Wiedeking

Porsche-Chef Wiedeking könnte VW zum Opfer fallen

Nach monatelangem Machtkampf von Porsche und VW zeichnet sich eine Niederlage von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking ab. Finanzkreisen zufolge steht der seit 17 Jahren amtierende Porsche-Lenker vor der Ablösung. Die Gespräche der Porsche-Eigentümerfamilie mit Wiedeking lägen in den allerletzten Zügen, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person.

Auch das "Handelsblatt" berichtete, die Familie und Wiedeking seien sich grundsätzlich über eine Ablösung einig, die dem Manager aufgrund seines noch bis 2012 laufenden Vertrages mit einer millionenschweren Abfindung versüßt werden solle. Damit hätte VW-Patriarch Ferdinand Piech seinen Widersacher ausgebremst.

Bereits in den vergangenen Tagen war aus dem Porsche-Umfeld verlautet, Wiedeking könne dem Machtkampf mit VW zum Opfer fallen. "Es kommt der Punkt, wo sein Verbleib mehr Schaden anrichtet als sein Ausscheiden", hatte eine mit der Situation vertraute Person gesagt. Wiedeking und Porsche-Finanzchef Holger Härter haben in den vergangenen dreieinhalb die Übernahme der Stimmrechtsmehrheit bei VW betrieben. Sie scheiterten aber wegen finanzieller Engpässe und des VW-Gesetzes mit ihrem Plan, Europas größtem Autobauer einen Beherrschungsvertrag aufzuzwingen. Am Donnerstag (23. Juli) kommt der Porsche-Aufsichtsrat zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, dabei könnte Wiedeking seine Papiere erhalten.

Bei dem Treffen sollen die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Porsche beharrt darauf, dass Wiedeking den Aufsehern als Vorstandschef sein Konzept zur Entschuldung des Unternehmens vorstellen werde. Dabei gehe es um einen Einstieg des Emirats Katar bei Porsche über eine Kapitalerhöhung und die Übernahme von VW-Optionen durch Katar. Insgesamt wolle Katar dafür rund sieben Milliarden Euro auf den Tisch legen.

Katar vor allem an VW interessiert

Finanzkreisen zufolge ist das Emirat jedoch vor allem an VW interessiert. "Das ist ganz überwiegend ein VW-Investment", sagte eine mit den Plänen vertraute Person. Zur Finanzierung bemüht sich der Golfstaat auch um Milliardenkredite, um das Eigenkapital zu schonen. Unter Führung von VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Miteigner Piech betreibt VW seinerseits seit Monaten die Übernahme von Porsche. Der VW-Aufsichtsrat tagt am Donnerstag wenige Stunden vor Porsche ebenfalls in Stuttgart.

Um eine Lösung im Machtpoker zu erreichen, ist Finanzkreisen zufolge die Personalie Wiedeking mitentscheidend. Wie schnell mit Wiedeking eine Einigung über seinen Abgang und die letzten verbliebenen Hürden erzielt werden könne, sei noch offen, hieß es. Mit der Situation vertrauten Personen zufolge zeichnet sich bei den Familieneigentümern eine Mehrheit für den Einstieg von VW und damit eine Niederlage Wiedekings ab. "Der Deal ist noch nicht in trockenen Tüchern", sagte eine andere mit den Verhandlungen vertraute Person. Daher sei noch offen, ob auf der Porsche-Aufsichtsratssitzung überhaupt ein Durchbruch gelingen werde. In der kommenden Woche kommen die Porsche-Aufseher nochmals zu einer regulären Sitzung zusammen. Dort könnte ein weiterer Anlauf zur Beilegung des Streits unternommen werden.

Außer der Personalie Wiedeking sind auch steuerliche Themen in den Verhandlungen ein Knackpunkt. Denn bei dem von VW geplanten Einstieg beim hoch verschuldeten Stuttgarter Sportwagenbauer könnten milliardenschwere Steuerzahlungen fällig werden, die den Verkaufserlös schmälern würden. "An dieser Baustelle wird mit Hochdruck gearbeitet", sagte ein Insider. Auch die Finanzbehörden von Baden-Württemberg und des Bundes sind eingebunden.