Helmut Elsners einsame Weihnachten

Hoffen auf BP Fischer

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Helmut Elsners einsame Weihnachten

Dass Helmut Elsner die Höchststrafe vom OGH ausfasst, das verstanden selbst die Justizwachebeamten im „Landl“ nicht mehr. „Als mein Mann am 23. Dezember wieder zurückkam, konnten es die Justizwachebeamten nicht glauben. Alle dachten, er kommt raus“, erzählt Ruth Elsner (53). Sogar einen Psychologen schickten die besorgten Beamten ihrem Mann in die Zelle, aber Helmut Elsner lehnte ab.

Zwei Tage nach der Urteilsverkündung ist die Ehefrau des Ex-Bawag-Managers sichtlich gezeichnet. Ihr sonst so gewinnendes Lächeln ist verschwunden. Sie weiß, dass das OGH-Urteil endgültig ist, dass es jetzt nicht mehr viele Perspektiven gibt. Weihnachten „feierte“ Ruth Elsner mit ihrem Bruder. Eigentlich hätte auch ihr Mann dabei sein sollen, der Tisch für drei Personen in einem Restaurant war schon reserviert. Leider umsonst.

Trotz der Niederlage schlägt ihr Kämpferherz weiter. Auch ihr mahnender Unterton, wenn sie „mein Mann“ sagt, ist ihr trotz des Schocks geblieben. Aufgeben? Das kommt nicht in Frage. „Ich muss meinem Mann das Gefühl geben, dass wir weiterkämpfen. Er ist betrogen worden. Und das will ich beweisen“, so Ruth Elsner. Im Jänner will sie in die USA fliegen. Dort will sie mit den Behörden ein Gespräch führen, damit die US-Ermittler die Geldflüsse von Wolfgang Flöttl unter die Lupe nehmen.

Ruth Elsner: "Urteil bedeutet lebenslang"

Man sieht es Ruth Elsner an: Das harte OGH-Urteil hat sie getroffen. Das Interview über ihr einsames Weihnachtsfest, und was sie jetzt plant.

ÖSTERREICH: Frau Elsner, Ihr Mann ist rechtskräftig zu zehn Jahren Haft verurteilt. Haben Sie schon realisiert, was das bedeutet?
Ruth Elsner: Es war schockartig für uns. Bei der Urteilsverkündung haben wir es gar nicht richtig erfasst, zuerst dachte ich, es sind nur 7,5 Jahre. Dann erst habe ich realisiert, dass 2,5 Jahre für das Gerharter-Urteil dazukommen und es die Höchststrafe ist. Je länger ich über das Urteil nachdenke, umso mehr wird mir die Unglaublichkeit bewusst (pausiert kurz). Es ist ein menschenunwürdiges Urteil, weil es im Falle meines Mannes ja lebenslang bedeutet.

ÖSTERREICH: Wie haben Sie gestern Weihnachten verbracht?
Elsner: Ich hatte schon einen Tisch für meinen Mann, für mich und meinen Bruder in einem Restaurant reserviert. Ich habe extra ein Lokal gesucht, wo es gebackenen Karpfen gibt, weil sich mein Mann das so gewünscht hat. Gestern war ich nur mit meinem Bruder dort. Wir beide waren sehr ruhig und sehr nachdenklich. Heute besuche ich die 92-jährige Schwester meines Mannes in Graz. Sie hat am 24. Dezember Geburtstag gefeiert und hätte sich so gewünscht, ihren Bruder in die Arme zu schließen. Die beiden haben seit Kindesbeinen ein sehr inniges Verhältnis.

ÖSTERREICH: Wie hat Ihr Mann reagiert, als er erfuhr, dass er Weihnachten doch nicht in Freiheit verbringen kann?
Elsner: Gleich nach dem Urteil hat er versucht, mir und seiner Tochter Marie-Therese Mut zuzusprechen. Gestern hat er mich wieder überrascht. Er hat am Telefon zu mir gesagt: „Wenn du heute essen gehst, dann lass dir den dritten Karpfen bitte für mich schmecken.“

ÖSTERREICH: Wie geht es jetzt weiter? Viele Möglichkeiten gibt es nach dem OGH-Urteil nicht mehr …
Elsner: Es gibt jetzt nur mehr die Haftunfähigkeit, oder dass mein Mann nach Verbüßung der Halbstrafe entlassen wird. Wir könnten uns noch an den Europäischen Gerichtshof wenden oder eine Wiederaufnahme beantragen, aber das dauert alles sehr lange. Meine Anwälte werden nach den Feiertagen entscheiden, was erfolgsversprechend sein wird.

ÖSTERREICH: Justizministerin Claudia Bandion-Ortner will das OGH-Urteil für sich als Erfolg werten. Sehen Sie das auch so?
Elsner: Ich habe es unglaublich gefunden, dass sie, noch während das Urteil verlesen wurde, schon eine Pressekonferenz einberufen hat und sich selbst großes Lob ausgesprochen hat. Sieben von neun Urteilen wurden aufgehoben. Ich weiß nicht, wo da der große Erfolg sein soll?

ÖSTERREICH: Wie fühlt man sich als Ehefrau, wenn der Mann, den man liebt, ein rechtskräftig verurteilter Verbrecher ist?
Elsner: Das berührt mich überhaupt nicht. All diese Worte prallen an mir ab. Weil ich weiß, dass der Verbrecher ein anderer ist. Die Basis für dieses Urteil wurde in der ersten Instanz gelegt. Wenn die Justiz dort vorwirft, dass die Bawag dem Wolfgang Flöttl einen nicht besicherten Kredit gegeben hat, dann ist das falsch. Wolfgang Flöttl war kein Privatmann, der einen Kredit wollte, sondern ein befugter Investmentbanker mit einer Firma hinter sich. Ich vergleiche das Urteil immer mit dem Fall Madoff. Hier wurden auch nicht die Anleger verurteilt, weil sie dem Madoff das Geld anvertraut haben, sondern der Spekulant.

ÖSTERREICH: Der OGH hat fast keine Nichtigkeitsbeschwerde der Verteidiger berücksichtigt. Hätten Sie sich das erwartet?
Elsner: Das Urteil der Höchstrichter ist eine ganz üble Posse. Auf der einen Seite haben sie das Urteil von Claudia Bandion-Ortner unbestritten zerpflückt. Auf der anderen Seite kritisieren sie die Verteidiger, weil sie fast keine der eingebrachten Nichtigkeitsbeschwerden, die in Hunderten von Stunden ausgearbeitet wurden, berücksichtigten. Und dann hauen sie noch gewaltig hin und verhängen die Höchststrafe. Ich hoffe, dass sich hier der Bundespräsident einschalten wird. Denn das Urteil ist eine Schande für den Rechtsstaat Österreich. Warum bekommt mein Mann die Höchststrafe, wenn zwei Drittel des Urteils von Amtswegen aufgehoben werden?

ÖSTERREICH: Glauben Sie, dass Ihr Mann irgendwann nach Hause kommen wird?
Elsner: Das glaube ich ganz sicher. Und ich hoffe, es wird schon bald sein.

Interview: Ida Metzger

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