ORF-Knaller

Kopftuch-Streit in der ZIB2 mit Alice Schwarzer

Eine ältere Frau mit blondem Haar blickt lächelnd aus einem Fenster, sanftes Licht fällt auf ihr Gesicht.
© APA/AFP/JOHANNES EISELE
In der ZIB2 sagt die langjährige EMMA-Chefin Alice Schwarzer, dass sich manche Feministen nennen, das aber nicht seien. Eine Diskussion über das Kopftuch dominiert die Sendung.
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In der ZIB2 fragt Moderatorin Margit Laufer ihren Stargast Alice Schwarzer(83) : "Ihnen war die individuelle Freiheit der Frau wichtig. Waren Sie beim Kopftuch zu wenig liberal, wenn es um dieses Verbot geht?"

"Ich pfeif darauf, liberal zu sein", antwortet Schwarzer. "Es gibt existenzielle Fragen, in denen man sich klar verhalten muss. Wie kann man als Feministin behaupten, eine Frau müsse ihr Haar verhüllen und sonst stürzen sich die Männer wie wilde Tiere auf sie. So etwas kann eine wahre Feministin nicht sagen."

Sie sei 1979 im Iran gewesen, dort sei sie dem Hilferuf von Iranerinnen gefolgt. Damals wurden Frauen aus Universitäten und von den Straßen verjagt mit den Worten: "Zieht euch erst einmal anständig an."

Im ORF hält die Moderatorin dagegen: "Es ist doch die selbstbestimmte Entscheidung, wie eine junge Muslima ihre Religion lebt."

Schwarzer antwortet: "Das Kopftuch ist keine religiöse Frage, sondern eine patriarchale Tradition."

"Sogar oberste Ayatollahs in Kairo sagen, dass Kopftuch hat nichts mit der Religion zu tun", setzt sie nach. Wenn eine junge oder alte Frau das sagten, seien sie auf dem falschen Weg.

"Ich bin solidarisch mit Millionen Frauen in islamischen Ländern, die gezwungen werden, das Kopftuch zu tragen", sagt Schwarzer. "Deshalb bin ich gegen diese Propaganda für das Kopftuch."

Die letzte EMMA

Alice Schwarzer stellt nach 50 Jahren ihr feministisches Magazin "Emma" ein. Die Ausgabe vom 8. Dezember werde die letzte sein, teilte die Frauenrechtlerin mit.

Die Zeitschrift "Emma" mit Titelbild einer Frau liegt in einem Zeitschriftenregal im Geschäft aus.
Die Zeitschrift ´Emma» wird in einem Geschäft verkauft. Vor knapp 50 Jahren erschien die erste ´Emma» - gegründet von A. Schwarzer. Jetzt kündigt die Frauenrechtlerin das Aus ihrer Zeitschrift an. © APA/dpa/Sina Schuldt

Wirtschaftliche Gründe seien dabei nicht ausschlaggebend. "Sicher, auch unsere Auflage sinkt. Aber unsere Einnahmen decken immer noch die Ausgaben", versicherte Schwarzer in einer Erklärung. "Nein, wir gehen, weil wir meinen: Es reicht!"

"Emma" habe über drei Generationen hinweg die Stellung gehalten und "gegen so manchen Unsinn im Namen des Feminismus" Position bezogen. "Also gestattet: Jetzt sind wir ermattet."

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