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"K2"

"Zombie-Droge" verseucht New York

Halluzinationen, Schwindel, Übelkeit: "K2" mache Menschen zu Zombies, sagen Zeugen. Trotzdem scheint sich der Konsum der Modedroge in New York auszubreiten. Mehr als 160 Menschen kamen diesen Monat schon ins Krankenhaus. Jetzt wollen die Behörden härter dagegen vorgehen.

Über der Kreuzung von Broadway und Myrtle Avenue im New Yorker Stadtteil Brooklyn flimmert die Luft vor Hitze. Alle paar Minuten rattert die U-Bahn vorbei, die an dieser Stelle überirdisch fährt. Am Straßenrand drängeln sich Pfandhäuser, Fast-Food-Ketten und Nagelstudios an einförmige soziale Wohnungsbauten, aus vorbeifahrenden Autos dringt laute Rap-Musik und hin und wieder wirbelt eine Windbrise Müll über die Gehsteige.

Synthetisches Marihuana

Die triste Straßenkreuzung ist stadtbekannt, seit sich hier vor kurzem Szenen wie aus einem Zombie-Film abgespielt haben sollen. Völlig ausdruckslos seien dutzende Menschen durch die Gegend getorkelt, sagen Anrainer. "Wie Zombies." Der Grund: "K2", ein synthetisches Marihuana. Zur Herstellung werden getrocknete Blätter, die nicht von der Marihuana-Pflanze stammen, mit Chemikalien besprüht und in kleine Päckchen abgepackt. Unter Namen wie "Spice", "AK-47", "Geeked up", "Smacked", "Green Giant Scooby Snax", "Red Giant", "Mr. Bad Guy", "iBlown" oder "Trippy" werden diese Päckchen dann verkauft.

"K2" macht den Behörden in den USA schon seit längerem Sorgen. Mehr als 6.000 Menschen seien nach dem Konsum von synthetischem Marihuana seit Anfang 2015 im Krankenhaus gelandet, teilt die New Yorker Stadtverwaltung mit. Zwei von ihnen starben. "Die Chemikalien in "K2" und die Stärke sind je nach Päckchen verschieden, die Effekte sind also unvorhersagbar. Es ist möglich, dass man sich nach dem Konsum gut fühlt, aber beim nächsten Mal sehr krank wird. Regelmäßiger Konsum kann zu Sucht und Entzugserscheinungen führen."

Nun aber scheint das Problem in New York außer Kontrolle geraten zu sein. Anfang Juli kamen an nur drei Tagen 130 Menschen nach einer Überdosis "K2" ins Krankenhaus, fast so viele wie im ganzen Juni. Wenige Tage später waren es 33 auf einmal. Das müsse an einer "besonders schlechten Lieferung" der Droge liegen, rechtfertigten sich die Behörden. Zuvor seien die Zahlen kontinuierlich gesunken.

Aber die Sorgen wachsen. "K2" ist günstig, leicht zu produzieren und schwer zu kontrollieren. Wo genau wer es wie herstellt und mit was für Chemikalien, das weiß niemand so genau. Vertrieben wird die Droge illegal über ein Netz an Kiosken, dann einfach zerrieben und geraucht.

Härteres Vorgehen
Die Behörden der Millionenmetropole und auch der Bundesstaat New York wollen nun härter dagegen vorgehen. Senator Chuck Schumer kündigte ein neues Gesetz an, dass einige der bisher legalen Chemikalien, die zur Herstellung von "K2" verwendet werden, illegal machen würde. Die New Yorker Polizei kontrolliert die Kioske rund um die Kreuzung von Broadway und Myrtle Avenue stärker und zeigt dort mehr Präsenz.

Einige Anrainer nehmen den Kampf gegen "K2" auch selbst in die Hand. "Man riecht es hier überall", sagte Jason Reis, Manager einer kleinen Grünanlage in der Nähe der Kreuzung, der "New York Times". "Man sieht auch, wie die Menschen sich verhalten. Sie rauchen es in aller Öffentlichkeit. Wir haben jetzt genug." Gemeinsam mit seinen Kollegen hat er Schilder am Gartenzaun und an umliegenden Bänken aufgehängt. "Hier darf kein K2 geraucht werden."
 

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