Fluglinien kritisieren Übervorsicht

Europäische Airlines fordern staatliche Hilfe

Notleidende Airlines und Flughäfen in Europa verlangen wegen ihrer Millionenverluste infolge des Flugverbots immer lauter staatliche Unterstützung. Der europäische Verband der Flughäfen ACI Europe und der Verband der Fluggesellschaften AEA forderten am Dienstag eine "angemessene Antwort auf europäischer Ebene".

"Allein die Flughäfen haben in den vergangenen fünf Tagen mindestens 200 Mio. Euro verloren", sagte ein Sprecher von ACI Europe. Bereits in einigen Wochen könnten einige der rund 150 Airlines in Europa pleite sein, schätzte der Verband AEA, in dem alle großen europäischen Fluglinien organisiert sind. Die Verbände sprachen von "der schlimmsten Blockade der europäischen Luftfahrt seit dem Zweiten Weltkrieg."

Die Unternehmen fordern von ihren jeweiligen Staaten Finanzspritzen für Notfall-Leistungen wie beispielsweise Verpflegung und Übernachtungen für gestrandete Passagiere. Dies müsse europaweit abgestimmt werden. Nach Angaben der EU-Kommission hat bisher noch keines der 27 EU-Mitgliedsländer seine Fluggesellschaften mit Staatsgeld unterstützt. Aber die Kommission hat ja in Aussicht gestellt, die Auflagen für staatliche Subventionen zu lockern.

Österreichs Regierungsspitze sieht indes keinen Anlass für eine Diskussion über staatliche Zuschüsse. Das Wirtschaftsministerium evaluiert momentan den Schaden für die gesamte heimische Wirtschaft.

Laut Wifo-Ökonomen lassen sich aber "derzeit überhaupt keine größeren Auswirkungen auf die Volkswirtschaft" erkennen. Auch die Industriellenvereinigung (IV) hält den entstandenen Schaden für die Gesamtwirtschaft für so gering, dass er "statistisch kaum erfassbar" ist. Dies liege daran, dass der BIP-Beitrag der Luftverkehrs-Dienstleistungen nur 0,25 Prozent betrage.

Die Wirtschaftskammer (WKÖ) spricht von einem "überschaubaren" Schaden. Nach derzeitigem Stand werde das BIP im zweiten Quartal um rund 50 Millionen Euro, also einen Zehntelprozentpunkt, geringer ausfallen.

Wirtschaftsminister Mitterlehner verwies in Sachen Schadenersatz auf ein EU-weites Vorgehen. Auch Verkehrsministerin Bures wollte sich auf Fragen nach finanzieller Unterstützung für die Airlines nicht einlassen. Ihre primäre Sorge sei, die gestrandeten Passagiere zu ihren Reisezielen zu bringen.