oe24.TV-Interview

AKH-Top-Arzt: Uni-Budget ist "Katastrophe für die Bevölkerung"

Mann im Anzug und mit Brille in einem Fernsehstudio vor Stadt- und Digitalhintergrund.
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AKH-Top-Arzt Shahrokh Shariat im oe24.TV-Interview.
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Uni-Sparpaket: AKH-Professor Shahrokh Shariat im Interview


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Am Wochenende einigte sich die Regierung auf das Uni-Budget für die Jahre 2028 bis 2030. Rechnet man die Inflation ein, wird der Sparstift ordentlich angesetzt. Top-Arzt Shahrokh Shariat - er ist Leiter der Urologie und Chef des Comprehensive Cancer Center im AKH - warnt im oe24.TV-Interview mit Politik-Chefredakteurin Isabelle Daniel vor dem "Katastrophenbudget". Alleine am AKH werden geschätzt 170 Ärzte gehen müssen.

oe24.TV: Herr Shariat, wie sehen Sie die 16 Milliarden, auf die sich jetzt die Regierung geeinigt hat?

Shahrokh Shariat: Es ist nicht ganz klar, wie sie auf die Zahl 16 Milliarden und auf die Aussage, dass es nominell keine Kürzungen gibt, kommen. Denn es gibt in fact eine Kürzung. Es sind verschiedene Budgets, die gar nicht in diesem Universitätsbudget waren, die jetzt in dieses Budget reingekommen sind. Das sind ungefähr 200 Millionen für das interuniversitäre Projekt und Ärztegehälter, die sie jetzt reingegeben haben. Das heißt, 400 Millionen hier, 500 Millionen sind irgendwie aus der Rechnung verschwunden. Also eine Milliarde ist eigentlich nominell gekürzt worden. Dazu muss man noch rechnen, dass wir von der WIFO eine Prognose der Inflation haben, ungefähr 10 Prozent über die nächsten drei Jahre. Das heißt, im Grunde haben wir 10 bis 15 Prozent Kürzung des Budgets. Das ist natürlich ein Katastrophenbudget für die universitäre Landschaft für Österreich.

oe24.TV: Bedeutet das Budget auch eine Katastrophe für das AKH? Weil die MedUni Wien ist eigentlich der Arbeitgeber der AKH-Ärzte.

Shariat: Ja, also es hat auf vielen Ebenen einen Impact. Wenn Österreich weiterhin kompetitiv, progressiv und zukunftsorientiert sein will, dann ist es die Verantwortung der Politiker, das Budget mit Augenmaß anzuschauen und das fair zu verteilen. Aber vor allem die Investitionen in die Ausbildung und die Bildung zu lassen. Das ist nämlich die Zukunft, die nächste Generation. Forschende werden woanders hingehen, Forschende werden nicht kommen. Viele Absagen sind schon passiert.

oe24.TV: Es gibt jetzt schon Absagen?

Shariat: Ja, weil die wissen, dass das Budget nicht eingehalten werden kann. Manche Universitäten haben schon einen Aufnahmestopp gemacht, weil sie Angst vor diesem Budget haben und den Folgen dieses Budgets. Wir können gar nicht die Gelder, die in der EU sind - die Fördermittel - abholen. Ein Teil muss ja die Universität mitzahlen, wenn sie ein Förderungsmittel bekommt in der EU.

oe24.TV: Vor dem Sommer hat MedUni-Wien-Rektor Markus Müller hier im Studio gesagt, dass 200 Ärzte eingespart werden müssten, sofern das ursprüngliche Budget gekommen wäre.

Shariat: Bei allen medizinischen Universitäten wird ein Großteil ihres Budgets - das Personalbudget - vom Universitätsbudget getragen. Das heißt, an der MedUni Wien zum Beispiel haben wir 1.600 bis 1.700 Ärzte. Und diese Ärzte werden vom universitären Budget bezahlt - und das fällt jetzt weg. Das heißt, ungefähr 10 bis 15 Prozent unserer Ärzte müssen wir entlassen oder nicht nachbesetzen. Geschätzt wird, dass es 170 Ärzte weniger werden - plus 500 Nicht-Ärzte. Das sind die Lehrenden, Staff und Forscher, die wegfallen.

oe24.TV: Und wie steht's um die Patientenversorgung?

Shariat: Die MedUni Wien, genauso wie die MedUni Graz, MedUni Innsbruck und andere Unis, sind das Zentrum einer komplexen Patientenbetreuung. Das heißt, das wird wegfallen oder weniger werden, die Wartezeiten werden länger werden.

“Das ist eine Katastrophe für die Bevölkerung”

Shahrokh Shariat

oe24.TV: Noch länger.

Shariat: Ja, noch länger - leider. Und das ist eine Katastrophe für die Bevölkerung.

oe24.TV: Viele in der Politik sagen jetzt im Hintergrund, dass man halt Leute vom AKH weg in die WIGEV-Spitäler, also dem Wiener Gesundheitsverbund, bringt. Ist das überhaupt möglich? Die sparen ja auch.

Shariat: Also ich glaube nicht, dass das Budget dort besser ist und dass sie Platz haben, mehr Ärzte aufzunehmen. Und was sie machen werden, ist genau das, was wir nicht machen sollten. Die werden dann Wahlärzte werden, in Privatkliniken arbeiten. Oder, noch viel schlimmer, die gehen ins Ausland. Unsere Top-Ärzte werden einfach ins Ausland gehen, weil sie keine Zukunft sehen. Die neue Generation wird sich in der Schweiz, in Deutschland, in anderen Ländern Arbeit suchen. Wir werden sie hier ausbilden und dort werden sie arbeiten.

“Wir werden sie hier ausbilden und arbeiten werden sie im Ausland”

Shahrokh Shariat im oe24.TV-Talk

oe24.TV: Wird es einen Ärztemangel geben?

Shariat: Es wird auf jeden Fall einen Ärztemangel geben im Bereich der Universitäten und Krankenhäuser.

oe24.TV: Wird das das Problem der Zweiklassen-, Dreiklassenmedizin weiter verschärfen?

Shariat: Schauen Sie, wenn Sie 10 bis 15 Prozent der Ärzte und das Staff rundherum nicht nachbesetzen, wird die Arbeitslast für die anderen, die schon eine hohe Arbeitslast haben und in den Universitäten schon mehr Stunden arbeiten als in irgendeinem anderen Setting, die werden dann sagen: Genug ist genug. Das System unterstützt mich nicht bei der Arbeit, die ich für die Gesellschaft machen möchte und gerne mache. Dieser Altruismus hat auch dann ein Ende.

oe24.TV: Wie viel Budget bräuchten Sie, damit man zumindest den Status quo erhalten kann?

Shariat: Alle Finanzverantwortlichen und die Rektoren haben sich zusammengesetzt und haben wirklich ein sehr sensibles, durchdachtes und sparendes Budget gemacht. Ohne Wachstum. Null Wachstum. 18 Milliarden.

oe24.TV: Also fehlen zwei Milliarden.

Shariat: Genau. Und ein Teil der Ärztegehälter wurde aus einem anderen Topf bezahlt. Das heißt, es fehlen noch mehr. Und das ohne Augenmaß. Wo wurde sonst so eingespart? Sie versuchen, das ganze Budget durch die Zukunft unserer Gesellschaft zu sanieren.

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