31. Dezember 2009 09:26
Medienberichte, wonach die iranischen Oppositionsführer Mir-Hossein Moussavi
und Mehdi Karroubi Teheran verlassen hätten, sind als falsch zurückgewiesen
worden. "Die Berichte über die Flucht der Anführer der Aufständischen aus
Teheran wurden dementiert", zitierte die iranische Nachrichtenagentur FARS
laut dem staatlichen Fernsehsender PressTV am späten Mittwochabend
informierte Kreise.
Dementis
Auch auf Websites der Opposition waren die Berichte
dementiert worden. Karroubis Sohn Mohsen sagte dem Internetdienst
"Parliament-News", dass sowohl sein Vater als auch Moussavi nach wie vor in
Teheran seien. Auch auf Moussavis Webseite "Jaras" wurden die Behauptungen
zurückgewiesen.
Berichte über Flucht
Die Nachrichtenagentur IRNA hatte zuvor
gemeldet, dass "zwei von denen, die bei der Anstachelung der Spannungen nach
den Wahlen (im Juni) eine führende Rolle gespielt haben, aus Teheran in den
Norden des Iran geflohen sind, weil sie sich vor dem wütenden Volk fürchten,
das ihre Bestrafung fordert". Revolutionsgarden und der Geheimdienst hätten
Moussavi und Karroubi in die Stadt Kelarabad am Kaspischen Meer gebracht und
hielten sie dort versteckt, hieß es weiter. Bei von der Regierung
organisierten Demonstrationen in Teheran hatten zehntausende Anhänger von
Präsident Mahmoud Ahmadinejad am Mittwoch die Hinrichtung der beiden
Oppositionsführer gefordert.
Nach Angaben offizieller Medien folgten im ganzen Land Millionen
Sympathisanten des erzkonservativen Präsidenten dem Aufruf und gingen auf
die Straße. Viele forderten die Todesstrafe für die Anführer der Opposition,
die als Gotteslästerer beschimpft wurden. Die Demonstranten skandierten "Tod
für Moussavi" und forderten von der Justiz, ihnen zu erlauben, sich an
Oppositionsanhängern zu rächen, weil sie durch ihre Proteste anlässlich der
Ashura-Feiern am vorigen Sonntag dieses heilige Fest entweiht hätten. Die
Polizei kündigte an, künftig mit noch größerer Härte gegen
regierungsfeindliche Proteste vorzugehen.
"Partei des Teufels"
Bei der zentralen Kundgebung in
Teheran sagte Ayatollah Mehdi Aalamolhoda, ein Anhänger Ahmadinejads, es
müsse einen Unterschied geben zwischen der "Partei Gottes" und der "Partei
des Teufels". Jene, die das islamische System untergraben würden und
islamische Werte beleidigten, seien Feinde Gottes. Er rief die Justiz auf,
den Oppositionsführern eine Frist zu setzen, um Reue zu zeigen für ihr
"gotteslästerliches Tun". Andernfalls müssten sie als Feinde Gottes
gebrandmarkt werden und die Konsequenzen tragen. Daraufhin brüllte die
Menge: "Moussavi und Karroubi müssen hingerichtet werden."
Unterdessen wurde ein bei den blutigen Protesten am Wochenende getöteter
Neffe Moussavis in einer eilig organisierten Zeremonie auf einem Friedhof im
Süden Teherans beigesetzt. Offensichtlich hatten die Behörden befürchtet, im
Falle einer größeren Trauerfeier für Ali Moussavi könnte es zu neuen
Protesten kommen.
Nach offiziellen Angaben wurden bei den Protesten der Opposition am
vergangenen Wochenende 500 Demonstranten festgenommen. Die Geheimpolizei
habe weitere Personen verhaftet, hieß es. Der Opposition nahe stehende
Webseiten berichteten dagegen von mindestens 800 Festgenommenen, darunter
300 allein in Teheran. Zusätzlich seien mindestens 18 Vertraute Moussavis
hinter Gitter gebracht worden.