Wiener Arzt operierte am Todes-Schiff Wiener Arzt operierte am Todes-Schiff

Lebensretter

 

© Pauty

Wiener Arzt operierte am Todes-Schiff

Tragödie auf Hoher See: Am Mittwoch wurde ein Kreuzfahrtschiff vor Spanien von drei Monsterwellen getroffen. Die Panoramascheibe des beliebten Restaurants auf Deck 5 der Louis Majestic wurde mit voller Wucht vom turmhohen Wasser eingedrückt. Zwei Personen starben (ein Italiener, ein Deutscher).

An Bord waren 70 Österreicher – sie alle hatten einen Schutzengel, kein einziger wurde verletzt.

Arzt hat zuerst gar nichts vom Unglück gemerkt
Einer von ihnen war Dr. Peter Kühne (64) aus Wien-Liesing. Vom Unglück merkte er erstmal nichts: „Ich stand gerade einen Stock höher am Schiff und dort hat man gar nichts mitbekommen. Ich war auf Deck 6, genannt das Casino. Der einzige Ort, an dem man rauchen durfte.“

Doch dann wurde der HNO-Arzt Kühne zum Helden der Reise. Nachdem die drei Wellen ins Schiff krachten und das Unheil anrichteten, meldete sich der Schiffsarzt über Lautsprecher. Er ersuchte an Bord befindliche Ärzte dringend um Hilfe. „Ich meldete mich sofort mit vier Kollegen. Wir bauten vier Behandlungsräume im Ärztetrakt in Operationssäle um. Ausrüstung war genug da. 17 Verletzten – drei davon waren sehr schwer getroffen – mussten wir schnell helfen. Es gab Schnittwunden in rauen Mengen, Knochenbrüche vor allem bei älteren Menschen. Ich habe hauptsächlich die dringenden Fälle erstversorgt“, so Kühne, mittlerweile wieder zurück in seinem schmucken Wiener Haus im 23. Gemeindebezirk.

Drei Stunden haben die Ärzte nonstop operiert
Drei Stunden operierten die fünf Ärzte (Peter Kühne, zwei deutsche Chirurgen, einer aus der Ukraine und der Schiffsarzt) nonstop. Dann war jeder der Verletzten versorgt.

Der Kapitän drehte währenddessen das Schiff um 180 Grad und verhinderte so eine weitaus größere Katastrophe: „Er hat das Schiff so umgedreht, dass das Wasser nicht mehr eindringen konnte. Er ist Wind und Wellen quasi davongefahren“, erklärt Kühne, der selbst 40 Jahre Seefahrt-Erfahrung hat. Er schipperte als Kapitän auf einem Schifferboot umher. Erst nachdem er den Job aufgab, wurde er Arzt.

ÖSTERREICH: Wie erlebten Sie das Unglück auf Hoher See?

Peter Kühne: Es war 15.00 Uhr. Aber bei der Windstärke und bei dieser Wellenhöhe fühlt sich das Wasser an wie eine Betonwand – und diese Wand traf mit 110 km/h auf das Schiff. Die Betroffenen sind sofort weggeschwemmt worden – die sind gefallen wie die Würfel im Becher – aber alle anderen haben das wirklich nicht gemerkt.

ÖSTERREICH: Wie kamen Sie dann zum Operieren?

Kühne: Um 15.10 Uhr kam eine Lautsprecherdurchsage, in der alle anwesenden Ärzte ersucht wurden, zu helfen. Ich meldete mich dann mit vier anderen Kollegen. Wir bauten vier Behandlungsräume im Ärztetrakt in Operationssäle um. Ausrüstung war genug da. 17 Verletzten – 3 davon sehr schwer – mussten wir helfen. Es gab Schnittwunden in rauen Mengen, Knochenbrüche vor allem bei älteren Menschen. Ich habe vor allem die dringenden Fälle erstversorgt. Viele Wunden habe ich nähen müssen. Es war sehr still.

ÖSTERREICH: Welche Verletzungen hatten Betroffene?

Kühne: Die Schwerverletzten hatten komplizierte Knochenbrüche, tiefe Schnittverletzungen. Der Kapitän hat sich am Ende bedankt. Aber: ‚That is our job‘, Helfen ist unser Beruf.

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