Gewalttätige Proteste in Belgrad

Karadzic-Festnahme

© Reuters

Gewalttätige Proteste in Belgrad

Einige Dutzend Anhänger serbischer nationalistischer Organisationen haben am frühen Dienstagabend im Stadtzentrum Belgrads gegen die Festnahme des bosnisch-serbischen Ex-Präsidenten Radovan Karadzic protestiert. Die Demonstranten, die von einem großen Polizeiaufgebot auf dem Republikplatz umzingelt wurden, bewarfen die Ordnungshüter mit Stühlen aus den umliegenden Cafés und Knallkörpern. Den Protestlern schlossen sich auch der Generalsekretär der ultranationalistischen Serbischen Radikalen Partei (SRS), Aleksandar Vucic, sowie Karadzic' Bruder Luka an.

Demonstranten zerschlugen außerdem mehrere Statuen einer Freiluft-Ausstellung, die derzeit im Stadtzentrum stattfindet. Verletzte hat es laut ersten Berichten nicht gegeben.

Unterschiedliche Reaktionen
Während die Information für einige eine klare Erleichterung darstellte, da dadurch ein weiteres Hindernis auf dem Weg Serbiens in die Europäische Union beseitigt wurde, sind andere wiederum empört. Eine Gruppe junger Anhänger Karadzic' fuhr gegen Mitternacht in ihren Wagen immer wieder beim Sondergericht für Kriegsverbrechen vorbei, wo der Festgenommene vermutet wird, um laut hupend ihren Protest zu bekunden.

Von einigen begrüßt, von anderen kritisiert
Die regierende Sozialistische Partei (SPS) distanzierte sich in einer schriftliche Aussendung von der Festnahme des Haager Angeklagten, nachdem zuvor das Innenministerium, an dessen Spitze der SPS-Chef Ivica Dacic steht, mitteilte, an der Festnahme nicht beteiligt gewesen zu sein. "Die SPS wird die Umstände in Erwägung ziehen, unter welchen Radovan Karadzic festgenommen wurde und sie wird verlangen, dass die Öffentlichkeit Serbiens darüber informiert wird, seit wann sich Radovan Karadzic auf dem Gebiet Serbiens unter der Kontrolle der Sicherheitsdienste befindet", teilte die Partei mit.

Offiziell wurde zunächst nicht bekannt gegeben, wo die Festnahme erfolgte. Man geht davon aus, dass sie in Serbien erfolgte. Die Sozialisten unterstrichen ferner in ihrer Aussendung, dass die Zusammenarbeit mit dem Haager Gericht ein Prozess in zwei Richtungen sein müsse und sich nicht nur auf die Auslieferung der Angeklagten beschränken dürfe.

Für den ehemaligen Infrastrukturminister Velimir Ilic stellt die Festnahme Karadzic' andererseits eine Überraschung dar, die allerdings Serbien "einen Schritt näher an die EU" gebracht habe.

Der Generalsekretär der ultranationalistischen Serbischen Radikalen Partei, Aleksandar Vucic, meinte andererseits, dass es sich um eine "grausige Nachricht" handle. Nur jene, die Serbien hassen würden, könnten sich darüber freuen. Auch befinde sich Serbien auf dem Weg seines Verschwindens, da Präsident Boris Tadic die "Diktatur" festige, meinte Vucic.

EU und NATO begrüßten Festnahme
Es handle sich um eine "wichtige Etappe" bei der Annäherung Serbiens an die EU, erklärte die französische EU-Ratspräsidentschaft in der Nacht auf Dienstag. Die Festnahme Karadzics zeige das Engagement Belgrads, zu Frieden und Stabilität am Balkan beizutragen. Die NATO sprach von einer "guten Nachricht", auf die man lange gewartet habe.

Serbien hatte Ende April ein Stabilisierungs- und Assoziationsabkommen mit der EU unterzeichnet. Dieses tritt jedoch nur bei einer "vollständigen Zusammenarbeit" Belgrads mit dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Kraft. Die EU bestand als Zeichen für diese Kooperation vor allem auf die Festnahme von Karadzic und seinem früheren Militärchef Ratko Mladic, der ebenfalls vom UNO-Tribunal gesucht wird.

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