Wiener Werk könnte Nutznießer sein

Magna präzisiert Pläne für Jobabbau bei Opel

Die Magna-Pläne für den Stellenabbau in Deutschland sehen allein am Opel-Stammsitz in Rüsselsheim den Wegfall von 1.817 Arbeitsplätzen vor. Insgesamt sollen in Europa 10.560 Stellen wegfallen, davon 4.500 bei Opel in Deutschland.

Unter den deutschen Werken sei Bochum am stärksten betroffen. Dort sei der Abbau von 2.045 Jobs geplant. Das Werk Eisenach bleibe von Stellenstreichungen verschont, da Produktionskapazitäten aus dem spanischen Saragossa nach Thüringen verlagert würden. Das Powertrain-Werk in Wien-Aspern könnte laut früheren Informationen Nutznießer von Verlagerungen sein und 300 Stellen aufbauen.

Opel-Betriebsrat lehnt Planzahlen ab

Unmittelbar vor den Verhandlungen um den Stellenabbau beim kriselnden Autohersteller Opel am Montag (21. September) hat der Betriebsrat die Planungen von Magna abgelehnt. "Das sind Planzahlen, die wir so nicht akzeptieren. Wir machen solche Rechnungen nicht auf", sagte der Chef des Europäischen Arbeitnehmerforums bei Opel, Klaus Franz, über die konkreten Streichpläne, die bereits für jedes Werk vorliegen sollen.

Der Betriebsratschef, der sich in den vergangenen Monaten für den Einstieg des austro-kanadischen Autozulieferers Magna mit seinen russischen Partnern stark gemacht hatte, warb erneut für eine gesamteuropäische Lösung des notwendigen Kapazitätsabbaus. "Die Produktionsvolumen und auch die zu tragenden Lasten müssen gerecht auf die europäischen Werke aufgeteilt werden."

Die Arbeitnehmervertreter aus den europäischen Opel-Werken treffen am Montag in Rüsselsheim mit Opel- und Magna-Managern zusammen, um über die Zukunft des Autoherstellers "New Opel" zu verhandeln. Beteiligt sind laut Franz Gewerkschaften aus England und Deutschland. Bei den Verhandlungen geht es unter anderem um das industrielle Konzept, die Verteilung der Produktion, die Sanierungsbeiträge der einzelnen Werke und die Abwicklung des Stellenabbaus.

Magna und die russische Sberbank wollen jeweils 27,5 Prozent an Opel übernehmen. Der bisherige Eigentümer GM will 35 Prozent behalten. 10 Prozent sollen an die Mitarbeiter gehen, die dafür Sanierungsbeiträge bringen müssen.

Sberbank will Technologie

Die russischen Magna-Partner pochen unterdessen auf einen Zugriff auf die Technologie des deutschen Autobauers. Ohne einen Transfer des technischen Wissens nach Russland sei das Geschäft wertlos, betonte Sberbank-Chef German Gref am Samstag am Rande einer Wirtschaftskonferenz in Sotschi. "Wenn es keinen Import der Technologien gibt, dann würde das bedeuten, dass die Vereinbarung reine Zeitverschwendung ist."

Die staatlich kontrollierte Bank steigt gemeinsam mit dem kanadischen Zulieferer bei Opel ein. Der bisherige Mutterkonzern General Motors hat Verhandlungskreisen zufolge bei der Zusage an das Konsortium den Technik-Transfer eingeschränkt.

Demonstration in Spanien

Tausende Menschen haben am Samstag (19.9.) in Saragossa gegen den möglichen Stellenabbau bei Opel in Spanien protestiert. Die Demonstranten forderten den Erhalt des Werkes im nahe gelegenen Figueruelas und drohten mit einem Streik. Zu der Kundgebung in der Stadt im Nordosten Spaniens hatten die Gewerkschaften CCOO und UGT nach dem vereinbarten Verkauf des Autobauers an den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna aufgerufen.

Sie befürchten, dass in Figueruelas rund 1.650 der insgesamt 7.500 Jobs gestrichen werden. An der Demonstration nahmen auch Vertreter der Regierung der Region Aragonien teil. Zwischenfälle gab es nach Polizeiangaben nicht.

Die Gewerkschaften in Spanien hatten einen Verkauf von Opel an den belgischen Finanzinvestor RHJI befürwortet, weil dessen Pläne weniger Stellenstreichungen in ihrem Land vorsahen. Nach ihren Angaben ist der spanische Opel-Standort, an dem die Modelle Corsa und Meriva montiert werden, der rentabelste und produktivste des Unternehmens in Europa.

Von dem Werk hängen indirekt weitere rund 13.000 Arbeitsplätze ab. Die spanische Regierung hatte im Streit um die Opel-Rettung Berlin scharf kritisiert und eine genaue Prüfung der deutschen Hilfen durch die EU-Kommission gefordert.