Irak: ISIS verschleppt erneut Ausländer

Geiselnahme im Ost-Irak

Irak: ISIS verschleppt erneut Ausländer

ISIS-Terroristen haben im Nordost-Irak einem Medienbericht zufolge weitere 60 ausländische Arbeiter als Geiseln genommen, darunter 15 Türken. Die Arbeiter seien auf der Flucht vor Gefechten gewesen, als sie in den Hamrin-Bergen gefangen genommen worden seien, sagte ein später freigelassener Iraker aus der Gruppe der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu.

Anadolu berichtete am Mittwoch unter Berufung auf den Augenzeugen, unter den Geiseln seien auch Pakistaner, Nepalesen und Turkmenen. Die Extremisten hätten den Konvoi mit mehr als 100 Arbeitern gestoppt, die Papiere kontrolliert und die Ausländer festgehalten. Iraker seien freigelassen worden. Bei den Türken handle es sich um Ingenieure, die in Tikrit beim Bau eines privaten Krankenhauses arbeiteten. Tikrit war vor einigen Tagen von der ISIS eingenommen wurde.

Damit sind inzwischen fast 100 Türken in der Gewalt von ISIS im Irak. In der vergangenen Woche hatten Extremisten im türkischen Konsulat in Mossul 49 Menschen in ihre Gewalt gebracht, darunter auch der Generalkonsul. Am Tag zuvor waren 31 türkische Lastwagenfahrer in der Region entführt worden.

Iran droht im Krieg einzugreifen
Der Iran droht in den Krieg im benachbarten Irak einzugreifen. Das Land werde nicht zögern, heilige Stätten des Islam zu verteidigen, sagte Präsident Hassan Rohani am Mittwoch in einer live im TV übertragenen Rede. Es hätten sich zahlreiche Freiwillige gemeldet, um "die Terroristen in ihre Schranken zu weisen". Der Iran ist die regionale Schutzmacht der Schiiten, die Bevölkerungsmehrheit im Irak.

Die sunnitische Extremistengruppe ISIS setzte unterdessen ihren Vormarsch im Irak fort. Am Mittwoch brachten sie die größte Ölraffinerie des Landes weitgehend unter ihre Kontrolle. Indien und die Türkei gingen Berichten nach, denen zufolge aus diesen Ländern stammende Bauarbeiter im Irak verschleppt wurden. Unter den Entführten sollen auch Turkmenen und Nepalesen sein, ebenso wie Pakistani. Bewaffnete sollen einen Autokonvoi mit flüchtenden Facharbeitern angehalten haben. Iraker aus dem Konvoi wurden freigelassen, die Ausländer gefangen genommen.

Der iranische Präsident sprach von "Mördern und Terroristen", gegen die es heilige Stätten in irakischen Orten wie Kerbala, Najaf und Samarra zu verteidigen gelte. Noch am Samstag hatte Rohani erklärt, die Teheraner Regierung habe keine Truppen in den Irak geschickt und werde dies sehr wahrscheinlich auch nie tun. Westliche Diplomaten gehen dagegen davon aus, dass der Iran Militärberater der Elite-Einheit der Revolutionären Garden ins Nachbarland entsandt hat.

Rohanis Äußerungen riefen umgehend den Erzfeind Irans in der Region, das sunnitische Machtzentrum Saudi-Arabien, auf den Plan. Außenminister Prinz Saud al-Faisal warnte vor einer internationalen Einmischung in den Konflikt. Die legitimen Forderungen des Volkes und der Wunsch nach nationaler Einheit müssten erfüllt werden, ohne dass die politische Agenda von außen bestimmt werde. Der Konflikt trage immer mehr die Züge eines Bürgerkriegs und die Folgen für die gesamte Region seien kaum absehbar, sagte der Minister am Mittwoch bei einem Treffen arabischer und muslimischer Regierungsvertreter in Jeddah.

Die sunnitische Organisation Islamischer Staat im Irak und in Großsyrien (ISIS) hat in der vergangenen Woche große Teile des Nordiraks erobert. Nun verbinden sie dieses Gebiet mit dem von ihnen kontrollierten Territorium in Syrien und wollen einen Kalifat-Staat gründen. Im Kern handelt es sich bei der aktuellen Irak-Krise aber auch um eine Zuspitzung des seit Jahren schwelenden Konflikts zwischen den beiden im Irak vertretenen Glaubensrichtungen des Islam: Währen die Minderheit der Sunniten bis zum Sturz von Ex-Machthaber Saddam Hussein bei der US-Invasion vor gut elf Jahren in dem Land das Sagen hatte, sorgt die Regierung unter dem Schiiten Nuri al-Maliki nun unter den Sunniten für Unzufriedenheit.

Erst am Dienstag hatten hochrangige Vertreter beider Seiten - darunter auch Maliki - zur Einheit des Landes aufgerufen. Nach einem Treffen hinter verschlossenen Türen forderten Schiiten und Sunniten gemeinsam den Schutz von Souveränität und Würde des irakischen Staates. Kurz zuvor war Maliki von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon zum Dialog mit den Sunniten aufgerufen worden. Auch die USA mahnten die Politik im Irak zum geschlossenen Vorgehen gegen den Vormarsch der Extremisten.

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