Komorowski und Kaczynski in Stichwahl

Polen wählte

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Komorowski und Kaczynski in Stichwahl

Parlamentspräsident Bronislaw Komorowski von der rechtsliberalen Regierungspartei "Bürgerplattform" (PO) hat Prognosen zufolge bei der polnischen Präsidentenwahl am Sonntag die meisten Stimmen erzielt, die absolute Mehrheit jedoch verfehlt. Er muss sich deshalb in zwei Wochen, am 4. Juli, einer Stichwahl gegen den zweitplatzierten Oppositionschef Jaroslaw Kaczynski von der rechtskonservativen Partei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS) stellen.

Komorowski kam den Prognosen zufolge auf 41,2 bis 45,7 Prozent der Stimmen, Kaczynski auf 33,2 bis 35,8 Prozent. An dritter Stelle folgte der Chef des Bündnisses der Demokratischen Linken (SLD), Grzegorz Napieralski, mit 13,4 bis 13,5 Prozent. Die weiteren sieben Bewerber mussten sich demnach mit weitaus niedrigeren Ergebnissen zufriedengeben.

Weitere Bewerber mit wenigen Prozentpunkten
Der Vizepremier und Wirtschaftsminister Waldemar Pawlak von der Bauernpartei PSL schaffte lediglich 1,9 bis 2,1 Prozent, der Chef der liberalen Partei "Freiheit und Rechtssicherheit", Janusz Korwin-Mikke, 1,9 bis drei Prozent, der unabhängige, von der Demokratischen Partei SD unterstützte Kandidat Andrzej Olechowski 1,2 bis zwei Prozent, und der Vorsitzende der radikalen Bauernpartei "Samoobrona", Andrzej Lepper, 0,8 bis 1,4 Prozent.

Der Vorsitzende der Partei "Rechte Polen" (PP), Marek Jurek, kam auf 0,9 bis 1,3 Prozent, der Chef der linken "Polnischen Arbeitspartei" (PPP) und der Gewerkschaft "Sierpien 80" ("August 80"), Boguslaw Zietek, auf 0 bis 0,3 Prozent, und der Chef der "Kämpfenden Solidarität", Kornel Morawiecki, auf 0 bis 0,2 Prozent.

Stichwahl geht wohl an Komorowski
Eine Umfrage vom späten Sonntagnachmittag sagt Komorowski einen Sieg bei der Stichwahl voraus. Er käme laut der Befragung des Instituts MillwardBrown SMG/KRC für den Fernsehsender TVN24 in der zweiten Runde auf 53,7 Prozent der Stimmen.

Kontrahent Kaczynski könnte demnach mit 39,1 Prozent der Stimmen rechnen. Laut der Umfrage wissen 7,2 Prozent der Polen noch nicht, wen sie in der Stichwahl unterstützen werden.

Politiker buhlen um Wählerstimmen
Komorowski betonte bei einem ersten Auftritt nach Schließung der Wahllokale, wie im Sport sei auch im Leben "die Verlängerung am schwierigsten". Er rief im Hinblick auf die Stichwahl dazu auf, "bis zum Ende um eine bessere Zukunft Polens" zu kämpfen. Kaczynski verwies auf "grundsätzliche Unterschiede" zwischen ihm und seinem PO-Konkurrenten Komorowski. Es handle sich um eine "Wahl zwischen zwei Visionen der Politik, zwischen zwei Visionen Polens", unterstrich der PiS-Vorsitzende ebenfalls in Anspielung auf den zweiten Durchgang.

Beide Politiker begannen bereits am Sonntagabend, um die Wähler des drittplatzierten Napieralski zu werben. Komorowski gratulierte dem SLD-Vorsitzenden zu seinem Wahlergebnis und betonte, dass die "polnische Linke auf der politischen Bühne absolut unentbehrlich" sei. Kaczynski bedankte sich bei Napieralski für dessen Vorschlag, einen Runden Tisch zum Gesundheitswesen zu organisieren.

Hochwasser hält Polen vom Wählen ab
Napieralski selbst sagte nach Bekanntwerden der ersten Prognosen, "das Wichtigste" sei, "dass wir gezeigt haben, dass wir gemeinsam Polen zum Besseren verändern können. Wir haben in Polen die große Hoffnung geweckt, dass man anders Politik betreiben kann." Er bedankte sich bei allen, die daran geglaubt hätten, dass "es möglich ist, dass nicht nur die Rechte mit der Rechten streitet, sondern dass es eine Alternative gibt, und die Alternative ist hier, auf der linken Seite der politischen Bühne".

Die Wahlbeteiligung betrug am Sonntag je nach Institut 52,3 bis 55 Prozent. Insgesamt waren 30,5 Millionen Polen aufgerufen, einen Nachfolger für den am 10. April bei einem Flugzeugabsturz vor Smolensk verunglückten Präsidenten Lech Kaczynski zu wählen. Viele Wähler blieben aber aufgrund des vielerorts noch vorherrschenden Hochwassers zu Hause

Schon im Vorfeld wurden nur Parlamentspräsident Komorowski, der verfassungsgemäß zuletzt kommissarisch die Funktion des Staatsoberhauptes ausübte, und Ex-Premier Kaczynski, dem Zwillingsbruder des verstorbenen Präsidenten, Chancen auf das höchste Amt im Staat eingeräumt. Regulär wäre im Herbst ein neues Staatsoberhaupt gewählt worden.

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