Freiwilliger Unterricht in Winnenden

Nach Amoklauf

Freiwilliger Unterricht in Winnenden

Nach dem Amoklauf in Winnenden mit 16 Toten kehrt am Montag ein kleines Stück Normalität zurück. Für die Schüler der Albertville-Realschule gibt es freiwilligen Unterricht. Sie sollen in Gemeinde- und Sporthallen der näheren Umgebung zusammenkommen. Ihr Schulhaus bleibt vorerst geschlossen. Der 17-jährige Tim K. hatte am vergangenen Mittwoch in seiner ehemaligen Schule und auf der Flucht 15 Menschen erschossen, bevor er sich selbst umbrachte. Die Suche nach seinem Motiv dürfte weitergehen. Anhaltspunkte könnten Killerspiele und Gewaltpornos liefern, die Ermittler auf dem heimischen PC des Todesschützen gefunden haben.

Die Teilnahme an dem Unterricht, der von Psychologen begleitet wird, ist keine Pflicht. Denn den Kindern steht eine schwierige Woche bevor: In den kommenden Tagen sollen weitere Opfer beerdigt werden.

Debatte über Konsequenzen
In der deutschen Politik geht die Debatte um die Konsequenzen nach dem Amoklauf weiter. Während sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für schärfere Kontrollen von Waffenbesitzern stark machte, nannte die Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Claudia Roth, diesen Vorschlag unzureichend. "In Deutschland befinden sich rund sieben Millionen gefährliche Schusswaffen legal in privater Hand. Bei dieser Zahl kann die Forderung nach Winnenden nur lauten: Abrüstung und Entwaffnung!", sagte sie in der Fernsehsendung "MDR aktuell". Die Politik müsse ein Zeichen setzen zum Schutz der Kinder und gegen die Interessen der Waffenlobby.

Kein Schieß-Training
Nach einem Zeitungsbericht hat der Amokläufer nicht im Schützenverein seines Vaters trainiert. "Der Jugendliche hat nur ein Mal im Oktober 2008 auf der Pistolenschießbahn im Beisein des Vaters mit dessen Neun-Millimeter-Pistole geschossen", sagte Detlef Lindacher, Vorstandsvorsitzender des Schützenvereins SSV Leutenbach, den "Stuttgarter Nachrichten" (Montag). Drei Wochen vor der Bluttat wollen Zeugen den 17-Jährigen dann mit einer großkalibrigen Waffe auf der Schießbahn gesehen haben. Der entsprechende Eintrag im Schießbuch fehle.

Wirbel um Ankündigung
Die vermeintliche Ankündigung des Blutbads im Netz sorgt weiter für Wirbel. Die Betreiber der betroffenen Internetseite krautchan.net sprachen von einer Fälschung und vermuteten den Urheber in Düsseldorf. Ob er tatsächlich dafür verantwortlich ist, muss die Kontrolle der IP-Adresse des Computers ergeben.

Eltern und Ermittler streiten
Streit zwischen Ermittlern und Eltern gibt es darüber, ob Tim K. psychotherapeutisch behandelt wurde. Das könnte Einfluss auf drohende strafrechtliche Ermittlungen gegen den Vater des Amokläufers haben. Der Sohn des Sportschützen hatte die Bluttat mit einer Beretta begangen, die im Schlafzimmer der Eltern statt im Waffenschrank lag.

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