Sucht-Faktor für viele Firmen zu groß

Social Networking am Firmen-PC teilweise verboten

Facebook, StudiVZ, Xing, Twitter oder MySpace werden immer beliebter. Der Suchtfaktor der Social-Network-Seiten ist offenbar so groß, dass viele Online-Netzwerker auch in der Arbeit nicht darauf verzichten wollen. Mittlerweile haben diverse Unternehmen, Ministerien und Behörden die Notbremse gezogen und den Zugriff auf Facebook & Co. für ihre Mitarbeiter gesperrt.

In den heimischen Unternehmen wird es unterschiedlich gehandhabt, ob Kontaktseiten, private E-Mail-Accounts oder Chatforen angesurft werden können. Einen Webfilter, der Seiten mit bedenklichen oder bedrohlichen Inhalten wie Pornografie oder Gewalt blockiert, hat aber jeder Betrieb.

Wer selbst Facebook-Mitglied ist, weiß, wie viel Zeit dabei drauf geht - zu viel hat man bei der AUA festgestellt und den Zugang deshalb gekappt. "Die Nutzung hat überhandgenommen und ist zulasten der Arbeitszeit gegangen", hieß es aus dem Unternehmen zur APA. Auch auf private E-Mail-Accounts (gmx, hotmail) können AUA-Mitarbeiter nicht zugreifen, was aber mehr aus Sicherheitsgründen gemacht wurde.

Die Karriere-Netzwerk-Seite Xing, die Videoplattform Youtube oder das deutschsprachige Pendant zu Facebook, StudiVZ, können die Mitarbeiter der heimischen Fluggesellschaft hingegen ohne Probleme anschauen. Dort hätte man das "Zeitproblem" nicht festgestellt. In regelmäßigen Abständen evaluiert die Airline jene Internet-Seiten, die von den Beschäftigten am häufigsten aufgesucht werden.

Bei der OMV und beim Verbund wird den Mitarbeitern der Zugang zu Social-Network-Seiten grundsätzlich verwehrt. Ausnahmen gibt es beim Verbund aber, wenn eine berufliche Notwendigkeit besteht - dann werden die Seiten kurzfristig entsperrt.

Facebook oder Xing werden mittlerweile von vielen Unternehmen auch zur Kunden- oder Mitarbeiter-Akquise verwendet - immerhin nutzen bereits 600.000 Österreicher Facebook, 300.000 Xing. "Wir haben Facebook & Co. für uns entdeckt und erst vor kurzem einen Mitarbeiter aufgenommen, den wir auf Xing gefunden haben. Über Facebook akquirieren wir neue Kunden", erzählte Erste-Bank-Sprecher Peter Thier.

Laut Thier sei es keine Lösung, Seiten einfach zu sperren. "Wenn sich Mitarbeiter ablenken wollen, dann werden sie das auch ohne Facebook tun." Eine interne Diskussion, ob gesperrt werden soll oder nicht, habe es aber trotzdem schon gegeben. Derzeit seien den Mitarbeitern die Zugriffe auf private E-Mail-Benutzerkonten sowie auf Youtube verwehrt, wie bei der AUA ebenfalls aus Sicherheitsgründen.

Ähnlich offen ist man bei der Post und der Telekom Austria. Post-Mitarbeiter haben uneingeschränkten Zugriff auf alle Internetseiten - abgesehen natürlich von "bedenklichen" Webseiten - eine Betriebsvereinbarung sieht jedoch vor, dass die Nutzung der IT-Ressourcen für private Zwecke nicht erlaubt ist, so Postsprecher Stefan Fuchs. Überprüft wird das zwar nicht, man vertraue darauf, dass die Mitarbeiter ihre Privat-Aktivitäten nicht während der Dienstzeit machen. Auch Telekom-Beschäftigte können problemlos jede Page ansurfen.

In den heimischen Ministerien und Behörden werden private E-Mails meist geduldet, die Nutzung von Social Networks wie etwa Facebook oder Xing eher nicht. Contentfilter für Pornografie und Rechtsextremismus gehören zur Standardeinrichtung. Im Sozialministerium etwa sind Social Networks gesperrt - aus Gründen der Kosten- und Netzwerkbelastung, wie es gegenüber der APA hieß. Der Zugriff auf Pages wie GMX oder Hotmail hingegen ist erlaubt.

Im Wissenschaftsministerium sind Seiten mit sexuellem oder pornografischem Inhalt gesperrt, sonst gibt es keine Beschränkungen. Ähnlich verhält es sich im Bildungsministerium. Einschränkungen gibt es im Gesundheitsministerium was pornografische, rechtsextreme oder gewalttätige Inhalte betrifft. Im Gesundheitsressort funktionieren allerdings sowohl die Email-Anbieter als auch Social Networks.

Restriktiver gibt man sich im Wirtschaftsministerium, hier sind generell alle Web 2.0-Anwendungen gesperrt. Das Innenressort verfügt österreichweit über rund 30.000 Mitarbeiter und 16.000 Computerarbeitsplätze - auf ihnen sind allerdings ebenfalls einige Anwendungen wie zum Beispiel Facebook gesperrt. Für Ermittlungen können sie aber freigeschaltet werden. Zugänglich sind die E-Mail-Konten.

Im Landwirtschaftsministerium sind Hotmail und GMX zwar zugänglich, dies aber nur zur dienstlichen Verwendung. Auch im Bundeskanzleramt verhindert eine Filter-Software, dass auf Seiten, die nicht dienstlich genutzt werden, zugegriffen wird. Das Außenministerium erlaubt den Zugriff auf Email- und Social Network-Seiten, Homepages mit bedenklichem Inhalt werden gefiltert.

Filme können im Justizministerium aufgrund der üblicherweise großen Datenmengen nicht angesehen werden. Die Diskussion um eine Sperre von Facebook werde natürlich mitverfolgt. Es gebe aber "keine Hinweise, dass diese Seiten von den Mitarbeitern zu sehr genutzt werden". Neben einem Contentfilter setzt man im Verkehrsministerium außerdem auf eine Richtlinie, welche die dienstliche Nutzung von Facebook & Co erlaubt und festlegt. Die private Nutzung muss "im Rahmen bleiben".

Im Finanzministerium ist man strikter. Für die etwa 12.000 Mitarbeiter in der Finanzverwaltung gilt ein eingeschränkter Zugang. Das Verteidigungsministerium, unterliegt "besonderen Sicherheitsbestimmungen" und verfügt deshalb über ein eigenes Intranet, über das 80 Prozent des Datenverkehrs laufen. Aus Sicherheitsgründen sind unter anderem all jene Seiten gesperrt, auf denen es um persönlichen Datenaustausch geht - also Facebook, Xing und ähnliches. Im dienstlichen Zusammenhang ist die Benutzung erlaubt.