AK_Tumpel

Arbeitnehmer dürfen nicht für die Krise zahlen!

AK-Präsident Herbert Tumpel: Die Herausforderungen für 2010 lauten Verteilungsgerechtigkeit sowie Arbeitsmarkt- und Bildungsoffensive.

2010 wird es bei den Budget-Verhandlungen darum gehen, wer für die Krise bezahlen muss. Die Arbeitnehmer sind nicht schuld an der Krise. Es kann nicht sein, dass sie jetzt mit Leistungskürzungen und Steuererhöhungen zur Kasse gebeten werden.

Die Arbeitnehmer haben ihren Beitrag bereits geleistet: Tausende haben ihren Arbeitsplatz verloren, tausende haben Einkommensverluste durch Kurzarbeit hinnehmen müssen. Optimismus schön und gut, aber am Arbeitsmarkt zeichnet sich keine nachhaltige Entspannung ab.
Alle Prognosen deuten darauf hin, dass die Arbeitslosigkeit 2010 weiter steigen oder zumindest hoch bleiben wird. Solange das der Fall ist, darf nicht von einer Entspannung oder Überwindung der Krise gesprochen werden. Wir müssen um jeden Arbeitsplatz kämpfen.

Damit wir zu diesem Wendepunkt gelangen, sind eine Arbeitsmarkt- und eine Bildungsoffensive unumgänglich. Es ist daher wichtig und richtig diese Schwerpunkte zu setzen. Ich erwarte, dass alle dieser Orientierung folgen. Wachstum stärken und Beschäftigung sichern muss die oberste Zielsetzung für die Wirtschaftspolitik sein.

Für die Krise zahlen müssen diejenigen, die sie verursacht haben, und das sind sicher nicht die Arbeitnehmer. Das sind einerseits die, die mit riesigen Spekulationen die Krise ausgelöst haben. Aber mitschuldig an der Krise sind auch die, die gesagt haben, der Markt regle alles und die Regulierungen der sozialen Marktwirtschaft über Bord geworfen haben. Die Kaufkraft der Arbeitnehmer muss abgesichert werden.

Arbeitsmarkt- und Bildungsoffensive gefordert

Für die weitere Bewältigung der Krise braucht es ein umfassendes Arbeitsmarkt- und Bildungspaket. Das ist dringend notwendig, um etwa mit Qualifizierungsmaßnahmen und Weiterbildungen im Bereich Gesundheit und Pflege dafür zu sorgen, dass die Menschen schnell wieder gute Arbeitsplätze finden, von denen sie auch leben können.
Das ist ein Bereich, in dem es auch in der Krise Arbeitskräftebedarf gibt. Auch die Verdopplung des Angebots der Neuen Mittelschule und der Ausbau der Ganztagsschulplätze werden sowohl bildungs- wie auch arbeitsmarktpolitische Akzente setzen.

Tausende neue Arbeitsplätze können dadurch entstehen, sie werden den Jungen einen guten Weg in die Zukunft weisen und sie werden mehr Beschäftigung für Frauen bringen. Die Langzeitfolgen von Dauerarbeitslosigkeit wären dagegen fatal: Wer lange arbeitslos ist, dem fehlt Berufserfahrung. Der ist bereit, für immer weniger Geld zu arbeiten. Das ist ein Teufelskreis, aus dem die Menschen dann kaum mehr herauskommen, und den sie über lange Jahre mit Einkommensverlusten bezahlen. Damit ist auch der Wirtschaft nicht gedient.

Österreich hat genug Facharbeiter

Die Rufe der Industrie nach mehr ausländischen Facharbeitern sind indessen angesichts der steigenden Arbeitslosigkeit zynisch. Facharbeitermangel ist bei genauem Hinsehen ein Mangel an Bereitschaft, gute Arbeit gut zu bezahlen. Die Menschen sind da, wir müssen ihnen nur die Chance dafür geben. Sozialdumping ist das Letzte, was uns aus der Krise bringt: