DAX-Vorstände müssen mit Gehaltskürzungen rechnen

Die Vorstände börsennotierter Unternehmen in Deutschland müssen nach Expertenmeinung bei Misserfolgen künftig mit Gehaltskürzungen rechnen. "Es gibt eine ganze Reihe von Unternehmen, die im Hinblick auf die wirtschaftliche Entwicklung der letzten Monate ein Bonus-Malus-System diskutieren."

Das sagte das geschäftsführende Vorstandsmitglied des Deutschen Aktieninstituts (DAI), Rüdiger von Rosen, der Deutschen Presse-Agentur dpa in Frankfurt. "Das Gespür dafür, Gehaltsregelungen zu finden, die der individuellen Leistung Rechnung tragen und der Öffentlichkeit besser verständlich zu machen sind, ist groß." Bei den DAX-Unternehmen sei das "ein wichtiges Thema", sagte er.

Das DAI mit Sitz in Frankfurt ist die Interessenvertretung der Unternehmen, die sich am deutschen Kapitalmarkt engagieren. Dem Verband gehören fast alle DAX-Unternehmen an. Der Deutsche Bundestag hatte Mitte Juni schärfere Regeln für die Manager-Vergütung beschlossen. Die Vorgaben sehen unter anderem vor, dass Anreizsysteme am langfristigen Erfolg eines Unternehmens ausgerichtet und so Bonus-Zahlungen eingedämmt werden. Das Gesetz eröffnet zudem die Möglichkeit von Gehaltskürzungen.

Von Rosen sagte, er halte die gesetzgeberischen Eingriffe in die Vorstandsvergütung für eine "fatale Entwicklung". Die Entscheidung über die Bezahlung der Vorstände müsse bei den Eigentümern liegen. "Hier wird ein Grundrecht des Eigentümers verletzt." Die neuen Regeln werden nach von Rosens Einschätzung eine Angleichung der Vorstandsgehälter bewirken. "Die kann nur nach oben gehen. In dem Moment, wo selbst über die Boni keine unterschiedliche Behandlung mehr möglich ist, wird es im Rahmen des Vorstandes auf eine Nivellierung hinauslaufen."