157 Tote auf Conakrys Straßen

Blutbad in Guinea

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157 Tote auf Conakrys Straßen

Im westafrikanischen Guinea sind bei der gewaltsamen Auflösung einer Oppositionskundgebung 157 Menschen getötet worden. Zehntausende Oppositionsanhänger seien in einem Stadion in der Hauptstadt Conakry versammelt gewesen, als Sicherheitskräfte die Veranstaltung stürmten, berichtete ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP am Montag. UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon verurteilte die "exzessive Gewaltanwendung".

157 Tote
Bei der Auflösung der Kundgebung seien Schüsse gefallen, berichtete auch der britische Nachrichtensender CNN. Ein AFP-Reporter sagte, er habe anschließend im Stadion mindestens zehn blutüberströmte Leichen mit Schussverletzungen gesehen. Die Zahl von 157 Toten basiere auf Angaben von Spitälern in Conakry und beinhalte keine Leichen, die möglicherweise noch nicht in Krankenhäusern eingetroffen seien, sagte Thierno Maadjou Sow, der Präsident der Guineanischen Menschenrechts-Organisation. Er schätzte die Zahl der Verletzten auf 1.250.

Von mehreren Seiten wurde die Vermutung geäußert, die Junta wolle das Ausmaß des Blutbades offenbar vertuschen. Ein Arzt im Universitätskrankenhaus sagte AFP, es seien 58 Tote in das Leichenschauhaus der Klinik gebracht worden. Es habe sich um ein "Gemetzel" gehandelt. Ein Arzt eines anderen Krankenhauses sagte, Soldaten hätten mit einem Militärlastwagen dutzende Leichen abgeholt und an einen unbekannten Ort gebracht. Einem Rot-Kreuz-Mitarbeiter zufolge ordneten Kommandanten an, alle Leichen in das Militärlager Alpha Yaya Diallo, den Sitz der Junta, zu bringen und nicht in Leichenschauhäuser.

Auch zwei Oppositionsführer, die früheren Premierminister Cellou Dalein Diallo und Sidya Toure, wurden nach Angaben der Ehefrau Diallos bei dem gewaltsamen Vorgehen der Sicherheitskräfte verletzt und anschließend festgenommen. Die beiden seien zunächst in ein Krankenhaus gebracht worden. Dort hätten Soldaten sie festgenommen und dann nach Alpha Yaya Diallo gebracht. Regierungskreise bestätigten beide Festnahmen. Die Häuser der beiden Politiker wurden nach Angaben von Nachbarn von Soldaten geplündert.

Demo gegen Junta-Chef
Die Demonstranten protestierten gegen die Pläne von Junta-Chef Moussa Dadis Camara, bei den für Jänner geplanten Präsidentenwahlen selbst anzutreten. Auch die internationale Staatengemeinschaft übt derzeit auf die Junta Druck aus, bei den Wahlen die Macht wie zuvor versprochen wieder an Zivilisten abzugeben. Das Militär hatte am 23. Dezember nach dem Tod des langjährigen Präsidenten Lansana Conte in einem unblutigen Putsch die Macht in dem afrikanischen Land ergriffen.

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