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Das Ehepaar Fritzl hatte laut Verwandten seit 20 Jahren keinen Sex mehr miteinander. Wie sehr lebten sie sonst aneinander vorbei?

Jeden Tag melden sich mehr Inzest-Opfer bei ÖSTERREICH und erzählen zu den Schlagzeilen über Josef Fritzl ihr eigenes Schicksal. Alle leiden bis heute unter den Sexattacken in der Kindheit – auch wenn der Missbrauch durch den Vater schon Jahrzehnte zurückliegt. Und alle sind sich aus Erfahrung sicher: „Die Ehefrau und Mutter weiß meist Bescheid.“

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Angst
Doch die Betroffenen würden schweigen und Beobachtungen verdrängen. Weil sie dem Gemahl finanziell ausgeliefert sind und um ihre Existenz fürchten. Weil sie den Skandal und die Nachrede der Nachbarn nicht ertragen können. Und weil sie sich selbst nicht eingestehen wollen, dass sie ein Monster geheiratet haben.

Im Inzest-Fall von Amstetten blockte Chefermittler Oberst Franz Polzer bisher einschlägige Nachfragen ab: „Es gibt kein Indiz dafür, dass Fritzls Ehefrau R. vom Verlies in ihrem Haus was wusste.“

Hinweise
Nach neuen Hinweisen wachsen trotzdem der Verdacht und die Sehnsucht nach Antworten auf einfache Fragen wie: Wie kann ein Ehemann vier Personen im Keller heimlich ernähren? Wie beschafft er unbemerkt Babynahrung und Windeln? Wie bringt er immer anstandslos ihren Müll weg? Und: Denkt sich eine Frau nichts, wenn ihr Mann täglich im Keller verschwindet und ihr den Zutritt verwehrt?

Ex-Hausbewohner
Bedenken lassen auch die Schilderungen der Ex-Mieter des Hauses aufkommen, wie etwa Josef Leitner: „E. ist mit einer Freundin von mir ausgerissen, weil sie von ihrem Vater vergewaltigt wurde.“ Leitner berichtet auch von merkwürdig hohen Stromrechnungen und dass sein Hund sich in der Nähe des Kellers seltsam benommen hätte. Das habe zum Steit mit Fritzl und zum Rausschmiss Leitners geführt. Gattin R. hat das offenbar nicht stutzig gemacht.

Weiterer Nachbar
Alfred Dubanovsky war mit Inzest-Opfer E. in jungen Jahren befreundet und beobachtete am Tatort Erstaunliches.

ÖSTERREICH: Sie kennen das Inzest-Opfer?

Alfred Dubanovsky: Ja, wir sind gleich alt, in der Schule war sie in der Parallelklasse.

ÖSTERREICH: Fiel Ihnen damals an E. was auf?

Alfred Dubanovsky: Sie hat oft gesagt, sie hält es daheim nicht mehr aus. Ihr Vater tue ihr weh und sie habe Angst vor ihm. Heute weiß ich, dass sie schon als Kind vergewaltigt wurde.

ÖSTERREICH: Sie haben dann zwölf Jahre als Mieter im Horrorhaus gelebt. Ist Ihnen nichts aufgefallen?

Alfred Dubanovsky: Im Rückblick sind viele Dinge seltsam. Zum Beispiel hat Hausherr Fritzl zu allen Mietern gesagt: „Der Keller ist tabu. Wer da runtergeht, kann gleich ausziehen.“ Manchmal hörte ich ein Klopfen da unten. Aber der Fritzl hat gesagt, das ist die Heizung. Und komisch war auch: Er hat Lebensmittel mit dem Schubkarren in den Keller gebracht. Und seine Frau hat ihm oft dabei geholfen.

ÖSTERREICH: Sie glauben, die Mutter hat was gewusst?

Alfred Dubanovsky: Da bin ich mir fast sicher. Die waren auch getrennt auf Urlaub. Einer war immer da. Komisch für ein Ehepaar – oder?

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