Zwei Tote bei Explosion in Pristina

Kosovo

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Zwei Tote bei Explosion in Pristina

Nach einer Sprengstoffexplosion in Pristina in den frühen Morgenstunden befindet sich eine weitere Person in Lebensgefahr. Dies berichtete die kosovo-albanische Presseagentur "Kosovolive" unter Berufung auf Krankenhauskreise. Bei der Detonation in einem Cafe kurz nach zwei Uhr früh waren zwei Personen getötet worden, die Verwundetenzahl wird inzwischen mit zwölf angegeben. Die Kosovo-Polizei bestätigte, dass es sich um einen Sprengsatz handelte. Sie vermutet einen kriminellem Hintergrund, hatte zunächst aber keine konkreten Hinweise auf Täter und Motiv.

Die starke Explosion auf dem zentralen Bill Clinton-Boulevard durch einen Sprengsatz ereignete sich um 02.30 Uhr, als noch einige Cafes und Restaurants in der Hauptstadt der südserbischen Provinz Kosovo geöffnet waren. Laut Polizeisprecher Veton Elshani wurden zwei Menschen von einer einstürzenden Wand getötet, ein herabfallender Betonblock verletzte Zwölf weitere. Mehrere Gebäude in dem Geschäftsviertel wurden beschädigt, ein zweistöckiges Geschäftszentrum stürzte zum Teil ein. Explosionsexperten der internationalen Schutztruppe KFOR untersuchten die Stelle, die unmittelbar nach der Explosion von Polizei und KFOR abgeriegelt worden war.

Wegen der angespannten politischen Lage war ein Attentat von radikalen Gruppen, die die Unabhängigkeit der Provinz von Serbien vorantreiben wollen, nicht ausgeschlossen worden. Die Polizei geht mittlerweile aber eher von kriminellen Motiven aus. Medien schlossen eine Abrechnung in der Unterwelt nicht aus. Mehrere Lokale in dem Geschäftsviertel gehören Enver Sekiraqa, einem der Unterweltbosse im Kosovo. Die Polizei ist seit einem Monat vergeblich bemüht, den Sekiraqa ausfindig zu machen, um ihn im Zusammenhang mit einem Polizistenmord zu verhören. Die Tat wird einem seiner Mitarbeiter angelastet.

Unter UN-Verwaltung
Der Kosovo wird seit dem Krieg 1999 von den Vereinten Nationen verwaltet und leidet unter Kriminalität und Korruption. Die Spannungen wegen der ungelösten Frage der Zukunft der Provinz haben jüngst zugenommen. In den letzten drei Jahren hat es in Pristina zwar mehrfach kleinere Sprengstoffattentate gegeben, aber selten mit Todesopfern.

Die Bevölkerungsmehrheit im Kosovo stellen die ethnischen Albaner. Sie streben einen eigenen Staat an, was Serbien mit Unterstützung der UNO-Vetomacht Russland strikt ablehnt. Belgrad will eine weitgehende Autonomie gewähren. Sollte die von der EU, den USA und Russland vermittelte neue Gesprächsrunde zwischen Belgrad und Pristina bis zum 10. Dezember ergebnislos bleiben, haben die Kosovo-Albaner eine einseitige Unabhängigkeitserklärung angekündigt. Für Freitag sind in New York direkte Gespräche zwischen Vertretern Serbiens und der Kosovo-Albaner über die Zukunft der Provinz geplant.

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