FBI gelingt großer Schlag gegen die Mafia

127 Festnahmen in New York

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FBI gelingt großer Schlag gegen die Mafia

Der US-Bundespolizei FBI ist einer der größten Schläge gegen die Mafia in ihrer Geschichte gelungen: Bei groß angelegten Razzien wurden in New York und Umgebung 127 mutmaßliche Mafiosi festgenommen. US-Justizminister Eric Holder sagte auf einer Pressekonferenz am Donnerstag, unter den Festgenommenen seien auch hochrangige Mitglieder der Gambino- und Colombo-Familie sowie der mutmaßliche ehemalige Boss der Patriarca-Familie.

Mehr als 800 Bundesermittler und Polizisten waren an der Aktion am Donnerstag beteiligt. Der Schlag richtete sich gegen alle fünf großen Mafiafamilien in New York: Die Gambinos, Genoveses, Bonnanos, Luccheses und Colombos. Doch auch in Italien gab es eine Festnahme. Den Mafiosi werden unter anderem Mord, Erpressung und Drogenhandel vorgeworfen.

"Aussteiger" halfen
Die Festnahmen seien ein wichtiger Schritt im Kampf der USA gegen das organisierte Verbrechen, erklärte Holder. Einige der Verbrechen datieren 30 Jahre zurück, andere sind erst vor wenigen Jahren begangen worden. Die Aktion ist das Ergebnis einer Reihe von Ermittlungen, die sich auch auf Aussagen von Mafia-Aussteigern stützen. Dies zeige, dass es sich bei dem vielbeschworenen Schweigegelöbnis der Mafia, der sogenannten Omerta, eher um eine Legende handle, sagte die stellvertretende Leiterin der New Yorker Polizei, Janice Fedarcyk. Informanten der Polizei hätten tausende Gespräche mutmaßlicher Gangster aufgenommen.

Erst am Freitag verurteilte ein Bundesrichter in Brooklyn den 93-jährigen John "Sonny" Franzese zu acht Jahren Haft wegen Schutzgelderpressung von Stripclubs und einer Pizzeria auf Long Island. Franzese gehört zu der Mafiafamilie Colombo und soll sich laut FBI damit gebrüstet haben, über die Jahre 60 Menschen umgebracht zu haben.

Exemplarisch veröffentlichte die Staatsanwaltschaft den Fall von Joseph Watts, der ebenfalls verhaftet worden war. Weil er keine italienischen Wurzeln habe, stieg Watts nie bis ganz nach oben in der Cosa Nostra auf, er habe es aber bis zum "Capo" gebracht. Als solcher Unterführer habe ihn der damalige Chef der Gambino-Familie 1989 mit dem Mord an dem verhafteten Mafia-Mann Frederick Weiss beauftragt, weil der offenbar mit der Justiz zusammenarbeitete.

Watts heuerte ein Mordteam an und kümmerte sich sogar um den Aushub eines Grabes, in dem das Opfer verschart werden sollte. Er wartete mit einer Waffe in einer Garage, doch Weiss kam nicht. Dafür wurde der mutmaßliche Überläufer am nächsten Tag von einem anderen "Hit Team" erschossen. Watts hat der Staatsanwaltschaft zufolge jetzt gestanden, an dem versuchten Mord beteiligt gewesen zu sein.

Auf Gefängnisschiff gebracht

Die Festgenommenen wurden zunächst auf ein Gefängnisschiff im Fort Hamilton vor der Küste New Yorks gebracht. Zu ihnen gehört auch der derzeitige Boss der Colombo-Familie, der im Bundesstaat Rhode Island lebt. Die übrigen der mutmaßlichen Gangster seien der Polizei in New York selbst und in angrenzenden Gebieten von Long Island sowie im Nachbarstaat New Jersey ins Netz gegangen.

Die Mafiafamilien der italienischstämmigen Cosa Nostra hatten in der Vergangenheit beträchtliche Teile der Wirtschaft in New York und Umgebung infiltriert. In den vergangenen Jahren hatten sie aber beträchtlich an Einfluss verloren. An die Stelle der New Yorker Mafia traten zuletzt zum Teil organisierte Gangs russischer, mexikanischer und asiatischer Herkunft.
 

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