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Wall Street mit Abgaben

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Sorgen um die weltweite Konjunkturentwicklung haben den US-Börsen am Dienstag deutliche Verluste beigebracht. Der S&P-500-Index schloss sogar auf einem neuen Jahrestief. Schwache Daten zum Verbrauchervertrauen in den USA, enttäuschende Wirtschaftsdaten aus Japan und die Unsicherheit über fiskalpolitische Bremsmaßnahmen in China und Indien belasteten die Stimmung ebenso wie Sorgen in Europa über das Auslaufen eines Jahrestenders der Europäischen Zentralbank (EZB) zum Monatsende.

Zum Handelsschluss stand der US-Leitindex Dow Jones Industrial Average 2,65 % tiefer bei 9.870,30 Punkten. Damit setzte der US-Leitindex die Talfahrt der vergangenen Woche fort, nachdem er am Montag fast unverändert geschlossen hatte. Der breiter gefasste S&P-500-Index verlor 3,10 % auf 1.041,24 Punkte und schloss damit so schwach wie seit Ende Oktober 2009 nicht mehr. Noch deutlicher ging es am Dienstag an der Technologiebörse Nasdaq bergab: Der Composite-Index fiel um 3,85 % auf 2.135,18 Punkte und der Nasdaq-100-Index verlor 3,92 % auf 1.764,06 Punkte.

Die negativ aufgenommene Bilanzvorlage ließ die Aktien von Micron Technology um 13,47 % auf 8,67 US-Dollar abstürzen. Der größte amerikanische Speicherchipverkäufer übertraf zwar mit seinen Zahlen zum dritten Quartal die Erwartungen der Analysten, allerdings fiel der Ausblick enttäuschend aus. Micron rechnet bestenfalls mit einem leichten Wachstum. 3M Company erwartet indes für das zweite Quartal des laufenden Jahres ein Umsatzwachstum im zweistelligen Prozentbereich. Die Papiere des Mischkonzerns gaben um lediglich 0,62 % auf 78,49 Dollar nach.

Die Anteilsscheine der Citigroup waren nach einem Kurssturz kurzzeitig von Handel ausgesetzt worden und schlossen letztlich 6,75 % schwächer bei 3,73 Dollar. Wie der Börsenbetreiber NYSE Euronext berichtete, hatte ein automatischer Handelsstopp (circuit breaker) gegriffen, nachdem eine Order die Titel extrem kräftig ins Minus gedrückt hatte. Aktienspezifische Handelsstopps waren eingeführt worden, nachdem am 6. Mai der DJIA binnen weniger als einer Stunde rund ein Zehntel seines Werts eingebüßt und sich anschließend ebenso schnell wieder erholt hatte. Nach der aktuellen Regelung werden alle im S&P-500-Index notierten Aktien vom Handel ausgesetzt, die binnen fünf Minuten mehr als zehn Prozent verlieren.

Die Aktien von Caterpillar verloren 5,51 % auf 60,85 Dollar. Der weltgrößte Baumaschinen-Hersteller will von Xuzhou Construction Machinery deren Anteil von 15,87 % an der Caterpillar Xuzhou Ltd übernehmen. Nach Abschluss der Transaktion werde das Unternehmen vollständig zu Caterpillar gehören, teilte Caterpillar mit. Zudem will der Baumaschinen-Hersteller die Kapazitäten für den Bau von Baggern in China verfünffachen und ab Ende des Jahres den Bau einer neuen Fabrik in Brasilien beginnen.

Verluste von 3,78 % auf 454,26 Dollar mussten die Anteilsscheine von Google hinnehmen. Der Suchmaschinenbetreiber will sein Geschäft in China mit einem erneuten Schachzug retten. Im monatelangen Streit mit der Regierung in Peking über Zensur und Einflussnahme kommt der Internetkonzern deshalb den Behörden etwas entgegen und beendet die monierte automatische Weiterleitung bei seiner Suchmaschine von China ins freiere Hongkong. Zudem bekommt Google laut einem Bericht des "Wall Street Journal" viel Konkurrenz bei der geplanten Übernahme des Reisesuchmaschinen-Softwareanbieters ITA. So hätten das Online-Reisebüro Expedia, die Reise-Suchmaschine Kayak und der Technologieanbieter Travelport Interesse an einem Kauf bekunde.

Indes feierte der Elektroauto-Pionier Tesla Motors ungeachtet des negativen Markttrends ein erfreuliches Börsendebut. Die Titel beendeten den ersten Handelstag an der Wall Street bei 23,89 Dollar und damit atemberaubende 40,53 Prozent über dem Ausgabepreis von 17,00 Dollar je Aktie.

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