Jetzt brennen Libyen und der Iran

Flächenbrand

© REUTERS/Ismail Zitouny

Jetzt brennen Libyen und der Iran

Aus den "Tagen des Zorns" in Ägypten und Tunesien ist längst ein revolutionärer Flächenbrand in ganz Nahost geworden. Jetzt stehen in Libyen, im Iran und im Jemen die Menschen entschlossen auf, um die verhassten Despoten-Regime wegzuputschen.

Libyens Gaddafi – seit 41 Jahren an der Macht
In Libyen (8 Millionen Einwohner) ist es erstmals am Dienstag zu schweren Zusammenstößen gekommen. Bei Straßenschlachten in der Hafenstadt Bengasi, der Hochburg der Muammar-Gaddafi-Gegner, wurden mindestens 38 Personen verletzt. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Trotzdem haben "Facebook-Aktivisten" zu weiteren Demos gegen Gaddafi aufgerufen.

Seit 41 Jahren ist Gaddafi (68) an der Macht. Weder Mao noch Stalin hielten sich länger als er. Nur Fidel Cas­tro kann auf eine längere Amtszeit zurückblicken. Am 1. September 1969 putschte er als blutjunger Hauptmann gegen den ungeliebten und unfähigen König Idriss. Machte kurzen Prozess mit dessen "Weißer Garde".

Jahrzehntelang verkörperte er jenen Geist islamischen Siegesbewusstseins, der Moslems mitreißt. Heute ist Gaddafi nur mehr ein alternder Exzentriker, ein Politik-Komödiant in schrillen Fantasieuniformen. Die Gesichtshaut lasch, die Lippen hängend, die Augen verquollen, die Haare gefärbt, ein Schatten seiner selbst: "Er hält sich nur noch", sagt Orient-Experte Peter Scholl-Latour, "weil er das Volk mit seinem Erdölreichtum kaufen kann."

Teheran: Schlägertrupps gegen Demonstranten
Hochbrisant auch die Lage im Iran: Tausende gingen in der Hauptstadt auf die Straße, zündeten Autoreifen und metallene Müllcontainer an, demonstrierten gegen Präsident Mahmud Ahmadinejad und das Mullah-Regime. Brutale Szenen, die stark an die Proteste nach den gefälschten Präsidentenwahlen von 2009 erinnern.

Vor zwei Jahren hat der Aufstand noch niedergeprügelt werden können. Auch jetzt schickte Ahmadinejad seine regimetreuen Milizen los, jagte eine ganze Armee von Elitesoldaten auf Motorrädern gegen die Protestierer: "Diese abscheulichen Verbrechen", drohte Präsident Ahmadinejad der Opposition, "müssen mit Wut und Hass unterdrückt werden."

Auf der Kippe: Bahrain, Jemen und Algerien
Kurz vorm großen Crash drei weitere Länder: In Bahrain steht Scheich Hamad Bin Issa al Khalifa (holte Formel 1 nach Arabien) unter Druck. Im Jemen wollen die Menschen den Rücktritt von Langzeitpräsident Ali Saleh. In Algerien drohen für diesen Freitag massive Straßenschlachten.
 

Flächenbrand im arabischen Raum

In Tunesien und Ägypten begannen die Unruhen – dort wurden die Diktatoren bereits vertrieben. Vom Erfolg dieser Länder angetrieben breiteten sich die Demonstrationen auf weite Teile des arabischen Raums aus. In Algerien, Bahrain, Jordanien, Jemen brodelt es bereits seit Wochen. Gestern gingen die Menschen erstmals in Libyen auf die Straße.

Auch in Marokko und Kuwait sind für die nächsten Tage Proteste angekündigt.

Der Iran gehört nicht zur arabischen Welt, dennoch gaben die Revolutionen in Nordafrika dort den Anstoß zu den größten Protesten seit dem Jahr 2009.

Das gemeinsame Ziel aller Länder: Die Vertreibung der oft jahrzehntelang regierenden autoritären Machthaber.

Autor: Karl Wendl, Debora Knob
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