US-Truppen werden aufgestockt

Afghanistan

US-Truppen werden aufgestockt

US-Präsident Barack Obama ist nach Informationen der "Washington Post" im Begriff, die Truppen in Afghanistan stillschweigend aufzustocken. Er habe die Entsendung von mindestens 13.000 weiteren Soldaten angeordnet, worüber öffentlich nicht gesprochen werde, berichtete das Blatt unter Berufung auf Pentagon-Insider. Dabei gehe es um Unterstützungstruppen, also Ingenieure, medizinisches Personal und Geheimdienstexperten, die nicht zu den Kampftruppen zählen.

Damit habe Obama seit seinem Amtsantritt im Jänner rund 34.000 zusätzliche Soldaten an den Hindukusch in Marsch gesetzt. Bis Ende des Jahres sollen dort rund 68.000 US-Soldaten stationiert sein, schrieb die Zeitung am Dienstag.

189.000 Soldaten im Einsatz
Das Weiße Haus und das Pentagon haben in der Vergangenheit öfter größere Truppenverlegungen verschwiegen. Obamas Amtsvorgänger George W. Bush nannte bei einer Truppenaufstockung im Irak nur die 20.000 Kampftruppen und sparte die rund 8000 unterstützenden Einheiten aus. Obama arbeitet derzeit an einer neuen Afghanistan-Strategie. US-Oberbefehlshaber General Stanley McChrystal forderte kürzlich die Entsendung von bis zu 40.000 zusätzlichen Soldaten. Derzeit sind laut "Washington Post" rund 65.000 US-Soldaten in Afghanistan und etwa 124.000 im Irak stationiert.

Nach Einschätzung von US-Verteidigungsminister Robert Gates ist das Erstarken der Taliban vor allem auf einen Mangel an ausländischen Truppen zurückzuführen. "Wegen unseres Unvermögens und, ehrlich gesagt, auch wegen des Unvermögens unserer Alliierten, ausreichend Truppen in Afghanistan einzusetzen, scheinen die Taliban nun ihre derzeitige Schlagkraft zu haben", sagte Gates in einem CNN-Interview. McChrystal hatte in seiner jüngsten Lageeinschätzung ein düsteres Bild gezeichnet und davor gewarnt, dass ohne zusätzliche Soldaten eine Niederlage gegen die Taliban drohen könnte.

Japan stoppt Unterstützung
Japans neue Regierung will die logistische Unterstützung des US-geführten Einsatzes in Afghanistan im Jänner beenden. Verteidigungsminister Toshimi Kitazawa wurde am Dienstag von einem Ministeriumsmitarbeiter mit den Worten zitiert, das entsprechende Mandat für den Einsatz laufe Anfang nächsten Jahres aus, und Japan werde sich dann zurückziehen. Japan betankt derzeit im Indischen Ozean US-Schiffe und andere Marineeinheiten; eine Beteiligung an Kampfhandlungen in Afghanistan ist dem Land aufgrund seiner pazifistischen Nachkriegs-Verfassung nicht möglich.

Grundlage für den bisherigen Einsatz ist ein im Oktober 2001 verabschiedetes Anti-Terror-Gesetz, das Japans Militär erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg die Teilnahme an militärischen Aktionen im Ausland erlaubt. Auf Basis dieses Gesetzes entsandte Japan Marineschiffe in den Indischen Ozean, um die internationalen Truppen im Anti-Terrorkampf in und um Afghanistan logistisch zu unterstützen.

16 Menschen entführt
Im Norden Afghanistans haben Taliban-Kämpfer nach offiziellen Angaben am Dienstag 16 Menschen entführt. Nach Polizeiangaben stürmten Rebellen in der Nacht zunächst eine Klinik in der Provinz Sar-i-Pul und brachten acht Mitarbeiter in ihre Gewalt. Unter den Entführten seien auch mehrere Frauen. Bei einem zweiten Überfall griffen Taliban-Kämpfer eine Polizeiwache an und entführten acht Polizisten.

Mitglied der Wahlprüfungskommission tritt zurück
Wenige Tage vor der erwarteten Kundmachung des Ergebnisses der umstrittenen Präsidentenwahl in Afghanistan ist ein Mitglied der Wahlprüfungskommission zurückgetreten. Nach seiner Überzeugung mische sich das Ausland in die Arbeit des Gremiums ein, sagte am Montag Mustafa Baraksai, einer der beiden afghanischen Vertreter in der Kommission. Ohne diese Einflussnahme hätte sich das Endergebnisses nicht verzögert, begründete er seine Einschätzung. Ähnlich hatte sich Präsident Hamid Karzai geäußert, als dessen Unterstützer Baraksai gilt.

Die Wahlprüfungskommission änderte unterdessen zum zweiten Mal innerhalb weniger als einer Woche ihre Regeln zur Gewichtung mutmaßlich manipulierter Stimmen. Anders als zwischenzeitlich geplant solle bei der Auszählung nicht berücksichtigt werden, welcher Kandidat am stärksten von Unregelmäßigkeiten profitiere. Damit kehrte die Kommission zu ihrem ursprünglichen Regelwerk zurück, das Kritik ausgelöst hatte, weil es Amtsinhaber Karzai zugutekommen könnte. Die Wahlaufseher hatten die Neuauszählung etwa eines Viertels aller Stimmzettel angeordnet; von den beanstandeten Voten entfielen rund 75 Prozent auf Karzai. Nach Einschätzung von EU-Beobachtern könnten etwa 1,5 Millionen der Stimmen gefälscht gewesen sein.

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