15-Millionen-Raub in Cannes

"Pink Panther"-Bande

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15-Millionen-Raub in Cannes

Im südfranzösischen Badeort Cannes haben Räuber beim Überfall auf ein Juweliergeschäft millionenschwere Beute gemacht. Drei bewaffnete Männer überfielen am Montag eine Filiale des Juweliers Cartier unweit des Luxushotels Carlton an der Croisette.

15 Mio. Euro Beute
Sie hätten die Schaufenster ausgeräumt und seien dann auf Motorrädern geflohen. Ermittler schätzten die Beute auf 15 Millionen Euro. Ob die berüchtigte Juwelenräuberbande "Pink Panther" hinter dem Bruch steckt, war unklar. Der Gruppe, die aus früheren Soldaten aus Ex-Jugoslawien bestehen soll, werden mehr als hundert bewaffnete Raubüberfälle zugeschrieben.

Wer sind die "Pink Panther"?
Bei einem Arbeitstreffen von Interpol in Monaco tauschten Ermittler aus 16 Staaten unlängst ihre Erkenntnisse über die "Rosaroten Panther" aus, denen schätzungsweise rund zweihundert Täter angehören, zumeist aus dem früheren Jugoslawien. Auch in Deutschland schlugen die "Pink Panther" rund ein Dutzend mal zu - vor allem in Nordrhein-Westfalen: Dort begann die Bande vor acht Jahren mit einem Blitzeinbruch bei einem Krefelder Juwelier, seitdem kamen Raubüberfälle in Moers, Essen, Gronau, Gladbeck und Köln hinzu.

Den harmlos klingenden Spitznamen haben britische Ermittler den Räubern verpasst, als sie vor einigen Jahren einen gestohlenen Edelstein in einem Tiegel Gesichtscreme fanden - wie die Polizei in der Krimikomödie "Der Rosarote Panther" mit Peter Sellers von 1963. Der Name gefiel den Räubern offenbar: Verschiedene Augenzeugen sagten seither aus, dass die Täter rosarote Hemden anhatten.

"Intensivtäter"
Lustig sind die Juwelendiebe aber keinesfalls, wie Roland Wolff betont, der beim LKA Düsseldorf die Abteilung für Organisierte Kriminalität leitet. Er beschreibt die "Pink Panther" als "ständig umherreisende Intensivtäter". Bei Raubüberfällen drohen sie Personal und Kunden mit Waffengewalt. Und bei nächtlichen Blitzeinbrüchen rammen sie laut Wolff auch einmal einen Baumstamm in das Schaufenster, um schnell an die Beute zu kommen.

Jeder Überfall der Juwelendiebe ist bis ins letzte Detail perfekt geplant. "Was sie so eigen und wirkungsvoll macht, ist ihre Genauigkeit", sagt der Polizeichef von Monaco, Christophe Haget. "Sie passen sich ihrer Umgebung vollständig an." In reichen Gegenden fahren sie mit Limousine und Chauffeur zu ihrem Raubzug; in Japan radeln sie zum Juwelier - praktischerweise wie die Einheimischen mit Atemschutzmasken vor dem Mund.

Netz aus mehreren Gruppen
Allerdings seien die "Pink Panther" eher ein Netz aus mehreren Gruppen als eine durchstrukturierte, homogene Organisation, sagen Wolff und sein Kollege Emmanuel Leclaire, der bei Interpol die Abteilung für Organisiertes Verbrechen leitet. Den Juwelendieben ist laut Wolff auch deshalb schwer auf die Spur zu kommen, weil sie nur für die Tat in ein Land einreisen, um es danach sofort wieder zu verlassen. Über die Grenze kämen sie unter wechselnden falschen Namen - mit Papieren, die sie gestohlen oder teils nur "geborgt" hätten.

Nur wenige Täter sind bisher dingfest gemacht. In Frankreich wurden im Oktober drei Mitglieder der Bande zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt, nachdem sie in mehreren Nobelorten in den französischen Alpen, an der Cote d'Azur und am Atlantik fünf Juweliere ausgeraubt hatten. In Nordrhein-Westfalen wurden im August drei Verdächtige gefasst und wenig später zu Haftstrafen verurteilt. Selbst wenn es der Polizei gelingen sollte, einen Schmuckräuber zum Plaudern zu bringen, dürfte das nicht viel nützen: Die "Pink Panther" kennen sich laut Interpol oftmals nicht einmal, wenn sie für einen Bruch in ein Land einreisen.

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