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Papst verärgert Judentum mit neuer Fürbitte

"Eiszeit"

© AP Photo/Filippo Monteforte

Papst verärgert Judentum mit neuer Fürbitte

Papst Benedikt XVI. hat den Zorn der jüdischen Gemeinde in Italien auf sich gezogen. Grund: Das katholische Kirchenoberhaupt hat jetzt die Karfreitags-Fürbitte für die Juden geändert - jedoch nicht in der Form, die diese sich gewünscht hätten.

"...damit sie Jesus Christus erkennen..."
Im wieder zugelassenen Messbuch von 1962 war zuvor von einer "Verblendung jenes Volkes" die Rede, das aus seiner "Finsternis entrissen" werden solle. In der neuen Version soll nun "für die Juden" allgemein gebetet werden: "Lasst uns auch beten für die Juden, auf dass Gott unser Herr ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus erkennen, den Retter aller Menschen", lautet der neue, von Benedikt geänderte Text.

"Eiszeit zwischen Judentum und Papst"
"Ein Rückschritt von 43 Jahren", erboste sich der Oberrabbiner von Rom, Riccardo Di Segni. Der für Juden verletzende Satz sei zwar gestrichen worden, doch die Substanz sei die gleiche, betonte er. Der Vatikan habe lediglich kosmetische Korrekturen vorgenommen. Die italienische Rabbinervereinigung kündigte an, den Dialog mit der katholischen Kirche zunächst abzubrechen. "Eiszeit zwischen italienischem Judentum und Benedikt XVI", schrieb die Zeitung "La Repubblica" am Donnerstag.

Auch Christen protestieren gegen neue Fürbitte
Mit der Wiederzulassung der "alten" Messe durch das päpstliche Motu proprio "Summorum pontificium" vom 7. Juli vergangenen Jahres wäre erstmals wieder die alte Form der Fürbitte in der kommenden Karwoche gebetet worden. Dagegen hatten nicht nur jüdische Kreise, sondern auch andere christliche Gruppierungen protestiert. Der Papst wollte die Streitfrage nun - vergeblich - durch eine neue Version beilegen.

Wortlaut vor 1959: "...treulosen Juden"
Die ursprünglich in der lateinischen Fürbitte verwendete Formel "für die treulosen (ungläubigen) Juden" (pro perfidis Judaeis) war 1959 unter Papst Johannes XXIII. abgeschafft worden und im Messbuch von 1962 nicht mehr enthalten.

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