, wie es kommt. Wir haben Strukturfehler in der Partei, die wir schnell korrigieren müssen. Das ist die Aufgabe von Kathrin Nachbaur. Sie hat von mir die Vollmacht bekommen. Ein wichtiger Punkt ist, dass sie jetzt Personal einstellen darf, das ich nicht mehr entlassen kann.

ÖSTERREICH: Werden Sie Ihr Mandat annehmen?
Stronach: Ja. Das habe ich immer gesagt. Ich werde zur ersten Parlamentssitzung wieder zurück sein.

ÖSTERREICH: Es wird Ihnen vorgeworfen, diktatorisch zu agieren. Wird sich da in Zukunft etwas ändern?
Stronach: Kathrin arbeitet daran, dass unsere Strukturen demokratischer werden. Nach dem Vorbild der Magna-Charta wollen wir eine Politik-Charta.

Isabelle Daniel, Interview: W. Unterweger


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