1,9 Mrd. Euro futsch: Wirtschaftskrimi um Austro-Milliardär

Wirecard-Skandal

1,9 Mrd. Euro futsch: Wirtschaftskrimi um Austro-Milliardär

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Der Wirecard-Skandal wird immer skurriler. Im Zentrum: der Wiener Milliardär Markus Braun.

Markus Braun war bis vor Kurzem ein gefeierter Börsenstar und ein Hans-Dampf-in-allen-Gassen: Er machte aus dem Start-up ­Wirecard einen milliardenschweren Dax-Konzern – und der war zeitweise mehr wert als die Deutsche Bank. Eine Bilderbuchkarriere, die ihn schwerreich machte.

Und dann das: Spätestens seit dem Wochenende ist der 51-Jährige ganz unten angekommen. Im Zuge eines gigantischen Bilanzskandals bei Wirecard musste Braun am vergangenen Freitag den Hut als CEO nehmen.

1,9 Mrd. Euro fehlen – ein Viertel der Bilanzsumme

Tags zuvor hatten die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young dem Unternehmen ihren ­Segen für den Jahresabschluss 2019 verweigert: Es gebe beachtliche Zweifel an der Existenz von 1,9 Milliarden Euro (das ist ein Viertel der Bilanzsumme), die auf Treuhandkonten auf den Philippinen verbucht wurden. Tatsächlich verlief die Suche auf den Philippinen erfolglos. Die dortige Zentralbank sagt: „Es ist kein Wirecard-Geld auf die Philippinen gelangt.“

Der Wirtschaftsinformatiker Braun ist Mitglied im Thinktank „Think Austria“, der von Antonella Mei-Pochtler geleitet wird. Der gebürtige Wiener spendete an Parteien – 70.000 Euro an die ÖVP, doch auch an die Neos gingen 150.000 Euro. Braun führte Wirecard seit 2002, brachte die Firma 2005 an die Frankfurter Börse. Zwischen 2006 und 2019 stiegen die Umsätze von 82 Millionen auf 2 Milliarden Euro; Wirecard spielt weltweit vorne mit bei digitalen Bezahllösungen, hat über 313.000 Kunden.

Ex-Ermittler wird der 
neue Konzernboss

Doch seit 2019 gibt es Wirbel um Vorwürfe der Bilanzmanipulation. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin ermittelt gegen Braun. Der sieht Wirecard als mögliches Opfer eines „gigantischen Betrugs“. Der neue Wirecardchef James Freiss scheint für den Posten wie geschaffen: Er war Ermittler in Sachen Wirtschaftskriminalität.

Brutaler Crash

Die Wirecard-Aktie krachte in den Keller, die Firma büßte binnen 1,5 Tagen 10 Mrd. Euro Börsenwert ein. Braun selbst, der 7 % an Wirecard hält, verlor über 600 Mio. Euro. Ein Krimi also, der uns noch länger begleiten wird …

Wirecard kassiert bei vielen Karten-Zahlungen mit

Wenn Sie ­Ihren Einkauf in einem Shop mit Kreditkarte zahlen oder auch online bestellen, haben sie gute Chancen, dass die Zahlung über Wirecard abgewickelt wird. Der aus einem Start-up hervorgegangene Konzern wickelt weltweit Zahlungen ab und kooperiert mit rund 313.000 Unternehmen – darunter Riesen wie Ikea oder große Fluglinien. Unterstützt werden Visa, Mastercard, American Express, Discover

Diners, JCB, Alipay, Apple Pay sowie China UnionPay. Dabei bietet Wirecard Lösungen für den elektronischen Zahlungsverkehr, das Risikomanagement sowie die Akzeptanz von Kreditkarten an.

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