Brüchiger Frieden in Südossetien

Konflikt

Brüchiger Frieden in Südossetien

Als in der Nacht vom 7. auf den 8. August 2008 die ersten georgischen Raketen in Südossetien einschlugen, ahnte niemand die geopolitische Tragweite des damit begonnenen kurzen Krieges zwischen Russland und Georgien. In weniger als fünf Tagen beendeten die russischen Truppen die Versuche der Führung in Tiflis, in der abtrünnigen Region wieder Oberhand zu gewinnen. Die Aussichten Georgiens auf Mitgliedschaft in der NATO sind getrübt, ebenso wie die der USA auf mehr Einfluss in der Sphäre der ehemaligen Sowjetunion. Und während sich die internationale Gemeinschaft um Stabilisierung bemüht, kämpfen georgische Flüchtlinge und Hinterbliebene von Kriegsopfern um Normalität in ihrem Alltag.

"Der Krieg hat katastrophale Folgen für Georgien", sagte Giorgj Chutsischwili vom Internationalen Zentrum für Konfliktforschung in Tiflis. Die Aussichten auf Wiederherstellung der territorialen Integrität des Landes seien in weite Ferne gerückt, wenn nicht für immer dahin, beklagt der Experte. Eine Untersuchung des Parlaments in Tiflis kam zu dem Schluss, dass der eigenen Regierung und dem eigenen Militär schwere Vorwürfe gemacht werden müssten: Georgien verlor faktisch ein Fünftel seines Staatsgebiets.

Bis auf 30 Kilometer marschierten die russischen Soldaten damals auf die Hauptstadt Tiflis zu, bombardierten Ziele im ganzen Land. Während die nach Unabhängigkeit strebenden Osseten die Russen als Befreier feierten, flohen die Georgier zu Zehntausenden vor dem anrückenden Feind aus Südossetien und den angrenzenden georgischen Gebieten. Auch in der ebenfalls abtrünnigen Region Abchasien verließen viele ethnische Georgier ihre angestammte Heimat. Mehr als 25.000 Menschen können bis auf weiteres nicht dorthin zurückkehren.

An der südossetischen Grenze und an der abchasischen Grenze im Nordwesten stehen seit Oktober EU-Beobachter und dokumentieren Zwischenfälle wie kurzzeitige Grenzverletzungen russischer Soldaten. Die Verlängerung eines Beobachtungseinsatzes der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat Moskau im Juni verweigert, im Gegenzug aber seine politische und militärische Zusammenarbeit mit der NATO wieder aufgenommen.

Gegenseitige Provokationen
Vor dem Jahrestag warfen sich Russen und Georgier gehäuft gegenseitige Provokationen vor und warnten auf höchster Ebene vor einem erneuten Ausbruch des Konflikts. Westliche Experten indes beschwichtigen. "Das sind Scheingefechte", erklärt Alexander Rahr von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP). Die Russen hätten erreicht, was sie wollten, nämlich als Machtfaktor vom Westen anerkannt zu werden, sagt der Leiter des DAP-Zentrums Russland/Eurasien. Zu seiner Bilanz zählt: "Der Westen hat Russland diesen Krieg verziehen."

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