Finn. Amokschütze schoss 69-mal Finn. Amokschütze schoss 69-mal

Neun Tote

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Finn. Amokschütze schoss 69-mal

Der 18-jährige finnische Amokschütze vom Mittwoch hat einen Abschiedsbrief hinterlassen, in dem er unter anderem seinen Selbstmord ankündigte. Der Brief ist in den Händen der Ermittler und Gegenstand weiterer Untersuchungen, teilte die finnische Kripo in Helsinki mit.

Großes Massaker geplant
Die Polizei gab bei der Pressekonferenz am Donnerstag weitere Einzelheiten bekannt, darunter den Namen des Schießvereins, bei dem der 18-jährige Mitglied war und den 19. Oktober als Ausstellungsdatum des Waffenscheins für jene .22 mm Pistole, mit der an der Jokela-Schule von Tuusula acht Menschen und sich selbst erschoss. Der Täter habe bei seinem Amoklauf insgesamt 500 Patronen bei sich geführt. 69 leere Hülsen sowie 320 nicht abgefeuerte Patronen habe die Polizei am Tatort gefunden. Er hatte offenbar ein wesentlich größeres Massaker geplant.

Jedes der Opfer des 18-Jährigen weise mehrere Schusswunden auf, hieß es. Alle acht Personen im Alter von 16 bis 61 Jahren- die Direktorin der Schule, eine Krankenschwester, fünf Schüler und eine Schülerin - seien zum Zeitpunkt ihrer Einlieferung ins Krankenhaus bereits tot gewesen, teilte die Polizei mit.

Der Amokschütze ist seinen Verletzungen im Krankenhaus erlegen. Das teilte der Chefarzt der Klinik mit, in das der Täter eingeliefert worden war. Der 18-Jährige sei an den Folgen der Kopf-Schussverletzung gestorben, sagte Eero Hirvensalo.

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(c) Reuters, die Tatwaffe

Finnland steht unter Schock

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Finnland kündigt Überprüfung der Waffengesetze an
Der finnische Ministerpräsident Matti Vanhanen hat als Folge des Amoklaufs eine Überprüfung der Waffengesetze angekündigt. Die Tat werde mit Sicherheit die Meinungen über Handfeuerwaffen beeinflussen, sagte Vanhanen auf einer Pressekonferenz am Mittwoch. Bisher hatte er erklärt, wegen der niedrigen Kriminalitätsrate in Finnland gebe es keinen Bedarf für schärfere Waffengesetze.

Etwa 56 Prozent der Finnen besitzen einer Analyse des Genfer Hochschulinstituts für internationale Studien zufolge eine Feuerwaffe. Diese Quote ist die weltweit dritthöchste nach jener der USA und jener des Jemen.

Der 18 Jahre alte Schüler hatte den Waffenschein für seine Pistole im vergangenen Monat von einem Schützenverein erhalten. Das Mindestalter zur Beantragung liegt in Finnland bei 15 Jahren. Ein Vorschlag der Europäischen Union, die Altersgrenze auf 18 Jahre anzuheben, war auf Protest der Regierung in Helsinki gestoßen.

Viele Verletzte
Bei dem Amoklauf an dem Gymnasium in der Vorortegemeinde Tuusula wurden ein rundes Dutzend weiterer Personen verschiedenen Grades verletzt. Der 18-jährige hatte die Tat am Vortag im Internet indirekt angekündigt.

Schule-Schießerei-Finnland
Diese Ansicht von der Schule stellte der Täter ins Internet.

Die Polizei geht davon aus, dass die unter dem Usernamen "Sturmgeist89" auf dem Internet-Videportal YouTube registrierte Person mit dem Amokschützen identisch ist. Er stellte unter dem Titel "Jokela High School Massacre - 11/7/2007" am Dienstag ein Video ins Internet, auf dem unter anderem die Schule und bearbeitete Fotos eines jungen Mannes mit ins Bild zielender Schusswaffe zu sehen waren.

Schießerei finnland
Dieses Selbstporträt hatte der Täter in einem Video verarbeitet.

Sehen Sie hier das Video
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Das Video und eine Selbstbeschreibung des 18-jährigen Finnen waren am Nachmittag noch abrufbar, wurden bis zum Abend aber von der YouTube-Homepage gelöscht. In dem auf Englisch verfassten Text bezeichnet sich der Schüler unter anderem als "antisozialen Sozialdarwinisten" und "gottähnlichen Atheisten" und deutet darüber hinaus eine nicht näher spezifizierte Aktion an, die möglicherweise zu seinem Tod führen wird.

Finnland Attentat
Die Polizei bewacht den Tatort.

Mitglied im Schießverein
Der Polizei zufolge besaß der 18-jährige einen gültigen Waffenschein und war Mitglied in einem Schießverein. Er stamme aus einer "ganz normalen Familie", und habe keine Vorstrafen, erklärte Polizeichef Matti Tohkanen auf einer Pressekonferenz.

Über den Tathergang gibt es mehrere Augenzeugenberichte. Die Polizei sprach lediglich davon, dass der Täter überraschend in eine Klasse gestürmt sei und dort das Blutbad angerichtet habe. In der Schule sei darauf völliges Chaos ausgebrochen. Viele der rund 400 Schüler des Schulzentrums in Jokela konnten sich offenbar durch die Fenster des Gebäudes ins Freie retten und wurden in der Folge in einem Krisenzentrum in der nahe gelegenen Kirche gesammelt und betreut.

Große Erschütterung
Die Bluttat hat in Finnland große Erschütterung hervorgerufen. Der sichtlich geschockte Ministerpräsident Matti Vanhanen bezeichnete den Amoklauf als "außerordentlich trauriges Ereignis" und kündigte ein Krisentreffen des Regierungskabinetts an. Das finnische Parlament unterbrach seine Nachmittagssitzung. Erste kritische Stimmen wurden ebenfalls laut. Die Chefin der Schulverwaltungsbehörde, Kirsi Lindroos, zeigte sich über den Amoklauf in Finnland nicht sonderlich überrascht und gab dem Ressourcenmangel für die Vorbeugung von Mobbing und Gewalt an den Schulen eine Teilschuld dafür, das derartiges auch in Finnland passieren konnte.

Tat angekündigt
Über die Hintergründe der Tat im Jukela-Schulzentrum nördlich von Helsinki wurden zunächst offiziell keine Angaben gemacht. Mitschüler berichteten, dass der Schüler im Internet unter dem in Deutsch angegebenen Pseudonym "Sturmgeist89" die bevorstehende Tat indirekt angekündigt haben soll. Auf seiner Homepage ist ein langer Abschiedsbrief, bei dem der Täter seine irren Gründe für die Tat nennt. Letztendlich erklärt er, dass nur er für das Massaker verantwortlich ist:

"Ich bin ein zynischer Existentialist, ein anti-menschlicher Humanist, ein anti-sozialer Darwinist, ein realistischer Idealist und ein Gott liebender Atheist.

Wenn Du Frieden willst, so rüste zum Krieg. Die Gerechtigkeit bringt jedem das, was ihm gebührt. So [soll es] immer dem Tyrannen [ergehen].

Ich bin bereit zu kämpfen und für meine Sache zu sterben. Ich werde, wie die natürliche Auslese, diejenigen aussortieren, die mir unbrauchbar erscheinen - Blamagen der menschlichen Rasse und Fehler der natürlichen Selektion.

Ihr werdet euch fragen, warum mache ich das und was will ich damit erreichen. Nun, die meisten von euch sind zu arrogant und zu engstirnig, um mich zu verstehen. Ihr werdet vermutlich sagen, ich sei krank, verrückt, ein Psychopath oder ähnlichen Blödsinn. Nein, die Wahrheit ist: ich bin ein Tier, ein Mensch, ein Individuum, ein Andersdenkender.

Ich habe genug. Ich will kein Teil dieser scheiß Gesellschaft sein. Wie einige andere weise Menschen in der Vergangenheit sagten: die menschliche Rasse ist es nicht wert für sie zu kämpfen oder sie zu retten - sie ist es wert getötet zu werden. Aber: wenn meine Feinde davonrennen und sich vor lauter Angst verstecken, wenn mein Name genannt wird… wenn die Verbrecher der korrupten Regierungen tot in den Straßen liegen… wenn die Regeln der „Idiokratie“ und der demokratischen Systeme durch Gerechtigkeit ersetzt wurden…wenn intelligente Menschen endlich frei sind und die Regel der Gesellschaft statt den idiotischen Regeln der Obrigkeit gelten…an diesem großartigen Tag werdet ihr wissen, was ich will.

Lang lebe die Revolution… Revolution gegen das System, das nicht nur den Großteil der schwachsinnigen Masse sondern auch den geringen Teil der starken und klugen Individuen versklavt. Wenn wir in einer anderen Welt leben wollen, müssen wir handeln. Wir müssen uns gegen die Versklavung, gegen die korrupten, totalitären Regime erheben - die Tyrannen, die Verbrecher und die Regeln der Idiokratie stürzen. Ich allein kann nicht viel verändern, aber hoffentlich inspiriert meine Tat die intelligenten Menschen der Welt und facht eine Art Revolution gegen die derzeitigen Systeme an. Das System diskriminiert Natürlichkeit und Gerechtigkeit – es ist mein Feind. Die Menschen, die in dieser Welt der Täuschung leben und dieses System unterstützen, sind meine Feinde.

Ich bin bereit für etwas zu sterben, von dem ich weiß, dass es richtig und wahrhaftig ist… sogar wenn der Krieg verloren wird und meine Tat als böse in Erinnerung bleibt. Ich will lieber kämpfen und sterben, als länger unglücklich zu leben.

Und erinnert euch daran, dass dies meine Schlacht ist, meine Ideen und mein Plan. Beschuldigt niemand anderen für meine Taten außer mir selber. Beschuldigt nicht meine Eltern oder meine Freunde. Ich habe niemandem von meinen Plänen erzählt und habe sie immer für mich behalten. Beschuldigt nicht die Filme, die ich gesehen habe, die Musik, die ich gehört habe, die Spiele, die ich gespielt habe oder die Bücher, die ich gelesen habe. Nein, sie haben nichts damit zu tun. Das ist mein Krieg: Ein Ein-Mann-Krieg gegen die Menschheit, Regierungen und schwachsinnige Massen der Welt. Kein Mitleid für den Abschaum der Erde. DIE MENSCHEIT IST ÜBERSCHÄTZT. Es ist Zeit, DIE NATÜRLICHE AUSLESE UND DAS ÜBERLEBEN DER BESTEN wieder das Kommando übernehmen zu lassen."

Parallellen zum Amoklauf an der Virginia Tech vom April
Das Massaker erinnert an den Amoklauf an der Virginia Tech am Morgen des 16. April 2007 auf dem Campus der Virginia Polytechnic Institute and State University in Blacksburg, USA. Damals wurden 32 Menschen getötet und 29 weitere verletzt. Der Täter erschoss sich anschließend selbst.

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