Banken wollen Verbriefungsmarkt reaktivieren

Die deutsche Exportwirtschaft und Kreditbranche dringt verstärkt auf staatliche Impulse für den Verbriefungsmarkt. Dieser seit Beginn der Finanzkrise fast ausgetrocknete Markt müsse rasch reaktiviert werden, sagte der Präsident des Außen- und Großhandelsverbandes BGA, Anton Börner, in Berlin.

Dies sei ein wichtiges Mittel, um die Bankbilanzen zu entlasten und damit auch eine drohende Kreditklemme zu verhindern. "Ohne eine Initialzündung der öffentlichen Banken oder Landesförderinstitute und womöglich auch von einzelnen Notenbanken wird es schwer werden, dieses Geschäft zu reaktivieren", sagte Börner. Der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück reagierte eher zurückhaltend.

Der Chef der staatlichen Förderbank KfW, Ulrich Schröder, betonte, die gesamte Kreditwirtschaft sei davon überzeugt, dass der Verbriefungsmarkt wieder langsam und behutsam vorangetrieben werden müsse. "Wir sollten den Mut haben, diesen Markt wieder zu öffnen. Denn wir brauchen ihn als eines der Instrumente, um die Kreditversorgung der Wirtschaft auf Dauer wiederherzustellen." Das Thema sei allerdings durch die Finanzkrise "vermint und belastet", räumte Schröder ein.

Verbriefungen waren für Banken jahrelang ein wichtiges Instrument der Refinanzierung, das aber in der Finanzmarktkrise in Misskredit geriet. Denn Institute betrieben diese Praxis teilweise so exzessiv, dass am Ende keiner mehr wusste, wo die Risiken bestimmter Kredite lagen. Der Vertrauensverlust der Banken untereinander sorgte nahezu für ein Austrocknen des Verbriefungsmarktes.

Steinbrück äußerte sich zurückhaltend zu dem Thema: Verbriefungen an sich seien weder gut noch schlecht. "Die Frage ist, was macht man mit ihnen und welchen Auflagen unterwirft man diese Verbriefungen." Er wolle die Finanzierungsfunktion der Instrumente nicht abschaffen, "aber ich möchte ihren Spekulationsspitzen etwas nehmen", betonte der deutsche Finanzminister. "Und ich möchte, dass nicht Risiken so weit weitergereicht werden können in die Verbriefung der Verbriefung der Verbriefung, dass bei dem, der mal angefangen hat, kein Risiko mehr auf der Bilanz steht." Es gehe darum, hier "Leitplanken" und "Spielregeln" zu gestalten.

Die KfW lotet nach Schröders Worten mit der Berliner Regierung weitere Möglichkeiten aus, um das Eigenkapital der Banken zu entlasten. Hier gehe es etwa darum, sogenannte Portfoliogarantien über Bestandskredite zu geben. Dies sei eine Art Ergänzung zur Haftungsfreistellung von 90 Prozent bei Neukrediten, die die KfW bereits im Zuge des Konjunkturpaktes übernommen hat. Dabei könnte die KfW nach einer Portfoliobewertung die Garantie für bestimmte Teile eines Kreditbündels übernehmen, was das Eigenkapital der Banken schonen könnte, sagte Schröder. Und wenn es eine Bewertung gegeben habe, lasse sich darauf auch eine Verbriefung aufsetzen. Eine Entscheidung der Regierung noch vor der Bundestagswahl sei nicht zu erwarten, sagte Schröder.