PKK weist Schuld an Istanbul-Attentaten von sich PKK weist Schuld an Istanbul-Attentaten von sich

Terror am Bosporus

 

 

PKK weist Schuld an Istanbul-Attentaten von sich

Nach den beiden Bombenanschlägen von Istanbul hat die Polizei laut einem Zeitungsbericht drei Jugendliche festgenommen. Die 16 und 17 Jahre alten Jugendlichen seien in einem Keller in der Nähe des Explosionsorts aufgegriffen worden, schrieb die Zeitung "Milliyet". Die Polizei habe damit am Sonntagabend auf einen Hinweis von Einwohnern reagiert. Die drei hätten erklärt, sie hätten sich in dem Keller versteckt, weil sie nach den Explosionen Angst bekommen hätten, schrieb das Blatt.

Der Anschlag ereignete sich im Stadtteil Güngören auf der europäischen Seite der Metropole. Medienberichten zufolge verdächtigt die Polizei die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) hinter dem Doppelanschlag. Diese dementiert jedoch vehement. Dies berichtet die liberale Zeitung "Milliyet" unter Berufung auf einen Geheimdienstmitarbeiter in Ankara.

Explosion im Mistkübel
Die erste Bombe von geringer Sprengkraft explodierte in einem Mistkübel an einer Geschäftsstraße von Güngören, wo zu dem Zeitpunkt viele Familien zum Abendessen oder zum Teetrinken waren, wie Güler laut NTV vor Journalisten am Anschlagsort sagte. Wenige Minuten später habe sich in einigen Metern Entfernung eine weitere, diesmal heftige, Explosion ereignet. Die zweite Bombe sei ebenfalls in einem Mülleimer versteckt gewesen und in dem Moment hochgegangen, als sich gerade zahlreiche Menschen zum ersten Explosionsort bewegten.

Zweite Bombe riss Schaulustige in den Tod
Zeugenberichten zufolge war die erste Explosion nicht sehr stark. "Viele Menschen kamen, um zu sehen, was los war", sagte Huseyin Sentürk, der ein Schuhgeschäft in dem Viertel betreibt. "Dann kam es zur zweiten Explosion, die viele Schaulustige verletzte." Demnach wurden auch Menschen verletzt, die sich in nahe gelegenen Geschäften aufhielten. Der belebte Platz war nach den Detonationen voll mit Glasscherben, Kleidungsstücken, Schaufensterpuppen und Trümmerteilen.

Der Fernsehsender NTV zeigte Bilder, auf denen blutüberströmte Menschen zu sehen waren, die panisch und orientierungslos umherliefen. Zahlreiche Rettungs- und Feuerwehrfahrzeuge fuhren zum Anschlagsort. Die Polizei riegelte das Gebiet ab und kontrollierte verdächtige Gepäckstücke in der Umgebung.

Premier und Präsident verurteilen Anschlag
Staatspräsident Abdullah Gül und Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan verurteilten den Anschlag auf das Schärfste. "Mit dem Töten unschuldiger Menschen und mit Terrorismus können keine Ziele erreicht werden", erklärte Gül. "Diese Anschläge zeigen, wie unmenschlich und armselig die Urheber sind."

Erdogan beschuldigt indirekt PKK
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat Rebellen der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) indirekt mit dem schweren Bombenanschlag in Verbindung gebracht. Der Preis für die türkischen Militäreinsätze wiege schwer, sagte Erdogan am Montag in Istanbul. Die Bombenexplosionen vom Sonntagabend seien ein Beispiel dafür. Dabei habe es sich um "Propaganda" von Rebellen gehandelt, sagte Erdogan, ohne die PKK beim Namen zu nennen. "Wir kämpfen seit 30 Jahren gegen den Terrorismus", fügte er hinzu.

Wird Regierungspartei AKP verboten?
Die Detonationen ereigneten sich nur Stunden vor Beginn der Beratungen des Verfassungsgerichts über ein mögliches Verbot der Regierungspartei AKP. Das Verfahren hat die Türkei in den vergangenen Monaten zutiefst gespalten. Zunächst bekannte sich niemand zu dem folgenschwersten Anschlag in dem Land seit 2003. In der Vergangenheit haben kurdische Separatisten, linksextremistische Gruppen und Islamisten Anschläge in Istanbul verübt. Der stellvertretende Ministerpräsident Hayati Yazici erklärte, es habe sich um einen Terroranschlag gehandelt, es sei jedoch noch unklar, wer das Attentat verübt habe.

PKK wird verdächtigt
Laut NTV vermutet die Polizei die PKK hinter der Tat. Die Polizei werde die Aufnahmen von Überwachungskameras auswerten, sagte der Gouverneur Güler. In Istanbul wurden bereits mehrere Attentate der PKK zugeschrieben, die seit 1984 für die Unabhängigkeit des Kurdengebietes kämpft. In dem Konflikt kamen bisher mehr als 37.000 Menschen ums Leben. Die türkische Regierung geht gegen die kurdischen Rebellen auch im Nachbarland Irak vor. Erst in der Nacht auf Sonntag griff die türkische Luftwaffe Stellungen von PKK-Rebellen im Nordirak an. Zuvor hatte die türkische Armee in der Nacht auf Donnerstag PKK-Stellungen im Irak beschossen.

2003: 57 Tote in Istanbul
Die türkische Wirtschaftsmetropole war zuletzt 2003 von einer Serie schwerer Anschläge erschüttert worden. Bei Selbstmordattentaten auf zwei Synagogen, das britische Konsulat und auf eine britische Bank in Istanbul wurden insgesamt 57 Menschen getötet. 2006 kam bei einer gegen Polizisten gerichteten Bombenexplosion in einem Internetcafé ein Mensch ums Leben, 16 weitere wurden verletzt. Anfang Juli schließlich eröffnete eine Gruppe Bewaffneter, die Verbindungen zur Terrororganisation Al Kaida gehabt haben sollen, das Feuer auf Wachleute des US-Konsulats. Drei Beamte und drei der Angreifer wurden getötet.

Die innenpolitische Lage in der Türkei ist derzeit angespannt: Am Freitag gab die türkische Justiz grünes Licht für einen Prozess gegen 86 mutmaßliche Mitglieder einer nationalistischen Verschwörung, die einen Putsch gegen die Regierung in Ankara geplant haben sollen. Ab dem heutigen Montag entscheidet das türkische Verfassungsgericht zudem über ein Verbot der Regierungspartei AKP von Ministerpräsident Erdogan. Der AKP droht wegen angeblicher islamistischer Tendenzen die Auflösung, zugleich fordert die Generalstaatsanwaltschaft ein fünfjähriges politisches Betätigungsverbot für Erdogan, Staatspräsident Gül sowie andere führende AKP-Politiker.

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