Neuer Volkswagen-Chef plant Verkleinerung des Vorstands

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Neuer Volkswagen-Chef plant Verkleinerung des Vorstands

Der künftige Volkswagen-Chef Oliver Blume will als eine seiner ersten Maßnahmen den Konzernvorstand laut Insidern verkleinern.

Die unter seinem Vorgänger Herbert Diess auf zwölf Mitglieder angeschwollene Unternehmensführung habe sich als zu groß und schwer zu koordinieren erwiesen, sagten mehrere mit den Überlegungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. "Bei den Doppelfunktionen soll einiges überdacht werden", erläuterte einer der Insider.

Acht bis neun Vorstandsressorts

Diess hatte im Zuge der zahlreichen Machtkämpfe bei Volkswagen einige Vertraute in den Vorstand geholt, um seine Macht abzusichern. Am Ende reichte auch das nicht - die Familien Porsche und Piech, die über die Porsche-Holding den Konzern kontrollieren, senkten vor drei Wochen den Daumen über Diess. Sein Nachfolger Blume, der den Konzern ab Anfang September in Personalunion mit der VW-Tochter Porsche AG führen soll, setzt auf mehr Teamarbeit. Die Zahl der Vorstandsressorts könnte den Angaben der Insider zufolge dadurch auf acht bis neun sinken. Entschieden sei das aber noch nicht. Weder Volkswagen und Porsche noch der Hauptaktionär Porsche SE wollten dazu Stellung nehmen.

Kernteam

Zum Kernteam um Blume gehören Konzernkreisen zufolge nach derzeitigem Stand der Überlegungen Finanzchef Arno Antlitz, Personal- und Truck-Vorstand Gunnar Kilian, Chefjurist Manfred Döss und Thomas Schäfer, der die wichtige Markengruppe Volumen aus VW, Skoda und Seat leitet. Auch Markus Duesmann, der die Premiumgruppe mit Audi, Lamborghini, Bentley und dem Motorradhersteller Ducati leitet, gilt als gesetzt. Allerdings könnte sich an seinem Zuständigkeitsbereich etwas ändern.

Wackelkandidaten

Beim China-Vorstand Ralf Brandstätter stehen offenbar Fragezeigen. Darüber werde noch diskutiert, sagte ein Konzernkenner. Auch zur Rolle von IT-Chefin Hauke Stars sind die Aussagen uneinheitlich.

Dagegen wackeln die Vorstandsposten von Einkaufschef Murat Aksel und Vertriebschefin Hildegard Wortmann offenbar gehörig. "Man könne hinterfragen, "warum ein Einkaufsvorstand der Marke VW Pkw zusätzlich im Konzernvorstand vertreten sein muss", so einer der Insider. Das Gleiche gilt wohl für Wortmann, die neben Audi auch das Vertriebsressort des Konzerns leitet.

Diskutiert werde noch über das umfangreiche Aufgabenfeld von Technik-Chef Thomas Schmall, der neben den konzerneigenen Zulieferern auch für den Aufbau des Netzes an Batteriewerken und die Vermarktung der Technikplattformen zuständig ist. Blume dürfte die Verantwortung für die Produktion im Konzernvorstand abgeben, um mehr Freiraum für seine Aufgaben an der Konzernspitze zu bekommen. Wer die Aufgabe übernehmen soll und ob sie auf Vorstandsebene angesiedelt bleibt, sei noch nicht entschieden, sagten die Insider. Um das Pensum als Konzern- und Porsche-Chef zu schaffen, sollen ihm die Finanzvorstände Arno Antlitz bei Volkswagen und Lutz Meschke bei Porsche zur Seite stehen.

Aufsichtsrat Ende September

Sollten Aksel und Wortmann ihre Posten verlieren, könnte der Konzernvorstand auf neun Personen schrumpfen. Denkbar ist auch eine Verkleinerung auf acht Positionen. "Es ist noch einiges im Fluss", sagte einer der Insider. Der Aufsichtsrat soll Unternehmenskreisen zufolge Ende September zu seiner nächsten regulären Sitzung zusammenkommen. Bis dahin wolle Blume sein Führungsteam beisammen haben.