Bauernmilchpreis seit 2008 um 30 % gesunken

Die rasante Talfahrt des Bauernmilchpreises hat dieser Tage in ganz Europa zu einem Aufstand der Milchbauern geführt. Der Erzeugermilchpreis ist in Österreich innerhalb von 1,5 Jahren um mehr als ein Drittel von 42,5 Cent/kg Anfang 2008 auf mittlerweile 25,6 Cent/kg in den Keller gerutscht. In Deutschland liegt der durchschnittliche Bauernmilchpreis derzeit nur noch bei 22 Cent/kg. Das hat zu dramatischen Einkommenseinbußen für die Landwirte geführt. Viele Bauern sehen sich in ihrer Existenz bedroht.

Dass es für die Milchbauern schon die letzten Jahre nicht leicht gewesen ist, zeigt auch die Statistik. Gab es zum EU-Beitritt noch 81.902 Milchlieferanten, so ist die Zahl unterdessen auf 39.287 (per Ende 2008) gesunken. Die Zahl der Milchkühe hat sich in diesem Zeitraum von 804.264 auf 530.230 reduziert.

Die Wirtschaftskrise hat die Milchbauern so stark und schnell getroffen wie keinen anderen Betriebszweig in der Landwirtschaft. Märkte sind weggebrochen, die Konsumenten haben weniger eingekauft und wegen der hohen Preise vor zwei Jahren hat die Lebensmittelwirtschaft in vielen Rezepturen Produkte wie Milchfett durch billigere Stoffe ersetzt - Stichwort Analogkäse.

die heimischen Molkereien wollen eventuelle Blockaden durch Milchbauern nicht ungestraft dulden. Sollte durch Blockaden Schaden entstehen, werde man klagen, sagte der Chef der österreichischen Milchverarbeiter (VÖM), Johann Költringer. Es würden alle Bauern geschädigt, wenn eine Molkerei nicht produzieren könne.

Mit dem Streik wollen die Milchbauern durchsetzen, dass die Bauern ähnlich wie die Ölförderländer der OPEC die Milchproduktion selbst dem Bedarf anpassen und so die Preise steuern können. Laut IG Milch wäre zum Überleben hierzulande ein Milchpreis von zumindest 40 Cent notwendig. In der EU wird die Produktion durch die Milchquote derzeit noch künstlich begrenzt. Bis 2015 soll diese erlaubte Obergrenze für die Milchproduktion aber schrittweise auslaufen.

Trotz des massiven Milchpreisverfalls hat die EU-Kommission im Sinne einer weiteren Liberalisierung des Milchmarktes die Forderung nach zusätzlichen Subventionen für die Bauern vergangene Woche ebenso abgelehnt wie ein Einfrieren der Milchquote, die im kommenden Jahr um ein Prozent erhöht werden soll. Sie lehnte eine Resolution von 16 der 27 Staaten, die Sofortmaßnahmen gegen die Milchkrise verlangten, und eine von sechs Staaten, darunter auch Österreich, die überhaupt ein europaweites Aussetzen der für April 2010 angekündigten Erhöhung forderte, ab.

Die IG Milch plant auch in den nächsten Tagen "klein- und großräumige" Proteste. "Wir sind aber eine Guerilla-Organisation. Unsere Zellen agieren autonom", sagte ein IG-Sprecher zu den weiteren Plänen. Natürlich hängen die weiteren Aktionen auch von möglichen Reaktionen der Politik ab.