Chaos in Simbabwe nach Tsvngirai-Wutanfall

Rätselraten

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Chaos in Simbabwe nach Tsvngirai-Wutanfall

Nach der Dauerkrise hatten die Simbabwesen endlich wieder Hoffnung geschöpft. Eine Lösung für die politische und wirtschaftliche Krise in dem afrikanischen Land schien nach erbittertem Machtkampf zum Greifen nahe. Im "Rainbow Towers", einem Konferenzhotel der Hauptstadt Harare, schmückten schon Blumenarrangements den "Jacaranda"-Raum für die feierliche Unterzeichnung eines Machtteilungsabkommens. Doch dann kam plötzlich alles wieder anders. Nach dreitägigem Verhandlungsmarathon stürmte Oppositionschef Morgan Tsvangirai wutentbrannt aus dem Saal.

"Denkpause"
Tsvangirai habe sich eine "Denkpause" erbeten, erklärte der vermittelnde südafrikanische Präsident Thabo Mbeki später. Von einem Scheitern der Verhandlungen wollten weder er noch die Konfliktparteien selbst sprechen. Doch in einem Umfeld aus Mangel an Information und gezielt gestreuten Falschinformationen kamen schnell Gerüchte über einen neuen Trick des gewieften Langzeit-Präsidenten Robert Mugabe auf: Statt einer Teilung der Macht mit Tsvangirai und dessen Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) strebe er ein Bündnis mit Artur Muthambara, dem Chef einer MDC-Splitterfraktion an. Dieser dementierte am Mittwoch Separatverhandlungen.

Bilaterles Abkommen "absolut ausgeschlossen"
"Es ist absolut ausgeschlossen, ein bilaterales Abkommen auszuhandeln, wenn drei verhandeln", sagte Muthambara. Vorerst jedoch sind die Verhandlungen in einer Sackgasse gelandet. Nach Angaben von Beobachtern ist vor allem die zentrale Frage strittig, wie viel Macht der seit 28 Jahren regierende Mugabe behalten beziehungsweise abgeben soll. Unklar ist auch, wann die Gespräche wieder aufgenommen werden. Für den Vermittler Mbeki kommt die Entwicklung besonders ungelegen. Er hatte darauf gehofft, auf dem am Wochenende in Johannesburg beginnenden Gipfeltreffen der regionalen SADC-Staatengemeinschaft endlich mit einem Verhandlungserfolg in Simbabwe glänzen zu können. Für Mbeki wird es der letzte SADC-Gipfel unter seiner Ägide sein. Im kommenden Frühjahr tritt er nach zwei Amtszeiten ab.

Kein Neubeginn in Sicht
Von einem Neubeginn mit Zukunftsvisionen, die von allen geteilt werden und einen Weg aus der wirtschaftlichen und politischen Krise weisen könnten, ist Simbabwe, das ehemalige Südrhodesien, noch weit entfernt. Die angesichts von Massenarmut, Hunger, Gewalt und Rekordinflation verzweifelten Simbabwesen hoffen weiter auf eine Perspektive. Viele von ihnen flohen in Scharen vor der Gewalt im Lande, der seit den Wahlen Ende März mehr als 150 Menschen, meist Anhänger von Tsvangirais MDC, zum Opfer fielen.

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