Opfert Sarkozy seine Glaubwürdigkeit für Bruni?

Umfragetief

© EPA/KHALED EL FIQI

Opfert Sarkozy seine Glaubwürdigkeit für Bruni?

Sollte der französische Präsident Nicolas Sarkozy im Februar mit Carla Bruni seine dritte Ehe eingehen, dann würde sich sein Spitzname "Speedy Sarko" einmal mehr bestätigen. Der Präsident hat das ehemalige Top-Model erst Mitte November kennengelernt, wenige Wochen nach seiner Scheidung von Cécilia. Regierungsnahe Medien spekulieren schon über einen möglichen Hochzeitstermin am 9. Februar. Der "Figaro" nennt Carla Bruni inzwischen nicht mehr die Freundin, sondern die Verlobte des Präsidenten. Brunis Mutter hat italienischen Medien berichtet, der Präsident habe um Carlas Hand angehalten.

Scherereien mit dem Protokoll
Falls die Hochzeit stattfindet, hätte Sarkozy weniger Scherereien mit dem Protokoll bei Auslandsbesuchen. Vor allem in muslimischen Ländern macht es sich nicht gut, wenn ein Staatschef bei einem offiziellen Besuch mit seiner Geliebten anreist. Kritiker fürchten allerdings, dass Sarkozy durch eine überstürzte Heirat und die Zurschaustellung seines Privatlebens an politischer Glaubwürdigkeit verlieren könnte. In Umfragen hat er bereits sieben Punkte verloren und liegt bei der Zustimmungsquote erstmals unter 50 Prozent.

Saudis lehnen Bruni bei Staatsbesuch ab
Das Herrscherhaus von Saudi-Arabien hat dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy mitgeteilt, dass er seine neue Freundin Carla Bruni nicht zum Staatsbesuch in Riad mitbringen kann. Zur Begründung hieß es, in dem Königreich gelte das islamische Recht ("Scharia").

Kontakte zwischen Männern und Frauen, die nicht miteinander verheiratet oder verwandt seien, sind in Saudi-Arabien, wo eine besonders puritanische Version des sunnitischen Islams Staatsreligion ist, generell verboten. Aus Diplomatenkreisen in der saudischen Hauptstadt hieß es am Montag, Sarkozy habe zugesagt, am kommenden Sonntag ohne seine Freundin zu seinen Gesprächen mit König Abdullah zu reisen.

Dem eigenen Lager peinlich
Auch im eigenen Lager sei vielen das Verhalten des Präsidenten peinlich, schreibt "Le Figaro". Das Blatt zitiert einen ungenannten hochrangigen Vertreter der Regierungspartei mit dem Seufzer: "Hoffentlich geht das jetzt nicht jedes Wochenende so."

Disneyland statt Elysee-Palast
Nach ihrem ersten öffentlichen Ausflug vor Weihnachten nach Disneyland und einem Kurzurlaub auf Kosten eines befreundeten Industriellen in Ägypten hatten Sarkozy und Bruni am vergangenen Wochenende Jordanien besucht - eine private Reise auf Einladung von König Abdullah II. Von allen Ausflügen gibt es reichlich Bilder, auf denen zärtliche Gesten und verliebte Posen des Paares zu sehen sind.

Indiana Sarko
Vor den Ruinen von Petra, eine Kulisse im Film "Indiana Jones", ließ Sarkozy sich mit Brunis Sohn Aurelien auf den Schultern fotografieren - eine neue präsidiale Patchwork-Familie zeichnet sich ab. "Wenn Sie Grace Kelly in Monaco mochten, dann werden Sie Carla Bruni im Elysee lieben", kommentierte "Le Journal du Dimanche" trocken.

Bruni als Scheidungs-Therapie?
Manche vermuten, dass die überraschende Schnelligkeit, mit der Sarkozy sich erneut zu binden scheinen will, seine Art ist, über die Scheidung hinwegzukommen. Cécilia hat ihm immerhin zwei Jahrzehnte zur Seite gestanden und seine Karriere maßgeblich gefördert. Vielleicht war auch die Wahl des Urlaubsziels kein Zufall - in Petra hatte sich auch Cécilia während einer ersten Trennung von Sarkozy mit ihrem damaligen Geliebten Richard Attias vergnügt.

"Omnipräsident" immer in den Schlagzeilen
Im übrigen passt es zu Sarkozys Art, kontinuierlich für neue Schlagzeilen und neue Themen zu sorgen. Eine Episode jagt die nächste, die Medien eilen geflissentlich hinterher, und kritische Nachfragen zu politischen Kernthemen gehen im Trubel schon mal unter. An Spitznamen mangelt es daher nicht. Sarkozy wird Omnipräsident genannt, weil er sich um alles gleichzeitig zu kümmern scheint, oder Telepräsident, weil er ständig im Fernsehen präsent ist.

Große Sarko-Show statt Amtsgeschäfte
Während Sarkozy sein privates Glück genießt, sieht es an der politischen Front eher düster aus. Franzosen sorgen sich über mangelnde Kaufkraft, die Wachstumsprognose musste nach unten korrigiert werden, der öffentliche Dienst ist zu teuer, das Sozialsystem nicht mehr finanzierbar. Am Dienstag will Sarkozy sich erstmals in einer zweistündigen Pressekonferenz nach amerikanischem Vorbild zu allen Fragen vor Journalisten äußern. Französische Medien sprechen bereits etwas despektierlich von der "großen Sarko-Show".

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