Pauli sorgt erneut mit Fotos für Aufsehen

Vor Parteitag

Pauli sorgt erneut mit Fotos für Aufsehen

Es könnte ihr letzter großer Auftritt werden. Gabriele Pauli will am 29. September gegen ihre Parteifreunde Horst Seehofer und Erwin Huber für den CSU-Parteivorsitz kandidieren. Mit anhaltender und lauter Kritik hatte die Fürther Landrätin den Sturz von Edmund Stoiber eingeleitet, nun möchte sie ihn sogar beim CSU-Vorsitz beerben. Mit ihrer überraschenden Kandidatur hat sie ihren Parteikollegen beim geplanten Männerduell noch einmal kräftig dazwischengefunkt.

Aufsehen um neue Bilder
Nun hat sie mit einer neuen Kampagne für Aufsehen gesorgt: Für die Illustrierte "Bunte" ließ sich die Kandidaten ablichten - dabei trägt sie offenbar nichts außer einer weiß-blauen Fahne. Um ihren Hals blinkt türkiser Schmuck. Die Bayern fragen sich jetzt: Kann man so Partei-Chefin werden?

bunte_gross © Bunte

(c) Bunte

Landratsrätin mit 32
"Das gab's ja wohl noch nie, dass jemand antritt, der nicht zu dieser Ebene der Minister und Ministerpräsidenten gehört", sagt Pauli mit stolzem Unterton. Mit der Rolle der Pionierin fühlt sich die 50-Jährige vertraut. Mit 32 trat sie als CSU-Landratskandidatin im Landkreis Fürth an. Pauli gewann die SPD-Hochburg, wurde jüngste Landrätin Deutschlands und zuletzt mit über 65 Prozent wiedergewählt. Als zweifach Geschiedene und allein erziehende Mutter einer heute 20-jährigen Tochter spiegelt Pauli nicht das konservative Familienbild der CSU wider, schaffte es aber trotzdem in den Parteivorstand.

"Spitzelaffäre machte sie bekannt"
Bis vor einigen Monaten kannte sie über Fürth hinaus kaum jemand. Doch dann startete die Landrätin im November ein Internetforum, in dem sie die Ablösung von Parteichef Stoiber forderte. Die so genannte "Spitzelaffäre" läutete schließlich Paulis Aufstieg zum gefragten Mediengast ein. Mit dem Vorwurf, Stoibers Büroleiter habe ihr Privatleben aushorchen wollen, gab sie den Anstoß für den Sturz des Ministerpräsidenten und einen totalen Machtwechsel in der CSU.

Wird sie die Königsmörderin?
Doch Pauli haftete der Ruf der Königsmörderin an, sie war bei ihren Parteifreunden nicht mehr wohl gelitten. Auf dem Politischen Aschermittwoch in Passau empfing sie ein gellendes Pfeifkonzert der Stoiber-Anhänger. Kurz darauf machte die Landrätin abseits der politischen Bühne Furore. Für ein Magazin ließ sie sich im Domina-Stil mit Latexhandschuhen und aufgemalter Gesichtsmaske ablichten und lieferte damit eine Steilvorlage für ihre Gegner. "Das waren schöne Modefotos, die aber in einem völlig anderen Zusammenhang gebracht wurden", sagt sie.

Entgegen vorheriger Beteuerungen erklärte Pauli im Frühjahr, sie werde nicht mehr als Landrätin kandidieren: "Ich bin bereit fürs Kabinett", verkündete sie stattdessen. Doch Stoibers designierter Nachfolger als Ministerpräsident, Günther Beckstein, stellte umgehend klar, in seinem Kabinett sei kein Platz für Pauli. Im Juli legte diese nach und verkündete völlig überraschend ihre Kandidatur für den CSU-Vorsitz. Ihr Ziel sei mehr interne Mitbestimmung und ein moderneres Familienbild der CSU, sagt sie. "Die Prozentzahl, die ich erreiche ist nicht das Wichtige, sondern dass ich inhaltlich was erreiche."

Promovierte Politologin
Zu ihren Zukunftsplänen im Fall einer Niederlage hält sich Pauli bedeckt. Als Leiterin eines Verlages stellte die Betriebswirtin bereits ihr geschäftliches Geschick unter Beweis. Ihre Dissertation schrieb die promovierte Politologin 1986 über "Öffentlichkeitsarbeit politischer Parteien am Beispiel der CSU". "Meine Priorität liegt im politischen Bereich, eine andere Möglichkeit wäre in der freien Wirtschaft", sagt Pauli. Einen Parteiwechsel kann sie sich aber nicht vorstellen. "Das kommt nicht in Frage, weil ich meine Möglichkeiten in der CSU sehr viel wirkungsvoller einschätze."

Gut in Erinnerung ist ihr noch die Rückzugsankündigung Stoibers. "Ich hab das im Autoradio gehört und ihn eine Stunde später getroffen. Dieser Tag hatte eine gewisse Dramaturgie", erzählt Pauli. "Ich kam mir involviert in historisches Geschehen vor."

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