Alarmierende Werte

Abwasser-Skandal: Kroatien-Urlauber schwimmen in Fäkalien

Kristallklares Wasser und Traumstrände locken jährlich Millionen Österreicher nach Kroatien. Doch hinter der idyllischen Fassade der Adria verbirgt sich ein massives und unappetitliches Abwasserproblem. 

Das kroatische Onlineportal morski.hr berichtet aktuell über Fäkalien, die direkt im Meer landen. Besonders in historischen Städten und kleinen Küstenorten werden Abwässer oft ohne jede Behandlung durch Unterwasserauslässe mehrere hundert Meter weit ins offene Meer gepumpt. Dort soll sich die „dunkle Brühe“ lediglich durch Verdünnung verteilen. Ob es sich bei den auf Fotos sichtbaren Einleitungen tatsächlich um Fäkalien handelt, lässt sich zwar nicht direkt nachprüfen, doch die statistischen Fakten zeichnen ein deutliches Bild der Lage.

Kroatien ist EU-Schlusslicht

Beim Ausbau von Kläranlagen belegt Kroatien im EU-weiten Vergleich den letzten Rang. Während im EU-Schnitt mehr als 80 Prozent der Menschen an eine Kläranlage angebunden sind, sind es in Kroatien lediglich etwa 43 Prozent. Von 284 erfassten Einleitungsstellen leiten laut einem Bericht des Instituts für Umweltschutz (HAOP) aus dem Jahr 2024 insgesamt 103 Stellen ungeklärtes Wasser direkt in Flüsse, Seen oder die Adria.

Nur grobe Vorfilter im Einsatz

In beliebten Destinationen wie Split und Zadar kommen bisher oft nur mechanische Vorfilter zum Einsatz. Diese halten lediglich grobe Verschmutzungen und Fette zurück, eine echte biologische Reinigung findet nicht statt. Großprojekte für moderne biologische Kläranlagen, etwa in Rijeka oder im Gebiet Kaštela, stocken bereits seit Jahren. Betroffen von der Problematik sind weite Teile der Küste, darunter Istrien, Dalmatien und die Gespanschaft Primorje-Gorski kotar.

Strände mit Blauer Flagge

Trotz der Abwasser-Thematik tragen in der aktuellen Saison 2025/2026 insgesamt 74 Strände und 33 Marinas in Kroatien die „Blaue Flagge“. Dieses Gütesiegel der Foundation for Environmental Education (FEE) bewertet unter anderem die Wasserqualität und das Umweltmanagement. Fachleute betonen jedoch, dass die oft gute Messqualität an den Stränden eher auf starke Meeresströmungen und große Tiefen zurückzuführen sei als auf eine funktionierende Abwasserpolitik.

Fehler im Artikel gefunden? Jetzt melden.
OE24 Logo
Es gibt neue Nachrichten