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Bei Wahl zum FAO-General

Wieder Schlappe für Österreich ...

Franz Fischler hatte sich vorab selbst als Favorit gesehen, doch es sollte anders kommen. Die UNO-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) wählte am Sonntag den Brasilianer José Graziano da Silva zum neuen Generalsekretär. Fischler, der sich große Hoffnungen gemacht und ein engagiertes Reformpapier vorgelegt hatte, schied enttäuscht schon im ersten Wahlgang aus. Der ­Tiroler erhielt nur zehn von 170 Stimmen.

Damit macht es der ehemalige EU-Agrarkommissar in Sachen Erfolglosigkeit seiner Parteifreundin Ursula Plassnik nach. Die Ex-Außenministerin hatte sich vor wenigen Tagen noch stolz als neue Chefin der „Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa“ (OSZE) gesehen. Doch die siegessichere ÖVP-Politikerin ging mit fliegenden Fahnen unter: Der Italiener Lamberto Zannier machte vorige Woche das Rennen.

Österreichs Politiker werden jetzt offenbar für internationale Posten nicht mehr benötigt. Umweltminister Niki Berlakovich, der Österreich bei der gescheiterten Fischler-Kür in Rom vertrat, sieht das anders: „Misserfolg? So kann man das nicht sehen, wir hatten mit Franz Fischler einen hervorragenden Kandidaten. Leider ist die Mehrheit seinen Reformplänen nicht gefolgt.“

Tatsächlich wurde Fischler Opfer erneuter europäischer Uneinigkeit. Weil sich Europa als größter FAO-Geldgeber nicht zwischen dem Spanier Moratinos und dem Österreicher Fischler entscheiden konnte, siegte schließlich der Brasilianer Da Silva mit vier Stimmen Vorsprung als lachender Dritter.

"Wie bei der Fußball-WM"

ÖSTERREICH: Sind Sie jetzt sehr enttäuscht?
Franz Fischler: Nein, so würde ich das nicht nennen. Ich habe bei der Präsentation meines Konzepts für die FAO große Sympathie erhalten, man hat mir sogar gratuliert.

ÖSTERREICH: Aber woran lag es dann? Dass sich Europa nicht auf einen Kandidaten geeinigt hatte?
Fischler: Ausschlaggebend waren große politische Interessen, irgendwie erinnerte das an die Vergabe einer Fußball-WM: Spanien und Brasilien haben sich eine regelrechte Materialschlacht geliefert, da kann ein kleines Land wie Österreich nicht mit. Der spanische Kandidat bekam ein eigenes Regierungsflugzeug zur Verfügung gestellt. Man versprach den Entwicklungsländern Zugang zu einem nationalen Fonds und es gab personelle Angebote.

ÖSTERREICH: Aber dann ist es Brasilien geworden.
Fischler: Ja, weil sich die Entwicklungs- und die Schwellenländer gegen die Industriestaaten verbündet haben. Das muss Europa zu denken geben: Die EU ist der größte Geldgeber, genießt dort aber wenig Sympathie.

ÖSTERREICH: Zuerst scheitert Ursula Plassnik bei der OSZE, jetzt bekommen Sie den FAO-Job nicht. Verliert Österreich international an Bedeutung?
Fischler: Das waren ja keine Job-Vergaben, sondern Wahlen. Aber nein: Andere Länder in der Größe Österreichs bekommen solche Kandidaturen nicht einmal zustande. Und wir haben für zwei Spitzenposten gute Kandidaten gehabt.

(gü)

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