Ärzte greifen Kanzler an

"Ex-Sozialfighter"

© REUTERS/Herbert Neubaue

Ärzte greifen Kanzler an

SPÖ-Kanzler Alfred Gusenbauer hat angesichts schlechter Umfragewerte und einer widerspenstigen ÖVP eigentlich schon genug Sorgen. Jetzt haben es auch noch die Ärzte auf ihn abgesehen. Der Grund: Das unmissverständliche Nein des Kanzlers zu einer Finanzspritze für die maroden Gebietskrankenkassen.

Für Johannes Steinhart, Vizepräsident der Wiener Ärztekammer, sind Gusenbauers Ansichten „katastrophal“. Österreich habe eines der besten Gesundheitssysteme der Welt, das eben auch etwas koste. Ohne frisches Geld vom Staat sei die Existenz dieses Systems gefährdet – und das sei sogar Absicht: „Das Kassensystem wird von der Politik vorsätzlich gegen die Wand gefahren“, klagt Norbert Jachimowicz, Vizeobmann der niedergelassenen Ärzte.

„Ex-Sozialfighter“
Mit einer Plakatkampagne gegen den Kanzler wollen die Ärzte jetzt zurückschlagen und die Patienten informieren. Das Gusenbauer-Sujet soll ab heute in knapp 2.000 Wiener Ordinationen hängen, wo auch ein „Patientenbegehren“ aufliegen wird. Vier weitere Bundesländer sollen folgen, Niederösterreich – wo in einem Monat gewählt wird – gilt als fix. Dass vorerst nur Gusenbauer – und nicht etwa Gesundheitsministerin Kdolsky (ÖVP) – im Focus der Kritik steht, begründet die Kammer so: Der SPÖ-Chef habe sich im Wahlkampf 2006 als Kämpfer gegen die Zwei-Klassen-Medizin und als „Sozialfighter“ dargestellt. Jetzt hungere er aber die Kassen aus.

Kanzler empört
„Die Vorwürfe der Ärztekammer sind unhaltbar“, heißt es aus dem Kanzlerbüro. Man ortet eine gezielte politische Kampagne und beruft sich auf einen E-Mail-Verkehr zwischen der Kammer und der Agentur, die die Plakate gestaltet hat. Dort heißt es, dass die „politische Nachricht im Vordergrund“ stehe.

Ärzte ohne Stimme. „Es wäre sinnvoller, wenn die Ärzte die Gesundheitsministerin bei den notwendigen Reformen unterstützen würden,“ ärgert sich Kanzler-Sprecher Stefan Pöttler. Das würde die Ärztekammer gerne, wie Funktionär Jachimowicz versichert. Sie sei aber in die Steuerungsgruppe, die derzeit über einer Reform des Gesundheitswesen brütet, nicht eingeladen worden: „Das ist unerhört.“

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